Mehrere Tausend Biker haben am Samstag unter anderem in Baden-Württemberg gegen vom Bundesrat geforderte zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Lärmschutzgründen demonstriert. Am Bodensee hatte der Veranstalter zunächst mit 500, dann mit 1000 Teilnehmern gerechnet. Zum Start in Friedrichshafen waren schließlich rund 5000 Motorradfahrer gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

In Stuttgart kamen nach Angaben der Beamten am frühen Nachmittag bis zu 8000 Motorradfahrer zusammen – nach Angaben eines Sprechers waren es auch hier deutlich mehr als erwartet.

Route am Bodensee verändert

In Karlsruhe und dem südlich gelegenen Rheinstetten versammelten sich statt der angemeldeten 500 Teilnehmer mindestens 7000 Biker. 3000 von ihnen fuhren nach Polizeiangaben am Bundesverfassungsgericht vorbei.

Am Bodensee mussten die Biker aufgrund ihrer hohen Zahl auf Anweisung der Polizei von der geplanten Route abweichen. Ab Überlingen führte der Weg in Richtung Autobahn.

Video: Lena Reiner

Noch am Freitagnachmittag gingen Organisator Jörg Brucker und der Ravensburger Polizeisprecher Oliver Weißflog von einer ganz anderen Route aus.

Sie hätte durch Ludwigshafen, Radolfzell, Böhringen und Singen zum Hegaustern oberhalb von Engen führen sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

In Rheinstetten hätten spontan Demonstranten die Versammlung in Richtung der Karlsruher Innenstadt verlassen. „Teilweise wurde dabei in Gruppe von bis zu 500 Zweirädern gefahren. Diese konnten von den Einsatzkräften nicht mehr aufgehalten werden“, teilte die Polizei mit. Es sei zu wiederholten Verkehrsverstößen gekommen.

Langer Streit über Motorradlärm

In Stuttgart kam es nach Angaben der Polizei aufgrund der Demo zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Organisiert wurden die Aktionen unter anderem von der Gruppe „Biker for Freedom“, die auch an zahlreichen weiteren Orten bundesweit zu Demos aufgerufen hatte. So waren beispielsweise auch in Wiesbaden einige Tausend Biker unterwegs – ebenso in München, wo eine Groß-Demonstration dazu eigentlich untersagt worden war.

Hintergrund der Proteste ist ein langer Streit über Motorradlärm. Die Bundesländer hatten sich Mitte Mai dafür eingesetzt, dass die Fahrzeuge weniger Lärm verursachen sollen. So sollen die zulässigen Geräusch-Emissionen auf einen Wert begrenzt werden, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lastwagens oder eines Rasenmähers entspricht. Der Bundesrat will zudem beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Zusammenschluss gegen Motorradlärm

In Baden-Württemberg gelten vor allem landschaftlich reizvolle und kurvige Strecken wie auf der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald und Odenwald sowie die Löwensteiner Berge und die Bergstraße als Lärm-Hotspots. Mehr als 100 Städte, Gemeinden und Landkreise haben sich aus Protest zur „Initiative Motorradlärm“ zusammengeschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ihr Forderungskatalog umfasst geänderte Zulassungsregelungen für Motorräder und drastischere Strafen für Manipulationen an Motoren, Verkehrsverbote und stärkere Kontrollen.

Das sagt der Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen

Auch die Bergstraße in Bodman-Ludwigshafen am Bodensee lockt viele Motorradfahrer an. „Die meisten fahren ordentlich, aber nicht wenige nutzen die Strecke, um hoch und runter zu rasen“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Weckbach. Zum Teil würden auch Wettrennen durch Wohngebiete und einen Uferpark gefahren. „Die Bergstraße thront über Ludwigshafen, der Lärm der Motorräder und hochmotorisierten PKW beschallt den ganzen Ort. Die Bürgerinnen und Bürger finden keine Ruhe.“

Er verstehe den Ärger über den Lärm durchaus, sagte dagegen Jörg Brucker von der Gruppe „Biker for Freedom“, der auch die Demonstration am Bodensee organisiert hatte. Man dürfe die Motorradfahrer aber auch nicht unter Generalverdacht stellen – ein Fahrverbot sei aus seiner Sicht nicht der richtige Weg. (dpa / sk)

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €