Zehn Jahre nach der ersten Montagsdemonstration gegen «Stuttgart 21» rufen die Gegner des Bahn-Bauprojekts zur «Jubiläums-Demo» auf. Beim Protest heute rechnen die Veranstalter nach eigenen Angaben mit bis zu 3000 Teilnehmern vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof.

Es ist bereits die insgesamt 484. Montagsdemo. Damit gehört die Protestreihe zu den am längsten andauernden Bürgerprotesten wesentlichen Umfangs in Deutschland.

Mit vier Teilnehmern ging es los

Am 26. Oktober 2009 hatte sich erstmals ein Häuflein Menschen versammelt, um seinen Unmut über das Milliarden-Bahnprojekt Nachdruck zu verleihen. Damals zählten die Veranstalter nach eigenen Angaben vier Teilnehmer.

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Seitdem fordern die Gegner statt des unterirdischen Kopfbahnhofs als Teil des Projekts einen optimierten Kopfbahnhof, der billiger, sicherer und leistungsfähiger sein soll und sich trotz der längst fortgeschrittenen Bauarbeiten noch umsetzen ließe.

Schon im Sommer 2010 gingen immer wieder mehr als 100.000 Gegner der unterirdischen Station mit Anbindung an die Neubaustrecke nach Ulm auf die Straße. Trauriger Höhepunkt war der «schwarze Donnerstag», an dem bei Protesten im Stuttgarter Schlossgarten laut Innenministerium mehr als 160 Menschen verletzt wurden.

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In den vergangenen Jahren sind die Teilnehmerzahlen bei der Demo deutlich geringer geworden. Eine kleine Gruppe hartnäckiger Stuttgart 21-Gegner trifft sich aber nach wie vor wöchentlich zum öffentlichen Protest.

Dauer-Protest hat Stadtleben verändert

Auch die Dauer-Mahnwache vor dem Hauptbahnhof gibt es noch. In dem Zelt beantworten zwei Gegner Fragen, außerdem verteilen sie Material wie Reden oder Presseerklärungen. Viele der Aktiven sind älter und ziehen eine solche Möglichkeit der Information über das Internet vor.

Der Dauerprotest hat nach Ansicht der Aktivisten das Stadtleben verändert. «Damals haben viele gesagt, sie gingen das erste Mal auf die Straße», sagte Matthias von Herrmann von den sogenannten Parkschützern am Montag in Stuttgart. «Und heute sind sie in vielen anderen Bereichen auch im öffentlichen Engagement und Widerstand aktiv.» Der Regisseur und Stuttgart-21-Kritiker Volker Lösch sprach von einer «enormen Politisierung der Stuttgarter Gesellschaft». (dpa)