Der Energieversorger EnBW bereitet sein Atomkraftwerk Neckarwestheim II im Landkreis Heilbronn für einen möglichen Betrieb bis längstens zum 15. April nächsten Jahres vor. Der Meiler solle aber zunächst auf jeden Fall am 31. Dezember heruntergefahren werden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Karlsruhe mit. Das Bundeswirtschaftsministerium und die Betreiber der Atomkraftwerke Neckarwestheim II (GKN II) und Isar 2 hätten Eckpunkte für einen möglichen längeren Betrieb vereinbart, hieß es.

Demnach will die Bundesregierung spätestens Anfang Dezember entscheiden, ob für die Versorgungssicherheit in Deutschland eine Stromproduktion der Atommeiler im kommenden Jahr erforderlich ist. Anfang Januar soll das Ganze nochmals überprüft werden.

Sollte die Bundesregierung entscheiden, dass eine weitere Stromproduktion in Neckarwestheim erforderlich ist, werde der Reaktorkern der Anlage mit vorhandenen teilverbrauchten Brennelementen neu zusammengesetzt und wiederhochgefahren, erläuterte die EnBW. Das solle eine Stromproduktion von bis zu 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom gewährleisten, hieß es.

Reservebetrieb der beiden Atomkraftwerke in Baden-Württemberg und Bayern

„Die jetzt getroffene Vereinbarung mit der Bundesregierung ist für uns als Energieunternehmen einerseits in der Umsetzung sehr anspruchsvoll“, erklärte Georg Stamatelopoulos, EnBW-Vorstand für nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur. „Andererseits wird EnBW, wie stets betont, ihren Beitrag für die Sicherheit der Energieversorgung in Deutschland immer nach besten Kräften leisten.“

Eigentlich war geplant, dass Neckarwestheim II und Isar 2 in Bayern sowie der Meiler Emsland in Niedersachsen als letzte drei in Deutschland noch laufende AKW zum Jahresende vom Netz gehen. Die EnBW hat sich seit dem beschlossenen Atomausstieg Deutschlands nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 neu aufgestellt und konzentriert sich auf die Energieerzeugung mit Erneuerbaren.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte Anfang September den Plan für einen möglichen Weiterbetrieb (Reservebetrieb) der beiden Atomkraftwerke in Baden-Württemberg und Bayern angekündigt. Das AKW Emsland soll nicht Teil dieser Notfallreserve sein und fristgerecht zum Jahresende abgeschaltet werden.

Gewinne durch Weiterbetrieb in Energiewende investieren

Die hohen Anforderungen an die Sicherheit des Meilers in Neckarwestheim bestehen nach EnBW-Angaben unverändert fort und werden unabhängig überwacht. Der Konzern habe sich ferner dazu verpflichtet, eventuell entstehende Gewinne durch den Weiterbetrieb in konkrete Maßnahmen der Energiewende zu investieren. Sofern das Kraftwerk nicht in der Einsatzreserve genutzt werde oder die entstehenden Kosten durch die Erlöse aus dem Betrieb nicht gedeckt werden können, werde der Staat die Verluste ausgleichen, hieß es weiter.

Damit die Atomkraftwerke Emsland und Neckarwestheim II bis Ende des Jahres in vollem Umfang Strom produzieren können, haben die Energieversorger EnBW und RWE unterdessen gesetzlich verbriefte Strommengen gewissermaßen umgebucht. Gemäß Atomgesetz darf jeder Meiler nur eine ihm individuell zugeordnete Elektrizitätsmenge erzeugen. Es ist aber möglich, diese Kontingente zu übertragen.

Aus der ungenutzten Strommenge des abgeschalteten EnBW-Kernkraftwerks Philippsburg 2 hat der Karlsruher Versorger nun rund 1,467 Terawattstunden auf Block II seiner Anlage in Neckarwestheim übertragen sowie 0,06 Terawattstunden auf den RWE-Meiler Emsland. „So ist gesichert, dass die technisch mögliche Menge Strom auch wirklich produziert und dem Markt zur Verfügung gestellt werden kann“, sagte der Chef der EnBW-Kernkraftsparte, Jörg Michels, der Deutschen Presse-Agentur. Die Übertragungen stünden aber nicht im Zusammenhang mit der Debatte über eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. (dpa)