Um ein Haar hätte er seine journalistische Laufbahn in Konstanz beim SÜDKURIER begonnen. Damals, Anfang der 60er Jahre bewarb sich Hans-Peter Schütz, frisch examinierter Soziologiestudent aus Donaueschingen, um ein Redaktionsvolontariat bei dieser Zeitung. Der junge Mann erschien pünktlich zum Vorstellungsgespräch, doch dem Chefredakteur kam etwas dazwischen. Nach kaum zehn Minuten Wartezeit stand der Bewerber sichtlich ungehalten auf und verabschiedete sich. So lasse er nicht mit sich umspringen, beschied er noch der verdutzten Sekretärin.

Politiker fürchteten ihn

So war er, der Kollege Hans-Peter Schütz, der nun im Alter von 81 Jahren in Berlin nach schwerer Krebskrankheit verstarb. Nach seinem Reinfall in Konstanz schlug er andere Wege ein und erarbeitete sich als langjähriger Politikchef des „Stern“ in Berlin den Ruf einer Journalistenlegende. Seinen Beruf lebte er mit Leib und Seele, immer distanziert, immer bestens informiert – und vor allem: ohne jede Beißhemmung. Politiker aller Parteien fürchteten sein offensives Auftreten, seine hartnäckige Recherche und sein scharfes, treffsicheres Urteil.

So gab er sich auch als Kolumnist dieser Zeitung, Jahrzehnte nach dem missglückten Vorstellungsgespräch in Konstanz. Seinen Job beim „Stern“ hatte er da schon einem Nachfolger übergeben, doch die Liebe zum Schreiben war geblieben. Mit seinen Gastbeiträgen aus Berlin gab Schütz im SÜDKURIER über Jahre hinweg intensive Einblicke in den hauptstädtischen Politikbetrieb. Sein Blick wanderte stets hinter die Kulissen. In der Redaktion unvergessen sind seine Anrufe: „Schüüütz. Halten Sie sich fest, ich hab‘ was für Sie...“

Schütz war dabei, als Schäuble niedergeschossen wurde

Ein besonderes Verhältnis verband ihn mit Wolfgang Schäuble. Schütz war in Oppenau im Saal und erlebte als Augenzeuge, wie der CDU-Politiker 1990 bei einer Wahlkampfveranstaltung niedergeschossen wurde. Dieses Erlebnis ließ ihn nie los, er verarbeitete es in vielen Beiträgen und später auch in einem lesenswerten Buch. Zu Schäuble hatte er jederzeit Zugang – auch wenn es stets bei der für Journalisten gebotenen Distanz blieb. So stellte er in einem Interview Schäubles Frau offen die Frage, ob ein Kanzler im Rollstuhl denkbar sei.

Schütz, so beschreiben ihn seine Kollegen, war alles, was einen guten Journalisten ausmacht: dickköpfig, neugierig, unerschrocken und immer gut informiert. Seine Karriere führte den Donaueschinger über viele Stationen. Nach dem gescheiterten Versuch in Konstanz volontierte er beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen.

Später arbeitete er als Bonner Korrespondent für mehrere Tageszeitungen in Baden-Württemberg, unter anderem für die Ulmer Südwest Presse und die Stuttgarter Nachrichten. 1988 wechselte er zum Stern, wo er, von Politikern reihum gefürchtet, zum Chef des Hauptstadtbüros aufstieg. Zu einigen Schulfreunden in der alten Heimat auf der Baar hielt er den Kontakt bis zum Schluss. Hans-Peter Schütz hinterlässt seine Frau Susanne und drei Kinder.