Schon am 27. Dezember soll der erste Deutsche seine Immunisierung erhalten – davon geht zumindest Jens Spahn aus. Hört sich also alles simpel an: Hinfahren, Spritze rein, sicher sein.

So einfach ist es aber leider nicht. Hinter den Kulissen arbeiten tausende Menschen auf Hochtouren. Der organisatorische und logistische Aufwand für die Land- und Stadtkreise ist enorm. Deshalb suchen die Regierungspräsidien derzeit händeringend nach Freiwilligen, die in den Impfzentren helfen.

Wer kann sich als freiwilliger Helfer melden?

Allen voran fehlt medizinisches Fachpersonal, also Pflegekräfte, Medizinisch-Technische Assistenten, Apotheker und Pharmazeutisch-Technische Assistenten, Rettungssanitäter oder Notfallsanitäter. Aber auch Medizinstudenten ab dem 7. Semester oder im Praktischen Jahr können sich zum medizinischen Freiwilligendienst melden.

Doch in den Impfzentren geht es keinesfalls nur um die Spritze an sich. Der reibungslose Ablauf vor Ort spielt auch eine große Rolle. Deshalb suchen die Regierungspräsidien nach Personen für Verwaltungsaufgaben. Ihre Aufgaben: Impf-Empfänger vom Eingang zum Impfbereich begleiten oder bei der Anmeldung und Dokumentation unterstützen.

Der Wartebereich des Freiburger Impfzentrums bei einem Testlauf.
Der Wartebereich des Freiburger Impfzentrums bei einem Testlauf. | Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

1600 Freiwillige in der Region reichen nicht

Im Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen, wozu die Kreise Ravensburg, Bodensee, Sigmaringen und Zollernalb gehören, haben sich bereits 600 Freiwillige gemeldet, bestätigt Präsidiumssprecher Dirk Abel auf Nachfrage – dennoch fehlt weiterhin Personal.

Die Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg, Heike Spannagel, beschreibt den Andrang an motivierten Helfern als „überwältigend. Seit Montag haben über 1000 Menschen ihre Hilfe angeboten.“ Es zeichne sich laut Spannagel jedoch ab, dass „gerade im Verbreitungsgebiet des SÜDKURIER“ noch Bedarf bestehe. Das Regierungspräsidium Freiburg ist unter anderem für die Kreise Konstanz, Waldshut, Lörrach und den Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig.

So läuft die Bewerbung

Claudia Krüger vom Landessozialministerium konkretisiert grundsätzlich: Pro Kreisimpfzentrum und Tag würden 72 Mitarbeiter gebraucht, jeden Tag sollen so pro Zentrum 800 Impfungen verabreicht werden. 50 Zentren sollen im Land entstehen, das ergibt rechnerisch also einen Bedarf von 3600 Helfern.

Der Impfbetrieb wird laut Sozialministerium in der Regel von 7 bis 21 Uhr in zwei Schichten an sieben Tagen pro Woche durchgeführt. Die nähere vertragliche Ausgestaltung mit den Helfern treffen allerdings die Impfzentren in den Kreisen selbst.

Helfer bekommen Aufwandsentschädigung

Dass es einen finanziellen Ausgleich für die gesellschaftlich wichtige Aufgabe geben wird, ist jetzt schon Fakt. Wie hoch dieser im Einzelfall ausfällt, ist aber noch unklar. Denn jedes Kreisimpfzentrum entscheidet selbst, wie viel vergütet wird.

Auf Nachfrage beim Regierungspräsidium Tübingen bringt Dirk Abel etwas Licht ins Dunkel: Die Kreise könnten maximal 27,60 Euro pro Stunde brutto pro Helfer vom Land zurückfordern. Ob sie diesen Rahmen bis auf den letzten Cent ausschöpfen werden, müsse jeder Kreis selbst entscheiden.

Dass das Engagement mit einer Corona-Impfung für die Helfer mit einer vorgezogenen Impfung belohnt wird, schließt das Sozialministerium allerdings von vornherein aus. „Wir halten uns an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Eine Änderung der Priorisierung ist daher vorerst nicht möglich und auch nicht vorgesehen“, so Claudia Krüger.

Angehörige von Hilfsorganisationen stehen im Eingangsbereich eines betriebsbereiten Impfzentrums.
Angehörige von Hilfsorganisationen stehen im Eingangsbereich eines betriebsbereiten Impfzentrums. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Arbeitgeber können Freiwilligenhilfe verbieten

Konflikte kann es für berufstätige Helfer derweil mit ihrem Vorgesetzten geben. Ein Recht auf Freistellung oder Urlaub haben Personen, die sich in Impfzentren engagieren wollen, nämlich nicht. Eine Nebentätigkeit müsse auch hier ganz normal mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Man appelliere jedoch an die Arbeitgeber, dies möglich zu machen, so Sozialministeriumssprecherin Krüger.

Seit dem 15. Dezember werden zunächst neun Zentrale Impfzentren des Landes in den Universitätsstädten Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg sowie zusätzlich in Stuttgart, Karlsruhe, Offenburg und Rot am See eingerichtet. Ab dem 15. Januar 2021 folgen weitere 50 Kreisimpfzenten. Zusätzlich werden Mobile Impfteams eingerichtet, die zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen impfen werden.

„Herkulesaufgabe“ und Dank für Bereitschaft

„Die geplante Impfung von vielen Millionen Baden-Württembergern ist eine Herkulesaufgabe, die alle unterstützenden Hände braucht. Wir freuen uns daher sehr, dass schon so viele Menschen ihre Bereitschaft signalisiert haben, dass sie helfen wollen“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha.