Sehr geehrte Frau Dr. Eisenmann,

als Vater von zwei Kindern (sechs und acht Jahre alt) bin ich momentan Erzieher, Homeschooling-Lehrer und Homeoffice-Arbeiter gleichzeitig. Außerdem zähle ich viele Pädagogen zu meinen Freunden. Und wir alle haben Fragen, viele Fragen. Einige davon möchte ich Ihnen hier brieflich stellen, da Sie ja sozusagen die Ober-Pädagogin des Landes sind:

Susanne Eisenmann ist Kultusministerin von Baden-Württemberg und damit verantwortlich für alle Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen im Land.
Susanne Eisenmann ist Kultusministerin von Baden-Württemberg und damit verantwortlich für alle Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen im Land. | Bild: Bernd Weissbrod/dpa
  • Kleine Kinder brauchen die meiste pädagogische Aufmerksamkeit und übertragen vermutlich das Virus am seltensten. Warum sind für sie Betreuung und Unterricht nicht als Erstes gestartet (wie etwa in Holland), sondern als Letztes?
  • Mein Eindruck ist: Wie gut Kinder jetzt zu Hause lernen, hängt maßgeblich von Fähigkeiten und Einsatzwillen einzelner Lehrer ab. Wer evaluiert, wie und bis wann die pädagogische Arbeit im Land während der Krise – und all die Defizite, die währenddessen entstanden sind?
  • Wie werden gute Ideen einzelner Schulen jetzt allen anderen zugänglich gemacht?
  • Was machen jetzt eigentlich zum Beispiel Sport-, Kunst oder Musiklehrer den ganzen Tag, wenn zunächst nur einige Klassen wieder beginnen, in die Schule zu gehen, und dort vor allem in Hauptfächern lernen?
  • Es gibt ja eine Schulpflicht. Haben nicht Lehrer über das wöchentliche Versenden von Aufgaben hinaus auch eine Unterrichtspflicht? Mir scheint die Nähe der Pädagogen zu den Kindern sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein...
  • Wäre es jetzt nicht eine gute Gelegenheit, Lehrer flächendeckend fortzubilden – zum Beispiel in Digitalisierung?
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  • Wie viele Schulen im Land nutzen die vom ZSL empfohlene Software „Dakora“ fürs häusliche Lernen? Und was schätzen Sie: Wie viele Lehrer haben davon noch nie gehört?
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