Knapp vier Wochen vor Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg melden die Tourismusregionen des Landes vom südlichen Schwarzwald bis nach Hohenlohe einen spürbaren Anstieg vor allem an kurzfristigen Buchungen. Camping- und Wohnmobilstellplätze sowie Ferienwohnungen auf Bauernhöfen haben mancherorts kaum noch Kapazitäten. Auch Angebote mit Tour-Möglichkeiten für Wander- und Radurlauber sind stark nachgefragt.

Auch Radwandern ist groß in Trend – hier zwei Urlauber bei Hausen im Donautal.
Auch Radwandern ist groß in Trend – hier zwei Urlauber bei Hausen im Donautal. | Bild: Patrick Seeger/dpa

Weniger erfreulich ist dagegen die Buchungslage überall dort, wo Hygiene- und Abstandsregeln schwer umzusetzen sind: in Pensionen, Ferienanlagen und Wellnesshotels. Am härtesten betroffen sind weiter Business- und Seminarhotels. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage des Tourismusministeriums unter den regionalen Verbänden hervor, die dem SÜDKURIER exklusiv vorliegt.

„Von Überfüllung kann man bisher nirgends sprechen“, bilanziert die Tourismus-Marketing Gesellschaft (TMBW) des Landes, „es gibt auch noch für den Hochsommer Übernachtungsmöglichkeiten.“ Eng werde es aber etwa am Bodensee dann, wenn bei schönem Wetter und am Wochenende Tagesgäste hinzukämen. Gute Ferienwohnungen in begehrter Lage sind laut TMBW „durchgebucht bis Ende des Jahres“.

Uferpromenade von Meersburg, im Hintergrund ein Passagierschiff. Bilder: dpa
Uferpromenade von Meersburg, im Hintergrund ein Passagierschiff. Bilder: dpa | Bild: Felix Kästle/dpa

Tourismusminister Guido Wolf (CDU) macht dennoch keinen Hehl daraus, dass die zuletzt so umsatzstarke Branche, die von einem Rekordjahr zum nächsten eilte, angeschlagen ist. „April und Mai waren für Gastgeber und Gastronomen sehr, sehr harte Monate“, so Wolf. Ende April und im Mai habe der Tagestourismus stark angezogen. „Das sind wieder hoffnungsvollere Aussichten“, so Wolf. Ausflüge und Bewegung in der Natur liegen wegen der geringeren Infektionsgefahr im Trend. „Das wird auch noch eine Weile so bleiben“, so Wolf weiter.

Kaum noch ein Stellplatz frei

Die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) verzeichnet nach den Lockerungen der Corona-Verordnung gestiegene Nachfrage – wenn auch nicht so deutlich wie erhofft. „Einzig bei Camping- und Wohnmobiltourismus, Ferienwohnungen, Urlaub auf dem Bauernhof oder beim Winzer gibt es eine deutlich höhere Nachfrage „, so die STG. Bekannte Camping- und Wohnmobilplätze hätten in der Regel nur noch geringe Stellplatzkapazitäten, im Hochschwarzwald sei kaum noch ein Platz zu finden. Man hofft hier, die übliche Auslastung von 80 und mehr Prozent zwischen Juli und September auch 2020 erreichen oder sogar übertreffen zu können. Es gebe noch verfügbare Angebote, aber man sollte sich jetzt beeilen. „Gerade für Familien dürfte die freie Wahlmöglichkeit schnell erschöpft sein“, so die STG.

Das gleiche Bild zeichnet die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH: „Die Buchungen für den Sommer laufen gut. Ferienwohnungen und Camping ist sind nach wie vor stark gefragt.“ Vereinzelt gebe es noch Kapazitäten für Familien für die Sommermonate – die seenahen Unterkünfte seien jedoch gut gebucht.

Campingplätze, hier bei Stockach, melden starke Auslastung – oft ist komplett belegt.
Campingplätze, hier bei Stockach, melden starke Auslastung – oft ist komplett belegt. | Bild: Felix Kästle/dpa

Für das nördliche Baden-Württemberg mit den Regionen Heilbronner Land, Odenwald, Hohenlohe, Liebliches Taubertal, Kraichgau-Stromberg, Hohenlohe/Schwäbisch Hall sowie Kurpfalz meldet der Kraichgau-Stromberg-Tourismus (KST) bereits seit Mai spürbar steigende Buchungsanfragen. „Im Juni 2020 gab es mancherorts sogar fünfmal so viele Anfragen wie im Juni 2019“, teilt der Verband mit. Auch hier sind Camping- und Wohnmobiltourismus und Ferienwohnungen gefragt. „Bei Hotels ist noch keine rechte Entspannung in Sicht“, heißt es weiter.

Auch die Regionen Region Oberschwaben-Allgäu und die Schwäbische Alb notieren einen Ansturm auf Camping- und Wohlmobilstellplätze. Viele Anbieter von Ferienwohnungen im Württembergischen Allgäu meldeten, dass sie bis Mitte September so gut wie ausgebucht seien.

Beliebtestes Reiseziel der Deutschen

Nach einer Erhebung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen in Kooperation mit dem Institut für Tourismus- und Bäderforschung ist Deutschland für deutsche Urlauber in diesem Jahr mit Abstand das wichtigste Reiseziel: 41 Prozent der Befragten, die 2020 noch einen Urlaub planen, wollen ihn in Deutschland verbringen.

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