Sie tritt zu früh oder zu spät auf, zu schwach oder stärker – wenn es nach den Schilderungen von Frauen in den sozialen Medien geht, beeinflusst die Coronaschutz-Impfung die Monatsblutung. Eine Facebook-Nutzerin schreibt in einer Gruppe, die sich über Impfnebenwirkungen austauscht: „Ich wurde am 23. April das erste Mal geimpft mit dem Impfstoff Moderna. Ich hatte nur Schmerzen am Arm, danach Zyklusstörungen und Verspätung der Menstruation. Nach der zweiten Impfung hatte ich den ganzen Tag Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Verstärkung der Monatsblutung.“ Eine weitere Nutzerin berichtet von einer anderen Erfahrung: „Meine Periode war schwächer.“ Doch kann die Impfung wirklich den Zyklus stören? Gibt es dafür eine medizinische Erklärung?

Gynäkologen aus der Region können solche Darstellungen jedenfalls nicht bestätigen. Martin Müller, Frauenarzt in Villingen-Schwenningen, hatte noch keine Patientin, die über Probleme mit dem Zyklus nach der Impfung klagte. Er ist überzeugt, dass sich die Impfung nicht auf den Zyklus auswirkt. „Eine Impfung, gleich welche, hat sicher keinen Einfluss auf den Zyklus. Wir impfen ja schon lange gegen alle möglichen Virusinfekte. Was allerdings einen Einfluss hat, sind andauernde Ängste und Dauerstress, so wie es viele Frauen im Corona-Stress erleben. Durch Ängste und Stress verschiebt sich der Eisprung oder lässt sie völlig ausfallen.“

„Eine Impfung, gleich welche, hat sicher keinen Einfluss auf den Zyklus“, sagt Martin Müller, Frauenarzt in Villingen-Schwenningen.
„Eine Impfung, gleich welche, hat sicher keinen Einfluss auf den Zyklus“, sagt Martin Müller, Frauenarzt in Villingen-Schwenningen. | Bild: Martin Müller

Zyklusstörungen treten häufig auf

Auch die Konstanzer Frauenärztin Anja Bergmann kennt keine Betroffenen. Sie bestätigt, dass Zyklusstörungen am häufigsten stressbedingt seien. „Zyklusstörungen sind insgesamt sehr, sehr häufig, und bei weitem nicht jede Patientin meldet sich deshalb sofort bei ihrem Frauenarzt. Mir ist auch sonst nicht bekannt, dass die Corona-Impfung speziell in den weiblichen Zyklus eingreift“, sagt Bergmann. Sie hält Alltagsstress für einen viel größeren Faktor, der die Menstruation leicht verschieben könnte.

Eine Frau bekommt von einer Gesundheits- und Krankenpflegerin ihre erste Corona-Schutzimpfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht. Diese habe keine Auswirkungen auf die Menstruation bei Frauen, sagen Frauenärzte aus der Region.
Eine Frau bekommt von einer Gesundheits- und Krankenpflegerin ihre erste Corona-Schutzimpfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht. Diese habe keine Auswirkungen auf die Menstruation bei Frauen, sagen Frauenärzte aus der Region. | Bild: dpa

Stress ist die Hauptursache

Grundsätzlich können Impfungen sich aber schon auf den Zyklus auswirken, sagt dagegen Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte: „Eine Impfung, die ja zu einer Reizung nicht nur an der Einstichstelle, sondern auch möglicherweise zu einer erhöhten Temperatur führt, kann den Zyklus beeinflussen.“

Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte.
Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. | Bild: Christian Albring

Hormonproduktion wird durch Stress beeinflusst

Albring erklärt, wie Stress den weiblichen Zyklus verändert: „Ursache ist die Steuerung der Hormonproduktion über das Zwischenhirn und die Hirnanhangsdrüse in Rückkopplung mit dem Eierstock. Da Stress nicht irgendwo im Körper, sondern im Kopf stattfindet, wird dieses System beeinflusst. Die dadurch entstehende unregelmäßige Hormonproduktion führt zu einem unregelmäßigen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, die dann zusammenbrechen kann und blutet.“

Das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut sieht bisher ebenfalls keinen Zusammenhang der Impfung mit Blutungsstörungen: Auf Medienanfragen sagte das Institut, „dass einzelne Verdachtsmeldungen zu Veränderungen im Zyklus nicht ungewöhnlich sind“.

Frauen müssen sich wegen der Corona-Impfung also keine Gedanken machen. Im Zweifel liegt die Ursache im eigenen Alltag.

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