Weltweit erkranken Frauen und Männer in nahezu gleicher Häufigkeit am neuartigen Coronavirus. Männliche Patienten aber sterben öfter: In Deutschland sind laut des Robert-Koch-Instituts (RKI) aktuell 64 Prozent der Todesopfer Männer, in China laut einer Auswertung der dortigen Gesundheitsbehörde vom Februar ebenfalls rund 64 Prozent.

In Baden-Württemberg lag die Zahl der Covid-19-Todesfälle am Montag, 6. April, bei 427. Wie das Sozialministerium des Landes mitteilte, handelte es sich dabei um 274 Männer und 152 Frauen. Bei einem Fall gebe es keine Angabe zum Geschlecht. Doch woher kommt dieser Unterschied?

1. Studie aus China

Das chinesische Zentrum für Kontrolle und Prävention von Krankheiten hat bereits im Februar eine Studie veröffentlicht, bei der die Fallzahl von rund 44.000 Corona-Infizierten untersucht wurde – allerdings stammten sämtliche Daten ausschließlich aus dem Reich der Mitte.

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Davon seien 635 männliche sowie 370 weibliche Patienten verstorben – eine deutliche Spreizung. Prozentual gesehen lag die Rate bei Männern damit bei 2,8 Prozent, während sie bei Frauen 1,7 Prozent betrug. Das Risiko für schwere Krankheitsverläufe steige mit zunehmendem Alter. Generell erkranken Männer und Frauen laut der Studie in etwa gleich oft.

Bürger kaufen Gemüse auf einem Markt im chinesischen Wuhan.
Bürger kaufen Gemüse auf einem Markt im chinesischen Wuhan. | Bild: Xiao Yijiu, dpa

Aber: Experten gehen davon aus, dass Covid-19 seinen Ursprung in der chinesischen Millionenstadt Wuhan hatte. Weil die hiesigen Behörden zunächst versuchten, den Ausbruch der Seuche zu verschweigen, können diese Zahlen nur als ein erster Anhaltspunkt gewertet werden.

2. Erfahrungswerte der Sars-Epidemie

Unterschiedliche Auswirkungen von Viren auf die menschlichen Geschlechter sind keine Neuheit. Bereits beim Ausbruch der Sars-Epidemie im Jahr 2003 in Hongkong kam man zum Ergebnis, dass insgesamt zwar mehr Frauen als Männer erkrankt waren. Die Sterblichkeitsrate war bei männlichen Patienten aber um 50 Prozent höher. Damals wertete ein internationales Wissenschaftlerteam alle 1755 Sars-Fälle in Hongkong für das Fachblatt Annals of Internal Medicine aus. Generell ist darüber hinaus bekannt, dass Männer bei einer regulären Grippe stärkere Symptome aufweisen als Frauen.

3. Männer achten weniger auf ihre Gesundheit als Frauen

Eine Studie des RKI aus dem Jahr 2014 besagt, dass Männer ungesünder leben als Frauen. „Anhand epidemiologischer Daten kann seit Langem konsistent gezeigt werden, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit deutlich unterscheiden“, lautete die wissenschaftliche Erklärung.

Rauchen schädigt die Gesundheit. Deshalb gehören Menschen mit einer geschwächten Lunge zur Hauptrisiko-Gruppe, wenn von Corona die Rede ist.
Rauchen schädigt die Gesundheit. Deshalb gehören Menschen mit einer geschwächten Lunge zur Hauptrisiko-Gruppe, wenn von Corona die Rede ist. | Bild: Christoph Schmidt, dpa

Zu solch einem Ergebnis kommt man übrigens auch für China. Laut der internationalen Zeitschrift Translational Lung Cancer Research rauchen mehr als die Hälfte der chinesischen Männer, bei Frauen sind es dagegen lediglich rund drei Prozent. Raucher mit einer geschwächten Lunge zählen zur Hauptrisiko-Gruppe für eine Covid-19-Infektion.

Allerdings muss man auch sagen, dass die Verteilung von männlichen und weiblichen Rauchern in Deutschland nicht so hoch ist wie in China. Laut des Epidemiologischen Suchtsurveys gab es hierzulande im Jahr 2018 rund zwölf Millionen Menschen, die regelmäßig rauchten – das waren 26 Prozent der befragten Männer und 20 Prozent der Frauen.

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4. Hormoneller Unterschied

Können Frauen besser gegen Viren ankämpfen als Männer? Durchaus möglich, wie Forscher aus dem kanadischen Montreal herausfanden. Der unterschiedliche Hormonhaushalt der Geschlechter könne dafür sorgen, dass Frauen eine Corona-Infektion besser wegstecken. Östrogen trägt demnach zu einer besseren Immunabwehr bei und soll vor Infektionen schützen.

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