Der Landeselternbeirat (LEB), die örtlichen Gremien der Elternvertreter und die Eltern selbst mit Mails und Anrufen machen mächtig Druck auf das Kultusministerium. Die Vorwürfe sind massiv. Eltern seien einerseits derzeit eingespannt und andererseits „ausgebootet“. Die Liste, erhoben in den beiden jüngsten Elternbriefen des Gremiums, zuletzt vom vergangenen Freitag, ist lang. Der LEB-Vorsitzende Carsten Rees beklagt zudem ein „Kommunikationsdesaster“, dem LEB würden keine konkreten Informationen zur Verfügung gestellt, die Fragen der Eltern nicht beantwortet. Das Kultusministerium dagegen weist die Vorwürfe als haltlos zurück und vermutet Profilierungsversuche des LEB-Vorsitzenden Carsten Rees dahinter.

Weniger Protest als Verzweiflung

„In der Tendenz erreicht uns weniger eine Protestwelle als Verzweiflung, es sind Hilferufe“, sagt der LEB-Vorsitzende Carsten Rees gegenüber unserer Zeitung. „Die Eltern sind zunehmend verzweifelt, weil sie die Organisation nicht mehr bewältigen können.“ Manche Kinder bekämen jetzt zwei Stunden Unterricht jeden Tag, manche zwei Tage in der Woche, so dass kaum Erleichterung bei der Betreuungssituation eintrete. „Beides macht den Eltern große Probleme, besonders Familien mit mehreren Grundschulkindern“, so Rees.

Schüler der Achtalschule in Baienfurt testen die neue Hygieneschleuse am Eingang. In der Schule soll wieder Unterricht stattfinden mit den momentan gebotenen Abstands- und Hygieneregeln.
Schüler der Achtalschule in Baienfurt testen die neue Hygieneschleuse am Eingang. In der Schule soll wieder Unterricht stattfinden mit den momentan gebotenen Abstands- und Hygieneregeln. | Bild: Felix Kästle

Ganz konkret fordern die Elternvertreter etwa auch eine Erstattung des „digitalen Schulgelds“, wie der LEB die Nebenkosten für die Beschulung zuhause nennt. „Druckerkosten, Netzwerkgebühren, den Messenger ‚Threema‘ – dafür müssen die Familien aufkommen. Lehrer bekommen ‚Threema‘ bezahlt. Schüler nicht. Sicher sind das oft kleinere Beträge, aber hier mal ein paar Euro, dort ein paar Euro, das summiert sich. Und wer mehrere Kinder hat, ist mehrfach dabei“, so Rees. Wo es vor Ort Unterstützung gebe – etwa ein Kopierangebot für Schüler oder Leihgeräte – sei dies auf Einzelinitiativen zurückzuführen. Der LEB fordert daher, das Bildungs- und Teilhabepaket aufzustocken und entsprechend Geld an Familien auszuschütten. Rees: „Wir wollen Lösungsansätze, die nicht nur auf Kosten der Eltern gehen.“

Lehrer „abgetaucht“

Zudem lasse die derzeitige landesweit ungleiche Unterrichtssituation die Bildungsschere weiter auseinanderklaffen. „Sozial benachteiligte Kinder und Kinder, die kein digitales Gerät oder kein Internet zur Verfügung haben, und ihre Familien brauchen besondere Beachtung“, verlangt das Elterngremium. Das betreffe sowohl die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern als auch die technische Infrastruktur und Bereitstellung von Geräten. Auch „abgetauchte Lehrer“ müssten „unverzüglich zum Auftauchen und zur Zusammenarbeit mit Eltern und Schüler verpflichtet“ werden. „Es gibt Lehrer, die stehen seit Wochen nicht mit ihren Klassen in Verbindung, während es bei anderen gut läuft“, kritisiert Rees.

„Elternbrief ist unseriös“

Das Kultusministerium dagegen weist die Vorwürfe und Forderungen zurück. „Auch Herrn Rees ist hoffentlich nicht entgangen, dass das Corona-Virus noch nicht verschwunden ist und in Deutschland nach wie vor Kontaktbeschränkungen gelten“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Sie zeichnet ein anderes Stimmungsbild: „Wir bezweifeln, dass der Elternbrief die Meinung der Eltern im Land wiedergibt. Er ist angesichts der aktuellen Lage wenig hilfreich, sondern hochgradig unseriös.“

Ein Schüler loggt sich von zuhause aus auf der digitalen Lernplattform Moodle ein. Aber nicht alle Schüler haben Internet zur Verfügung.
Ein Schüler loggt sich von zuhause aus auf der digitalen Lernplattform Moodle ein. Aber nicht alle Schüler haben Internet zur Verfügung. | Bild: Marijan Murat

Das Kultusministerium erreiche seit Wochen ebenfalls täglich eine Flut an Fragen von Eltern per Telefon und E-Mail. „Diese Fragen nehmen wir sehr ernst. Wir beantworten mit hohem Nachdruck, wofür wir viel Lob und Zuspruch erhalten. Darüber hinaus sei der Vorwurf des mangelnden Einbezugs nicht nachvollziehbar: „Herr Rees hat weder das Gespräch mit der Kultusministerin gesucht, noch Signale ausgesendet, dass er Gesprächsbedarf habe. Im Gegenteil, erst vergangene Woche fand eine LEB-Sitzung statt, bei der wir Fragen des LEB, auch zu Corona, beantwortet haben. Vor diesem Hintergrund erweckt der Brief den Eindruck, dass es Herrn Rees weniger um die Sache geht, sondern er sich gegenüber seinem Gremium profilieren will.“

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