Auf den ersten Blick dient die verlängerte Schließung von Kitas und Grundschulen dem Gesundheitsschutz. Schließlich sind die Infektionszahlen zuletzt sogar wieder gestiegen und zusätzliche Risiken durch die neuen Virusvarianten dazugekommen. Trotzdem ist die Lage mit Fernunterricht für Siebenjährige für alle am Schulbetrieb Beteiligten unbefriedigend.

Wahlkampf in der Corona-Krise? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und CDU-Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann.
Wahlkampf in der Corona-Krise? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und CDU-Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Der Corona-Frust von Lehrern, Eltern und ihren Verbänden kommt seit Wochen bei Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in vollen Breitseiten an. Man muss davon ausgehen, dass noch über viele Wochen die Inzidenzwerte nicht auf das angestrebte Niveau gebracht werden können.

Es braucht Konzepte

Gleichzeitig wächst die Einsicht, dass besonders in Kitas und Grundschulen die negativen Folgen von langen Schließzeiten und Fernunterricht steigen und eine neue Abwägung erforderlich ist. Die Politik muss also Konzepte überlegen, wie die Kleinen unter Pandemiebedingungen wieder in die Schulen gehen können.

Kretschmanns Entscheidung greift zu kurz

Vor diesem Hintergrund greift die von Regierungschef Winfried Kretschmann per Richtlinienkompetenz erzwungene einfache Verlängerung der Schließung zu kurz. Länder wie Hessen, wo bekanntlich die Grünen mitregieren, gehen da seit dem Neustart nach den Weihnachtsferien flexibler vor.

Kretschmanns unnachgiebige Haltung ist vor dem Hintergrund der Landtagswahl zu sehen, bei der Eisenmann seine Herausforderin ist. Die CDU-Ministerin war zum Jahreswechsel mit einem Öffnungskonzept für Kitas und Grundschulen vorgeprescht. Ein wenig nach Revanchefoul sieht Kretschmanns Pochen auf die Richtlinienkompetenz jetzt aus. Corona ist jedenfalls im baden-württembergischen Wahlkampf angekommen.