Ist der dicke Knöchel nur verstaucht oder womöglich gebrochen? Heilt die Wunde gut oder ist die Rötung ein Warnzeichen? Ist das Fieber bedenklich hoch oder eine ganz normale Begleiterscheinung des Infekts?

Zwischenbilanz fällt positiv aus

Antworten auf diese und andere Fragen bekommen Patienten in Baden-Württemberg im Rahmen des Telemedizin-Projekts docdirekt zuhause im Wohnzimmer von einem per Telefon, App oder online zugeschalteten Arzt – und zwar kostenlos.

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Vor einem Jahr hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) das bundesweit beachtete und preisgekrönte Projekt zunächst in Stuttgart und dem Landkreis Tuttlingen gestartet, im Oktober 2018 bereits auf ganz Baden-Württemberg ausgeweitet. Am Donnerstag wurde in Stuttgart nach den ersten zwölf Monaten Zwischenbilanz des zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekts gezogen.

Sie fällt durchweg positiv aus: „Es funktioniert. Es gab eine hohe Zufriedenheit bei den Patienten, keinen Fall von Fehlbehandlung, Patienten müssen keine langen Wege und Wartezeiten auf sich nehmen, niedergelassene Ärzte sind kurzfristig erreichbar, Wartezimmer in Praxen und Notaufnahmen werden entlastet. Telemedizin ist vor allem in Zeiten des Ärztemangels ein wichtiges zusätzliches Angebot der ärztlichen Versorgung“, sagt KVBW-Vorsitzender Johannes Fechner.

So funktioniert docdirect

Er macht aber auch klar: „Der Hausarzt wird nicht ersetzt. Sondern es ist ein neues, ergänzendes Angebot.“ Das Projekt soll nach dem Willen der KVBW nach der Testphase zum festen ärztlichen Angebot im Land gehören. Und so funktioniert docdirekt.

  1. Was ist docdirekt? Ein Angebot zu einem schnellen Arztgespräch für Kassenpatienten bei akuten gesundheitlichen Beschwerden, wenn der eigene Haus- oder Facharzt nicht erreichbar ist.
  2. Wer kann docdirekt nutzen und was kostet es? Jeder, der in Baden-Württemberg wohnt und Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung ist, kann docdirekt kostenlos in Anspruch nehmen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen das Honorar für den Arzt. Privatversicherte können den Service nicht nutzen.
  3. Wie und wann erreiche ich docdirekt? Derzeit von Montag bis Freitag zwischen 9 und 19 Uhr per Telefon, Videochat oder Textchat. Die Anfangszeit soll aber um ein oder zwei Stunden vorverlegt werden. Kontakt zu docdirekt können Patienten entweder telefonisch über die Nummer 0711/96589700 aufnehmen, über die Web-Plattform www.docdirekt.de oder über die docdirekt-App, die für iOS- und Android-Geräte kostenlos zur Verfügung steht.
  4. Was ist nachts und an Wochenenden? In Notfällen steht der ärztliche Bereitschaftsdienst zur Verfügung. Er ist bundesweit unter der Rufnummer 116 117 zu erreichen. Perspektivisch könnte aber auch das docdirekt-Angebot dort eingebunden werden.
  5. Muss ich mich vorher registrieren? Wer docdirekt über die App oder die Web-Plattform nutzen möchte, muss sich zunächst mit seinen Versichertendaten registrieren und ein Nutzerprofil einrichten und bestätigen. Danach kann ein Chat oder ein Videoanruf gestartet werden. Andere Anrufer müssen zunächst ihre Daten telefonisch angeben.
  6. Welche technischen Voraussetzungen brauche ich? Für einen Videoanruf vom PC aus benötigen Patienten eine schnelle Internetverbindung, Mikrofon und Lautsprecher oder Headset sowie eine Kamera. Mobile Endgeräte müssen eine Internetverbindung haben, möglichst über WLAN oder einen Datentarif mit entsprechendem Volumen. Aber auch ein herkömmliches Telefon ist für ein Gespräch ausreichend.
  7. Wer nimmt meinen Anruf entgegen? Die Anfragen gehen bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) ein. Eine Medizinische Fachangestellte (MFA) nimmt die Personalien und Krankheitssymptome auf und klärt die Dringlichkeit. Handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, wird der Anruf an die örtliche Rettungsleitstelle weitergeleitet. Andernfalls verabredet die MFA mit Ihnen eine Uhrzeit, zu der sich ein Tele-Arzt bei Ihnen meldet.
  8. Wer sind die Ärzte? Kann ich mir einen Arzt aussuchen? Derzeit nehmen 40 niedergelassene Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte aus ganz Baden-Württemberg an docdirekt teil. Alle sind Kassen-Vertragsärzte.  Auf der Homepage von docdirekt  sind sie aufgeführt. Patienten können sich den Arzt aber nicht aussuchen, den Anruf übernimmt derjenige Tele-Arzt, der zur verabredeten Zeit freie Kapazitäten hat.
  9. Wie kann mich ein Arzt überhaupt behandeln, wenn er mich nicht untersuchen kann? Die Praxis zeigt, dass ein Gespräch in vielen Fällen für den Patienten eine zufriedenstellende und hilfreiche Lösung war. Oft geht es nur darum, Symptome abzuklären, Ängste auszuräumen oder eine Medikamentenempfehlung zu geben. Ist das Fieber schon bedenklich hoch? Könnte der geschwollene Knöchel gebrochen sein? Was tun, wenn der Blutdruck plötzlich deutlich erhöht ist? Welches vorhandene Medikament könnte gegen die Beschwerden helfen? Solche Fragen etwa könnten geklärt werden. Wenn eine persönliche Untersuchung nötig ist, wird ein Termin in einer wohnortnahen Praxis vermittelt.
  10. Kann mir der Telearzt ein Rezept ausschreiben oder mich krankschreiben? Beides ist derzeit aus rechtlichen Gründen noch nicht möglich. E-Rezepte soll es aber bereits bis Jahresende 2019 geben.
  11. Machen die Ärzte von docdirekt auch Hausbesuche? Nein.
  12. Was passiert mit meinen Daten? Docdirekt ist als Angebot der KVBW als Körperschaft öffentlichen Rechts kein gewinnorientiertes Angebot. Die Daten werden nicht kommerziell genutzt, verschlüsselt übertragen und verschlüsselt auf Datenbankservern in zertifizierten deutschen Rechenzentren abgelegt.
  13. Wer profitiert von docdirekt? Laut KVBW alle Seiten. Patienten erhalten schnelle Beratung und Behandlung und sparen sich die Anfahrt oder lange Wartezeiten, Ärzte und Notaufnahmen werden entlastet, Mangelgebiete werden besser ärztlich versorgt.