Tief rot ist sie, die Corona-Landkarte mit den Inzidenzwerten von Baden-Württemberg. In einigen Landkreisen etwas dunkler, in anderen etwas heller, aber an der Grenze zur Schweiz hört sie abrupt auf. Dabei ist gerade für Bewohner der Grenzregion und Berufspendler die Lage dort ebenso interessant wie im eigenen Landkreis. Und bei so manchen schlummert auch weiterhin die Angst, dass die Bemühungen diesseits der Grenze etwa durch Einkaufstouristen wieder zunichte gemacht werden könnten.

„Schweizweites Problem“

Angesichts der Tatsache, dass die Schweiz erst vor gut zwei Wochen damit begonnen hat, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu verschärfen, ist diese Sorge nicht ganz unbegründet. Bis zum 19. Oktober waren Masken etwa nur in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben, in Supermärkten, Restaurants oder Theatern jedoch nicht.

Den explosionsartigen Anstieg der Infektionszahlen konnte das Umsteuern der Schweizer Regierung aber nicht mehr verhindern. Am Mittwoch und Donnerstag verkündete der Bund über 10.000 Neuinfektionen – das ist, umgerechnet auf die Bevölkerung, als würde Deutschland 100.000 neue Coronafälle pro Tag verkünden.

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„Wir haben heute schweizweit ein Problem und nicht mehr nur in einzelnen Regionen“, sagte damals Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz. Das lässt sich bis heute in Zahlen ablesen. Die Werte für die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, liegt in fast sämtlichen Kantonen weit über 300.

Einzelne Regionen wie die Kantone Genf und Wallis haben mit einem Inzidenzwert von mehr als 1400 zu kämpfen und rufen nun die Armee zur Unterstützung der Gesundheitsversorgung zu Hilfe.

Eine Medizinstudentin entnimmt bei einer Frau einen Nasenabstrich im Covid-19-Testzentrum des Kantonsspitals Winterthur (KSW).
Eine Medizinstudentin entnimmt bei einer Frau einen Nasenabstrich im Covid-19-Testzentrum des Kantonsspitals Winterthur (KSW). | Bild: Gaetan Bally/Keystone/dpa

Wie bereits in den Kantonen Neuenburg, Freiburg, Genf, Waadt und Jura werden darum jetzt auch im Wallis sämtliche Bars, Restaurants und Gasthäuser bis zum Ende des Monats geschlossen. Denn es ist vor allem die Situation in der Südwestschweiz und der Romandie, die dazu führt, dass gesamtschweizerisch die Zahl der Neuinfektionen immer noch steigt, während sich die Lage an der Grenze zu Deutschland stabilisiert hat.

Die Lage an der Grenze

Hier sticht vor allem der Kanton St. Gallen mit einem Inzidenzwert von 563 beim Stand vom 5. November heraus. Damit ist dieser etwa viermal so hoch als im Landkreis Lörrach, dem mit einem Wert von 148 am stärksten betroffenen deutschen Kreis im Grenzgebiet. Die übrigen grenznahen Landkreise Waldshut (120), Konstanz (105), Schwarzwald-Baar (102), Bodenseekreis (77) und Ravensburg (57) stehen im Vergleich zu den Schweizer Kantonen ebenfalls ungleich besser da.

Denn auch im bevölkerungsreichsten Kanton Zürich ist der Inzidenzwert auf mittlerweile 454 geschnellt, gefolgt vom Kanton Thurgau mit 402 und dem Kanton Aargau mit 371. Auch in den beiden Halbkantonen Appenzell Innerrhoden und Appenzell Außerrhoden bewegt sich die Inzidenz mit 738 und 487 in alarmierenden Höhen.

Etwas besser sieht es nur in Schaffhausen und den beiden Halbkantonen Basel-Land und Basel-Stadt aus, die sich um die 300er-Marke bewegen. Doch auch das ist noch immer sechsmal so hoch wie der für deutsche Landkreise geltende Inzidenz-Grenzwert von 50. Seit dem 24. Oktober stuft das Robert-Koch-Institut deshalb die gesamte Schweiz als Risikogebiet ein.

Grund zur Hoffnung

Aber auch wenn die hohen Zahlen an Neuinfektionen nahelegen, dass die Situation auf der Schweizer Seite der Grenze längst außer Kontrolle geraten ist, gibt es Hoffnung. In den nordöstlichen Grenzkantonen wurde der Höhepunkt der täglichen Neuinfektionen zwischen dem 26. und dem 30. Oktober überschritten. Seither gehen die Zahlen langsam wieder zurück oder stagnieren zumindest auf hohem Niveau.

Bei fast allen Corona-Schutzmaßnahmen dauert es etwa zehn Tage, bis sich die Wirkung in den Infektionszahlen niederschlägt. Ein Effekt, der sich nun auch in der Schweiz zeigt und die Eidgenossen wohl vor noch strengeren Regulierungen oder gar einem Lockdown bewahren dürfte. Das bestätigte Virginie Masserey, die Leiterin der Abteilung Infektionskontrolle beim schweizerischen Bundesamt für Gesundheit, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Ihres Wissens, so erklärte sie, seien vom Bundesrat derzeit keine weiteren Maßnahmen geplant.