Ein Endlager soll alle hoch radioaktiven Abfälle aufnehmen, die bis zum Vollzug des Atomausstiegs Ende 2022 anfallen. Allerdings ist nicht klar, wo es liegen könnte. Nun werden erstmals Namen genannt.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt am Montag einen Bericht mit Regionen vor, die nach geologischen Kriterien für ein Atommüll-Endlager grundsätzlich in Frage kommen könnten. Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist mit dem sogenannten Zwischenbericht Teilgebiete aber noch nicht verbunden. Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen. Bis 2031 soll das Suchverfahren in Deutschland abgeschlossen sein, bis etwa 2050 soll das Endlager seinen Betrieb aufnehmen.

Warum wird ein Endlager gesucht?

Spätestens Ende 2022 geht in Deutschland der letzte Atomreaktor vom Netz. Was bleibt, sind hochgefährliche Abfälle, die noch viele tausend Jahre strahlen: 1900 Behälter oder 27.000 Kubikmeter. Wo dieser Müll hin soll, ist offen. Es braucht ein Endlager, und es soll in Deutschland unterirdisch entstehen, 500 Jahre lang soll der Atommüll wieder geborgen werden können.

Wie soll die Suche ablaufen?

2031 soll der Standort gefunden sein und 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen. Ausgehend von einer „weißen Landkarte“, auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, wird nach und nach eingegrenzt. Es gibt Ausschlusskriterien, notwendige Bedingungen und Abwägungskriterien. Am Ende soll der Bundestag die endgültige Entscheidung für einen Standort treffen.

Welche Regionen kommen infrage?

Wirtsgesteine können Salz, Ton und Kristallin wie etwa Granit sein. 300 Meter Gestein sollen es sein zwischen Erdoberfläche und Endlager. Gibt es da Bergwerke, Erdbeben-Risiken, vulkanische Aktivitäten, junges Grundwasser? Dann ist der Standort ungeeignet. Aber auch die Besiedlung und andere Kriterien an der Oberfläche spielen eine Rolle.

Ist der Südwesten auch betroffen?

Ja, Experten sahen bislang auch im Opalinuston unter dem Hegau und im Alb-Donau-Bereich Potenzial. Die Opalinustonschicht liegt in knapp 300 Metern Tiefe mit einer Mächtigkeit von 100 Metern. Dagegen sprach bislang unter anderem eine mögliche Erdbebengefahr.

Der Ablauf der Suche ist in drei Phasen gegliedert. In der ersten Phase werden nur Daten ausgewertet, die man schon hat. In der zweiten Phase wird an möglichen Standorten dann auch gebohrt und gemessen – dabei werden weitere Regionen ausgeschlossen. In einer dritten Phase werden Erkundungsbergwerke gebaut, um gründlicher zu prüfen, welches der beste Ort sein könnte.

Was steht in dem Zwischenbericht?

Der Zwischenbericht markiert eine wichtige Etappe im Suchprozess. Die darin benannten Teilgebiete sind solche, „die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen“, wie es im Gesetz heißt.

Andere Kriterien wurden dagegen noch nicht berücksichtigt. Die Gebiete können daher noch ziemlich groß sein, es sollen mindestens zehn und höchstens 100 werden. Im Bericht steht für jedes Teilgebiet, warum es in der Auswahl ist. Orte außerhalb der Teilgebiete kommen schon mal nicht in Frage – aber Orte in einem Teilgebiet sind längst nicht als Standort ausgewählt.

Können die Bürger diesmal mitreden?

Ja. Es wurde ein Nationales Begleitgremium eingesetzt, das den Behörden auf die Finger schaut – es darf auch Daten einsehen, die zunächst nicht veröffentlicht werden. Die Fachkonferenz Teilgebiete startet am 17./18. Oktober in Kassel. Bis Juni 2021 gibt es dann noch drei Beratungstermine, an dem auch Bürger teilnehmen sollen.

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