Rekordinzidenzen von 470, weit über 10.000 Neuinfektionen binnen eines Tages und mehr als 500 Corona-Intensivpatienten: Um die stark steigenden Corona-Zahlen einzudämmen, hat Baden-Württemberg die bisherige Corona-Verordnung noch einmal deutlich verschärft. Für Ungeimpfte wird das Regelwerk besonders strikt, aber auch Geimpfte müssen nun neue Einschränkungen hinnehmen. Was Sie jetzt wissen müssen.

Was ist die neue Alarmstufe II?

Im Grunde eine vierte Stufe des bisher dreistufigen Systems aus Basis-, Warn- und Alarmstufe. Die Alarmstufe II tritt demnach ein, wenn mehr als 450 Covid-Patienten auf der Intensivstation behandelt werden müssen oder die sogenannte Hospitalisierungsrate, also die Zahl der ins Krankenhaus eingelieferten Corona-Patienten pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, den Wert 6,0 überschreitet. Diesen Grenzwert haben Bund und Länder bei der letzten Ministerpräsidentenkonferenz gemeinsam festgelegt, um bundesweit einheitliche Regeln umsetzen zu können.

Welche Richtwerte gelten für die anderen Stufen?

Die sogenannte Basisstufe gilt, wenn weniger als 250 Covid-Patienten auf der Intensivstation behandelt werden müssen oder die Hospitalisierungsinzidenz unter 1,5 liegt. Ist einer dieser beiden Werte erfüllt, gilt die Warnstufe. Überschreitet die Hospitalisierungsinzidenz den Wert 3,0 oder müssen mehr als 390 Patienten mit Corona auf den Intensivstationen des Landes behandelt werden, gilt die Alarmstufe.

Geht das überhaupt, wenn die sogenannte epidemische Lage von nationaler Tragweite am 24. November endet?

Ja. Das geänderte Infektionsschutzgesetz räumt den Ländern ein, diese Maßnahmen treffen zu können.

Welche neuen Einschränkungen gibt es für Geimpfte und Genesene?

Neu ist, dass Geimpfte und Genesene bei Veranstaltungen (Weihnachtsmärkte, Sportereignisse, Kulturveranstaltungen), vielen körpernahen Dienstleistungen (dazu gehört etwa die Fußmassage und auch das Bordell, Frisöre aber nicht) und Diskotheken einen aktuellen negativen Schnelltest oder PCR-Test vorlegen müssen. Der Schnelltest darf nicht älter als 24 Stunden sein, der PCR-Test nicht älter als 48 Stunden.

Ich habe am Mittwochabend eine Veranstaltung und keine Zeit für einen Test. Kann ich trotzdem gehen?

Jein. Die Testpflicht gilt ab Mittwoch, 24. November. Aber aufgrund der kurzfristigen Änderung der Voraussetzungen gibt es eine Art Schonfrist: Verstöße gegen die neuen Vorschriften werden in dieser Woche nicht verfolgt, heißt es seitens des Landes. Danach müssen Veranstalter aber strikt kontrollieren – mit digitaler App. Auch die Ausweispapiere sind dann zu prüfen. Ein einfacher Blick auf den QR-Code reicht nicht aus.

Nächtliche Ausgangssperren für Ungeimpfte wie hier in Aalen im Ostalbkreis gelten in allen Landkreisen mit Inzidenzen über 500.
Nächtliche Ausgangssperren für Ungeimpfte wie hier in Aalen im Ostalbkreis gelten in allen Landkreisen mit Inzidenzen über 500. | Bild: Stefan Puchner

Gibt es nun wirklich wieder Ausgangssperren?

Ja, aber nur für Ungeimpfte. Sie gilt in allen Stadt- und Landkreisen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen über 500 liegt. Betroffen sind in der Region aktuell (Stand 22. November) der Bodenseekreis, der Schwarzwald-Baar-Kreis, Tuttlingen, Ravensburg und Sigmaringen. Ungeimpfte dürfen demnach zwischen 21 und 5 Uhr nicht mehr das Haus verlassen.

Aufgehoben wird die Sperre, wenn die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 500 liegt.

Gibt es Ausnahmen?

Ja. Wer als Ungeimpfter zur Arbeit muss, darf das natürlich tun. Auch Bewegung an der frischen Luft bleibt erlaubt, ebenso der Besuch von Ehepartnern oder Lebensgefährten.

Bleiben die Beschränkungen für Ungeimpfte der Alarmstufe bestehen?

Ja. Alle Freizeiteinrichtungen bleiben für Ungeimpfte tabu, vom Restaurant bis zur Sauna und dem Schwimmbad. Auch Theater und Kino sind nicht möglich.

Darf ich als Ungeimpfter noch einkaufen?

Hier werden die Regeln noch einmal deutlich verschärft, zumindest in Kreisen mit einer Inzidenz über 500: Weite Teile des Einzelhandels sind dort für Ungeimpfte nun ganz gesperrt, bislang durften diese noch mit einem negativen Schnelltest shoppen gehen. Zugänglich für alle bleiben dagegen Supermärkte und Geschäfte des täglichen Bedarfs.

Darf ich als Ungeimpfter noch zum Frisör?

Ja, aber nur mit PCR-Test. Das war schon in der bisherigen Alarmstufe die Regel. Geimpfte und Genesene müssen hier weiterhin keinen Test vorweisen.

Was gilt nun im öffentlichen Verkehr?

Wie bereits vom Bundestag beschlossen gilt die 3G-Regel. Fahrgäste müssen demnach einen Impf-, Genesenen- oder Testnachweis bei sich haben. Das gilt für Bus und Bahn, natürlich auch in Flugzeugen.

In Bus und Bahn muss künftig ein 3G-Nachweis vorgezeigt werden. Masketragen reicht nicht mehr.
In Bus und Bahn muss künftig ein 3G-Nachweis vorgezeigt werden. Masketragen reicht nicht mehr. | Bild: Hendrik Schmidt

Was gilt am Arbeitsplatz?

Hier gelten ebenfalls ab 24. November die 3G-Vorschriften. Ungeimpfte müssen täglich einen negativen Test vorweisen, der Arbeitgeber muss zwei Tests pro Woche kostenlos zur Verfügung stellen.

Dürfen Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen überhaupt noch stattfinden?

Ja, aber mit Einschränkungen. Die Besucherzahl muss bei der Alarmstufe II auf 50 Prozent der Kapazitäten herabgesetzt werden. Das gilt auch für andere Veranstaltungen. Zudem gilt hier nun generell die 2G-Plus-Regel, nur Geimpfte und Genesene haben Zutritt. Zusätzlich muss ein aktueller negativer Test vorgelegt werden. Die 2G-Regel gilt zudem künftig auch schon in der Alarmstufe I.

Grundsätzlich sind Weihnachtsmärkte in der Basis- und Warnstufe aber auch für Ungeimpfte mit der 3G-Regel zugänglich. Dass die aktuell sehr hohen Intensivpatientenzahlen in den kommenden Wochen so weit sinken, ist aber wenig wahrscheinlich.

Weihnachtsmärkte dürfen weiter stattfinden – allerdings nur noch unter 2G-Plus-Zugangskontrollen. Geimpfte und Genesene haben also Zutritt, aber müssen zusätzlich einen negativen Test vorweisen. Zudem wird die Kapazität beschränkt.
Weihnachtsmärkte dürfen weiter stattfinden – allerdings nur noch unter 2G-Plus-Zugangskontrollen. Geimpfte und Genesene haben also Zutritt, aber müssen zusätzlich einen negativen Test vorweisen. Zudem wird die Kapazität beschränkt. | Bild: Silas Stein

Was gilt generell bei Veranstaltungen?

Bei Theater, Opernaufführungen und Konzerten, Volksfesten und Sportveranstaltungen hat das Land neue Obergrenzen eingeführt mit maximal 25.000 Menschen. In der Basis- und Warnstufe dürfen maximal 5000 Besucher unter der 3G-Regel zugelassen werden. Kommen mehr, dürfen anteilig nur noch 50 Prozent der Kapazitäten genutzt werden. Bei 2G soll es keine Beschränkungen geben. In den Alarmstufen gilt dagegen generell eine Beschränkung auf 50 Prozent der Kapazitäten.

Bei Gesang und Blasmusik gilt generell die 2G-Regel plus Test

Kann ich mich als Ungeimpfter noch privat verabreden?

Ja, aber eingeschränkt. Hier gilt weiterhin, dass ein Haushalt einen Gast empfangen darf. Geimpfte und Genesene zählen dabei nicht mit. Ausnahmen gibt es hier auch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.

Was ist mit Hotelübernachtungen?

Hier galt bislang die 3G-Regel, Ungeimpfte müssen einen PCR-Test vorlegen. Das wird nun verschärft. Wer als Ungeimpfter nicht geschäftlich unterwegs ist, darf nicht übernachten: Für Vergnügungsreisen gilt die 2G-Regel.

Gibt es weiterhin Ausnahmen für Schüler?

Jein. In Diskotheken müssen auch Schüler künftig einen 2G-Nachweis vorzeigen, plus negativen Test. Volljährige Schüler müssen sich generell an die 2G-Regel halten, der Schülerausweis reicht nicht mehr. Eine Übergangsregel gibt es hingegen für Schüler bis 17 Jahren, nach Angaben der Landesregierung voraussichtlich bis nach Weihnachten.

Wer bis 17 Jahre alt ist, aber nicht mehr zur Schule geht, ist ebenfalls von der 2G-Regel ausgenommen, muss aber einen negativen Schnelltest vorweisen.

Welche Ausnahmen gibt es für Erwachsene?

Die bisherigen Ausnahmen für Schwangere und Stillende sowie Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, gelten weiter. Bei Schwangeren und Stiellenden läuft die Übergangsfrist allerdings am 10. Dezember aus, weil bis dahin seit drei Monaten eine Impfempfehlung für diese Bevölkerungsgruppe vorliegt.

Ab wann gilt die neue Alarmstufe II?

Ab sofort, da bereits seit Wochenbeginn mehr als 450 Covid-Intensivpatienten behandelt werden müssen. Am Montag, 22. November, waren es bereits 489 Patienten. Die Hospitalisierungsrate lag bei 5,8. Grundsätzlich müssen die Grenzwerte an zwei aufeinanderfolgen Tagen überschritten werden, damit die Stufe II ausgelöst wird.

Wann tritt sie wieder außer Kraft?

Der Grenzwert von sechs bei der Hospitalisierungsrate muss fünf Tagen in Folge unterschritten werden, beziehungsweise weniger als 450 Covid-Patienten im gleichen Zeitraum auf den Intensivstationen liegen.