Eltern hatten es während der Corona-Krise wahrlich nicht leicht: Kitas waren geschlossen und neben dem eigenen Homeoffice war das Homeschooling für die Kinder zu organisieren. Und wäre das alles nicht schon genug, mussten auch noch die Eigenanteile für die Schüler-Monatskarten bezahlt werden, trotz Schulschließungen und eingeschränktem Busverkehr.

In einzelnen Landkreisen kam es daraufhin zu regelrechten Abo-Kündigungswellen durch Eltern. Eine Erstattung des Eigenanteils war aber nur möglich, wenn die Monatskarten fristgerecht zurückgegeben worden waren. Für viele Eltern ein unmögliches Unterfangen aufgrund der Unsicherheit über die Dauer der Schulschließungen. Forderten sie die Lastschrift für die abgebuchten Eigenanteile zurück, wurden die üblichen Mahngebühren fällig.

Land spricht Gelder für die Erstattung der Abo-Eigenanteile

Mitte Mai entschied die baden-württembergische Landesregierung schließlich, dass Familien von den Kosten für nicht genutzte Schüler-Monatskarten entlastet werden sollen. Das Kabinett sprach dafür rund 37 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen Eltern die Abo-Eigenanteile für zwei Monate erstattet werden. Wie das genau umgesetzt wird, gibt das Verkehrsministerium nicht vor und überlässt die Entscheidung dazu den einzelnen Verkehrsverbünden im Land.

Wir haben einen Überblick zur Situation in den einzelnen Landkreisen unserer Region zusammengestellt und zeigen, wie die Rückerstattung der Eigenanteile jeweils geregelt ist.

Kreis Konstanz

  • Allgemeine Lage: „Ab dem 23. März fuhren die Regionalbusse nur noch nach Ferienfahrplan, ab 4. Mai wurde wieder nach dem regulären Fahrplan gefahren“, erklärt Marlene Pellhammer, Pressesprecherin des Landratsamtes Konstanz. Zu den Fahrgastfrequenzen lägen ihr keine Zahlen vor, so Pellhammer.
  • Kam es zu Kündigungswellen?: Selbstverständlich habe die Sondersituation Kündigungen zur Folge gehabt, sagt Anke Wichardt vom Verkehrsunternehmen Hegau-Bodensee Verbund (VHB): „Wir hatten in Summe rund 100 Kündigungen mehr als sonst für den Zeitraum März bis Mai bei Schülerfahrkarten üblich.“ Aufgrund der Corona-Krise habe der VHB kurzfristige Kündigungen ermöglicht, die von der Kündigungsfrist abweichen, zum Beispiel zum Monatsende anstatt bis zum 10. eines Monats, fügt Wichardt an.
  • Wie werden die Eigenanteile rückerstattet?: Für die Monate Juni und Juli werden die Eigenanteile der Schüler-Monatskarten vom VHB nicht abgebucht. „Von den Eltern ist hierfür nichts zu veranlassen. Ausstehende Beträge müssen natürlich beglichen werden“, erklärt VHB-Pressesprecherin Wichardt.

Bodenseekreis und Kreis Ravensburg

  • Allgemeine Lage: Während der kompletten Schulschließungen seien die Verkehrsunternehmen nach Ferienfahrplan gefahren, sagt Selina Nussbaumer von der Pressestelle des Landratsamtes Ravensburg: „Seit wieder teilweise Schulbetrieb ist, fahren die Verkehrsunternehmen nach Schulfahrplan.“ Nach Beginn der Kontaktbeschränkung sei die Fahrgastzahl im Einzugsgebiet des Verkehrsverbundes Bodensee-Oberschwaben (Bodo), zu dem die Kreise Bodensee und Ravensburg gehören, um 85 bis 90 Prozent zurückgegangen, erklärte Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler in einem Schreiben von Ende April, das dem SÜDKURIER vorliegt.
  • Kam es zu Kündigungswellen?: „Wir haben derzeit das vierfache Aufkommen an Anrufen besorgter Eltern und aus den Schulsekretariaten“, erklärte Stefan Miller vom DB Zug-Bus Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) Ende April auf SÜDKURIER-Nachfrage. Der Kundenservice arbeite an der Belastungsgrenze, so Miller damals. Auch im Kreis Ravensburg habe es Anfragen gegeben, sagt Selina Nussbaumer vom Landratsamt Ravensburg. Konkrete Zahlen zu Anfragen oder Abo-Kündigungen könne sie jedoch nicht nennen: „Die Anfragen sind weitestgehend bei den Verkehrsunternehmen aufgelaufen.“ Wie Recherchen der SÜDKURIER-Lokalredaktion Friedrichshafen ergaben, wurden im Bodenseekreis monatlich rund 2500 Bodo-Schüler-Monatstickets gekündigt. Daraufhin hatte Bodo-Geschäftsführer Löffler darum gebeten, die Tickets nicht zurückzugeben und auf die Ausarbeitung einer Kulanzregelung zu warten. Das Landratsamt des Bodenseekreises schätzte, dass bis Ende April rund 20 Prozent aller Schüler-Monatstickets zurückgegeben worden waren.
  • Wie werden die Eigenanteile rückerstattet?: Im Bodo-Einzugsgebiet wird der Eigenanteil für die Monate Mai und Juni ausgesetzt. Wer das Schüler-Monatsabo zurückgegeben hat, aber spätestens ab Juli wieder fortsetzt, erhält den Eigenanteil für einen Monat per Verrechnung rückerstattet.
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Schwarzwald-Baar-Kreis

  • Allgemeine Lage: „Mit Beginn der Schulschließungen wurde der Fahrplan der Busse auf den sogenannten Ferienfahrplan umgestellt“, sagt die Referentin des Landrats des Schwarzwald-Baar-Kreises, Kristina Diffring. Seit dem 4. Mai verkehrten die Busse wieder nach dem regulären Fahrplan. „Die Züge fahren ab dem 15. Juni wieder im bisherigen Umfang.“ Da nicht nur Schüler während der Zeit der Schulschließungen als Fahrgäste weggefallen seien, sondern infolge von Kurzarbeiter-Regelungen und Homeoffice auch viele Pendler sowie teilweise Gelegenheitsfahrer, seien die Fahrgastzahlen stark eingebrochen, so Diffring: „Der Rückgang dürfte sich in einer Größenordnung zwischen 50 und 70 Prozent bewegen.“
  • Kam es zu Kündigungswellen?: Sowohl beim Landkreis als auch beim Verkehrsverbund VBS sei eine Vielzahl von Anfragen zum Thema eingegangen, bilanziert Landrats-Referentin Diffring: „Wir haben hier aber nicht konkret gezählt.“ Besonders häufig seien Fragen zu den Kündigungsfristen sowie zur Entscheidung des Landes hinsichtlich einer Übernahme der Eigenanteile gestellt worden. „Eine Kündigungswelle ist aber erfreulicherweise nicht erfolgt“, betont Diffring. Hierzu beigetragen habe sicherlich die Zusage des Landes, die Eigenanteile der Schülerabos für zwei Monate zu übernehmen. Aber Diffring sagt auch: „Jahreszeitlich bedingt werden in den Monaten April bis Juli in jedem Jahr Abos gekündigt, zum Beispiel weil die Schüler dann mit dem Fahrrad zur Schule fahren.“ Und dieses Jahr sei es im April und Mai zu deutlich mehr Abo-Kündigungen gekommen als üblich.
  • Wie werden die Eigenanteile rückerstattet?: Während die Eigenanteile für die Schülermonatskarten für die Monate März und April regulär abgebucht wurden, werde die Abbuchung nun für die Monate Mai und Juni ausgesetzt, sagt Landrats-Referentin Diffring.

Kreis Waldshut

  • Allgemeine Lage: Bis Ende April war der Busverkehr im Kreis Waldshut wie an schulfreien Tagen organisiert. Seit am 4. Mai einige Schüler in die Unterrichtsräume zurückgekehrt sind, gilt wieder der normale Fahrplan.
  • Kam es zu Kündigungswellen?: Es habe keinen so großen Aufschrei von Eltern gegeben wie zum Beispiel im Bodenseekreis, teilte der Waldshuter Tarifverbund (wtv) unserer Lokalredaktion in Waldshut auf Nachfrage mit. Die Anzahl der Kündigungen sei überschaubar. Jedoch hätten sich auch beim wtv einige Eltern über die Möglichkeit einer Erstattung erkundigt, so wtv-Geschäftsführer Lothar Probst.
  • Wie werden die Eigenanteile rückerstattet?: Anfang Mai wurde angekündigt, dass es auf die Schüler-Monatskarten für den Mai einen Rabatt von 75 Prozent und für den Juni von 25 Prozent gibt. Inzwischen hat sich der Rabatt für den Juni auf 75 Prozent erhöht und im Juli wird der Abbuchungsbeitrag zusätzlich um 50 Prozent reduziert.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels waren die neuen Rabatte des Waldshuter Tarifverbundes (wtv) noch nicht vermerkt. Dafür entschuldigen wir uns. Die Angaben haben wir entsprechend ergänzt.

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