Im Dezember hatte Sachsen als damaliger Corona-Hotspot zuerst die Notbremse gezogen und Schulen und Kitas zugemacht. Die anderen Länder folgten ein paar Tage später. Nach zwei sehr langen Wintermonaten taut jetzt nicht nur das Land langsam wieder auf, auch in die Einrichtungen kehrt ein bisschen Leben zurück.

Da das Infektionsgeschehen im Südwesten weiter leicht rückläufig ist, hat sich die Landesregierung zu ersten Öffnungsschritten entschlossen. An Grundschulen beginnt ab Montag wieder der Wechsel aus Präsenz- und Fernunterricht – statt Lernen nur von zu Hause aus. Die Kitas sollen nach dem Willen von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wieder in den „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ zurückkehren.

Beim Wechselunterricht wird eine Hälfte der Klasse aus der Ferne und die anderen Hälfte vor Ort unterrichtet. Auf diese Weise soll es künftig pro Woche wieder mindestens zehn Präsenzstunden geben. Ebenfalls zum Wechselunterricht zurückkehren dürfen Abschlussklassen. Für alle anderen Schüler soll das perspektivisch auch wieder möglich sein – sofern es das Infektionsgeschehen erlaubt, so das Ministerium.

In vielen Kitas war nicht wirklich Lockdown

Insgesamt zehn Bundesländer machen an diesem Montag ihre Kitas und Grundschulen wieder ein Stückchen weiter auf. Sachsen hat schon vor einer Woche geöffnet. Niedersachsen unterrichtet Grundschüler bereits seit Januar wieder in der Schule.

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Viele Einrichtungen waren auch in den vergangenen Wochen nie richtig geschlossen. In den Ländern gab es verschiedene Regelungen: Entweder alles zu, mit Angebot zur Notbetreuung oder grundsätzlich geöffnet, aber mit Appell an die Eltern, die Kinder nicht zu bringen. Das hat dazu geführt, dass mancherorts zumindest in Kitas nicht wirklich Lockdown war, und auch die Notbetreuung der Grundschulen wurde zum Teil gut genutzt. Abschlussklassen durften ebenfalls in den Schulen unterrichtet werden. Für sie hatten Bund und Länder eine Ausnahmeregel wegen der Prüfungsvorbereitung vereinbart. Diese gilt weiterhin.

Viele Einrichtungen waren auch in den vergangenen Wochen nie richtig geschlossen.
Viele Einrichtungen waren auch in den vergangenen Wochen nie richtig geschlossen. | Bild: Matthias Balk/dpa

Die meisten Fragezeichen bleiben nun für die Jahrgänge oberhalb der Grundschule und unterhalb der Abschlussklassen. Es ist offen, wann sie ihre Schulen wieder von innen sehen. Da die Corona-Zahlen inzwischen wieder steigen – was Experten auf neue, sich schneller verbreitende Virusvarianten zurückführen -, werden weitere Öffnungsschritte erst einmal unwahrscheinlicher.

Flächendeckend oder „Flickenteppich“

Diesmal passt das Wort „Flickenteppich“ wirklich. Denn genau so sieht die bunt gefärbte Corona-Karte des Robert Koch-Instituts momentan aus. Es gibt extrem niedrige Ansteckungszahlen in manchen Landkreisen, sehr hohe dagegen in anderen. Selbst innerhalb der Bundesländer sind die Unterschiede groß.

Da die Länder Kita- und Schulöffnungen auch an regionale Ansteckungszahlen (Inzidenzen) gekoppelt haben, bleiben die Einrichtungen nun in einigen Landkreisen und Städten weiterhin zu oder nur im eingeschränkten Betrieb, selbst wenn ein Land grundsätzlich Öffnungen angekündigt hat.

Einen „Flickenteppich“ gibt es auch bei den Inzidenzregeln: In Bayern ist Präsenzunterricht bis zu einem Wert von 100 möglich, in Mecklenburg-Vorpommern bis 150, in Thüringen bis 200. Wie Grundschüler jetzt in der Schule unterrichtet werden, ist ebenfalls unterschiedlich geregelt. Entweder gibt es sogenannten Wechselbetrieb mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen sollen.

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Lehrkräfte und Kita-Personal früher impfen

Abstand ist an Grundschulen und Kitas kaum möglich. Deshalb sollen die Beschäftigten, wenn es nun schon Öffnungen gibt, bei der Impfung früher dran kommen, nach Angaben von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) vielleicht schon im März. Das Ganze scheint unstrittig und ist dem Vernehmen nach auch schon so gut wie beschlossen, aber es ist auch nicht so einfach, wie es klingt.

„In dem Moment, wo Sie eine Gruppe höher priorisieren, heißt das, dass eine andere Gruppe weiter nach hinten rutscht“, sagt Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Trotzdem spricht sie sich in der Abwägung dafür aus. „Weil wir einfach gesehen haben, welche große Bedeutung die Kinderbetreuung für viele andere Bereiche in Deutschland hat, für das Funktionieren unseres Gesamtsystems.“

Trotz Bedenken: Familienministerin Franziska Giffey (SPD) spricht sich dafür aus, Lehrkräfte und Kita-Personal bei der Impfplanung zu priorisieren.
Trotz Bedenken: Familienministerin Franziska Giffey (SPD) spricht sich dafür aus, Lehrkräfte und Kita-Personal bei der Impfplanung zu priorisieren. | Bild: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt dagegen, dass Hochbetagte und Schwerkranke dann ins Hintertreffen geraten könnten. „Wenn jetzt Berufsgruppen noch weiter nach vorn gesetzt werden sollen, wird das Leben kosten“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der dpa. In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt insgesamt knapp eine Million Grundschullehrer und Kita-Beschäftigte.

Masken und Tests

Nach den letzten Sommerferien war das ein großer Aufreger: Masken in der Schule, sogar im Unterricht. Jetzt geht es eher um die Frage, welche Maske. In vielen Schulen müssen auch die Grundschüler nun OP- oder FFP2-Masken tragen, zum Beispiel im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, ist für eine solche Pflicht: „Wir erleben das überall sonst im Alltag, warum nicht an den Schulen?“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Große Hoffnungen werden in den verstärkten Einsatz von Schnelltests gesetzt. Am besten zwei Mal pro Woche das Kita- und Grundschulpersonal testen, einschließlich Hilfskräften oder Köchen, sagt Familienministerin Giffey. Sie sieht das als „Brücke“, bis alle in den Einrichtungen, die das möchten, geimpft sind. Rechnerisch wären das an die zwei Millionen Tests in der Woche.

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Auch das liegt aber in der Hand der Bundesländer. Und die haben bereits entsprechende Pläne. In Berlin zum Beispiel sollen sich Grundschullehrkräfte und Erzieherinnen ab Montag zweimal in der Woche freiwillig testen lassen können. Vorher geschulte Mitarbeiter der Schulen und Kitas sollen das machen. Ähnliche Regelungen gibt es in anderen Bundesländern auch.

(dpa)