Januar

Das Jahr startete mit einem verheerenden Brand, der ein ganzes Lebenswerk innerhalb kurzer Zeit in Schutt und Asche legte: Bei dem Feuer in einer Halle in Langenargen-Oberdorf am Bodensee verlor der Ex-Rennfahrer Wolfgang Böhme, der dort einen Handel mit Klassik-Automobilen betrieb, seine Oldtimer-Sammlung – mehr als 20 Fahrzeuge, darunter ein Ferrari und ein MG Coupe. Bei dem Brand in der Nacht zum 15. Januar entstand ein Schaden in Millionenhöhe.

67 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz. Die Halle, in der die Oldtimer untergebracht waren, brannte komplett nieder.
67 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz. Die Halle, in der die Oldtimer untergebracht waren, brannte komplett nieder. | Bild: Feuerwehr

Ein Mann aus Meßkirch bezeichnete sich dagegen schon im Januar als Glückspilz 2020: Er war am 4. Januar in einem Hauseingang in der Hauptstraße schwer gestürzt und blutend und bewusstlos am Boden liegen geblieben. Zwei unbekannte Jungen wurden aber auf ihn aufmerksam, setzten einen Notruf ab und retteten dem Mann damit das Leben. Im SÜDKURIER suchte der Meßkircher später nach seinen beiden Rettern.

Februar

Sturmtief Sabine fegte am 8. und 9. Februar über Bodensee, Hochrhein, Schwarzwald und Linzgau hinweg. Vor allem Pendler mussten improvisieren, ebenso wie so manche Schule in unserer Region. Als Sabine schließlich weiterzog, hinterließ sie zahlreiche umgestürzte Bäume und herabgefallene Dachziegel.

Sturm Sabine richtete in der ganzen Region Schäden an.
Sturm Sabine richtete in der ganzen Region Schäden an. | Bild: Oliver Hanser

Ende Februar erreichte das Thema Corona unsere Region. Im Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen gab es am 27. Februar erstmals drei Verdachtsfälle. Zu diesem Zeitpunkt waren die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Südwesten bereits in Alarmbereitschaft, nachdem es zuvor im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg zu einem Massenausbruch gekommen war.

März

Im März kam es zu einer Situation, wie sie sich wenige Wochen zuvor noch niemand hätte ausmalen können: Wegen der immer schnelleren Ausbreitung des Coronavirus – auch die Region hatte zu diesem Zeitpunkt längst die ersten Infizierten zu verzeichnen – schloss Deutschland am 16. März seine Grenzen zu Österreich, der Schweiz und anderen Nachbarländern. Die Schließung dauerte rund drei Monate an. Bauzäune auf dem Konstanzer Areal Klein Venedig wurden in dieser Zeit zum Symbol für Trennung, Sehnsucht – aber auch Zusammenhalt.

Trotz wieder errichtetem Grenzzaun war es zahlreichen Deutschen und Schweizern ein Herzensanliegen, die grenzüberschreitenden Freundschaften trotzdem weiter zu pflegen.
Trotz wieder errichtetem Grenzzaun war es zahlreichen Deutschen und Schweizern ein Herzensanliegen, die grenzüberschreitenden Freundschaften trotzdem weiter zu pflegen. | Bild: Aurelia Scherrer

April

Ein spiegelglatter Bodensee ohne ein einziges Schiff oder Boot, gesperrte Uferpromenaden und nahezu leere Straßen und Plätze: Das Osterfest war in diesem Jahr anders als je zuvor und bot so manches ungewohntes Bild.

Karfreitag 2020 in Zeiten von Corona: Blick auf die Altstadt von Überlingen mit Münsterstraße und Hofstatt – und ein Bodensee ohne Segelboote.
Karfreitag 2020 in Zeiten von Corona: Blick auf die Altstadt von Überlingen mit Münsterstraße und Hofstatt – und ein Bodensee ohne Segelboote. | Bild: Stefan Hilser

Auch solche Geschichten schrieb Corona: Der achtjährige Benjamin aus der Schweiz schickte im April eine E-Mail an die Bundespolizei. Sein Anliegen: Forscher sollten einen Detektor erfinden, der Coronaviren aufspürt – damit er seine Oma in Deutschland wieder besuchen darf. Daraufhin fasste sich Polizeisprecher Christian Werle ein Herz und versuchte in einer emotionalen Antwort, dem Achtjährigen zu erklären, warum das leider nicht so einfach ist.

Mai

Aufsehenerregender Fund bei Allensbach: Im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße 33 stießen Wissenschaftler Mitte Mai auf Überbleibsel einer Hinrichtungsstätte aus der Neuzeit. Auch Überreste von Menschen, die hier ihr Leben ließen, entdeckten sie. Unser Fotograf und Drohnenpilot war vor Ort und brachte nicht nur exklusives Bildmaterial, sondern auch schaurige Details zum Tod der Verurteilten mit.

Unwürdig verscharrt: Der Mann liegt auf dem Bauch mit verschränkten Händen auf dem Rücken. Daneben ein einzelner Schädel und weitere Knochenreste.
Unwürdig verscharrt: Der Mann liegt auf dem Bauch mit verschränkten Händen auf dem Rücken. Daneben ein einzelner Schädel und weitere Knochenreste. | Bild: Lukas Ondreka

Juni

Patrick Romer aus Konstanz-Dingelsdorf hatte am 1. Juni seinen großen Auftritt: Der 24-jährige Rinderzüchter vom Bodanrück war einer von 14 Kandidaten bei der RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau„. Uns erzählte er, wie er sich seine Traumfrau vorstellt, wie die Damenwelt bisher auf ihn reagierte und welchen Kuchen er am liebsten isst.

„Geht‘s meinen Tieren gut, geht‘s mir auch gut.“ Patrick Romer auf dem Anwesen der Familie in Dingelsdorf-Oberdorf mit einem der 35 schottischen Hochlandrinder.
„Geht‘s meinen Tieren gut, geht‘s mir auch gut.“ Patrick Romer auf dem Anwesen der Familie in Dingelsdorf-Oberdorf mit einem der 35 schottischen Hochlandrinder. | Bild: TVNOW

Nachdem bereits bekannt geworden war, dass die angeschlagene Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof deutschlandweit etliche Filialen schließt, folgte am 19. Juni der Paukenschlag in Singen: Auch der Karstadt-Standort in der Hegaustadt sei von den Schließungen betroffen, hieß es. Rund 100 Beschäftigte sollten ihre Arbeit verlieren.

Juli

Rund einen Monat und viele Proteste später, am 17. Juli, folgte dann die Erleichterung in Singen: Die Karstadt-Filiale in der Innenstadt war gerettet, die Mitarbeiter konnten aufatmen.

Die Singener Karstadt-Filiale bleibt entgegen erster Schließungspläne bestehen.
Die Singener Karstadt-Filiale bleibt entgegen erster Schließungspläne bestehen. | Bild: Sabine Tesche

Aufatmen hieß es auch in Konstanz. Dort wurde nach einer Serie von sechs Überfällen auf Geschäfte und einen Imbiss am 9. Juli endlich ein Tatverdächtiger gefasst. Er hatte zuvor als sogenannter „Feierabend-Räuber“ für Anspannung unter Konstanzer Einzelhändlern gesorgt.

In Friedrichshafen sorgte unterdessen das Coronavirus für zunehmenden Druck: Nachdem sich sechs Schülerinnen bei einer privaten Geburtstagparty infiziert hatten, galten insgesamt 200 Personen an fünf verschiedenen Schulen als Verdachtsfälle.

August

Sommerzeit ist Urlaubszeit – galt das auch im Corona-Jahr? Ja, denn viele deutsche Touristen, die eigentlich Ferien im Ausland geplant hatten, zog es stattdessen an den Bodensee. Wir haben Anfang August mit einigen von ihnen über ihren Urlaub in der Region gesprochen.

Statt nach Mallorca, Kroatien oder Italien zog es viele deutsche Touristen im Corona-Jahr an den Bodensee.
Statt nach Mallorca, Kroatien oder Italien zog es viele deutsche Touristen im Corona-Jahr an den Bodensee. | Bild: Julian Widmann

Anglerglück am Hochrhein: Bei den Hobbyanglern Peter Maier und Wolfgang Rotzinger hat jeweils ein besonders großer Wels angebissen. 1,80 und 2,27 Meter maßen die Riesenexemplare.

September

Unweit des Schwarzwald-Baar-Klinikums in Villingen-Schwenningen kam es am 10. September zu einem Schreckmoment: Ein Sportflugzeug musste notlanden und überschlug sich dabei. Der Pilot kam glücklicherweise glimpflich davon.

Die Maschine überschlug sich bei der Notlandung auf den letzten Metern.
Die Maschine überschlug sich bei der Notlandung auf den letzten Metern. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Eine große Suchaktion hielt die Polizei im Südschwarzwald im September in Atem: Eine 26 Jahre alte Wanderin aus Nordrhein-Westfalen wurde dort seit dem 10. September vermisst. Trotz mehrerer Suchen mit Polizei, Feuerwehr, Bergwachten, Hundestaffeln und Hubschraubern fehlt von der jungen Frau noch immer jede Spur.

Oktober

Im Oktober ging es vor allem in Konstanz turbulent zu. Das Wochenende um den Tag der Deutschen Einheit stand in der Stadt am See ganz im Zeichen des Protests: Die sogenannten Querdenker hatten zur Großdemo und Menschenkette gegen die Corona-Auflagen geladen – außerdem formierten sich zahlreiche Gegenproteste.

In Konstanz konzentrierten sich die Demonstrationen für und gegen die Corona-Politik.
In Konstanz konzentrierten sich die Demonstrationen für und gegen die Corona-Politik. | Bild: Achim Mende

Wenig später wurde es wieder spannend in Konstanz: Nachdem sich bei der OB-Wahl im September keiner der Kandidaten klar durchsetzen konnte, wurde am 18. Oktober erneut gewählt. Am Ende konnte Amtsinhaber Uli Burchardt die Wahl für sich entscheiden.

Währenddessen sorgte im beschaulichen Ibach im Südschwarzwald ein prominenter Gast für Aufsehen: Der russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny erholte sich dort von dem Giftgas-Anschlag, der im August auf ihn verübt worden war.

November

Gleich zum Start in den November gab es schlechte Nachrichten aus Singen: Baustopp beim neuen Einkaufszentrum Cano. 87 Mitarbeiter hatten sich auf der Baustelle mit dem Coronavirus infiziert – die ursprünglich für den 19. November geplante Eröffnung musste verschoben werden.

Schlange stehen für einen Corona-Test: Anfangs sei der Ablauf nicht optimal gewesen, räumte das Cano-Management später ein.
Schlange stehen für einen Corona-Test: Anfangs sei der Ablauf nicht optimal gewesen, räumte das Cano-Management später ein. | Bild: privat

Wenig später folgte der nächste Schock für die Stadt am Hohentwiel: In der Nacht zum 17. November vernichtete ein Großbrand die Scheffelhalle. Die denkmalgeschützte Halle und Singens Narrenschopf wurden durch das Feuer vollkommen zerstört – ein trauriger Moment für viele Hegauer.

Dezember

Nachdem die Eröffnung des Cano wegen zahlreicher Corona-Infektionen verschoben werden musste, war es am 10. Dezember endlich so weit: Das neue Einkaufszentrum wurde eröffnet und über 10.000 Besucher kamen allein am ersten Tag.

Die leere Villinger Innenstadt, während der Ausganssperre, kurz nach 20 Uhr.
Die leere Villinger Innenstadt, während der Ausganssperre, kurz nach 20 Uhr. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Zum Jahresende wurde es in ganz Deutschland – und damit auch in unserer Region – gezwungenermaßen ruhiger. Die Corona-Lage spitzte sich mehr und mehr zu, sodass die Regierung den zweiten harten Lockdown des Jahres beschloss. Ab dem 16. Dezember sollte das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren werden, Schulen, Einzelhandel und viele andere Betriebe mussten schließen. In Baden-Württemberg trat zudem eine Ausgangsbeschränkung in Kraft, was die vorweihnachtlichen Straßen in der Region am Abend teils gespenstisch leer erscheinen ließ.