Die Kreisstadt hat die Wahl. Am Sonntag sind 12.680 Bürger Sigmaringen aufgerufen, ihren Rathauschef zu wählen. Fünf Männer und zwei Frauen haben ihre Bewerbungsunterlagen abgegeben, darunter Amtsinhaber Thomas Schärer, der für eine zweite Amtszeit kandidiert. Die Wahl könnte sich aber vor allem zwischen zwei Bewerbern entscheiden.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 sorgte Sigmaringen immer wieder für bundesweite Schlagzeilen. Im Mittelpunkt stand die Kriminalität von Flüchtlingen aus der Unterkunft in der Graf-Stauffenberg-Kaserne. Doch wer einen Flüchtlings-Wahlkampf erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die verstärkte Polizepräsenz verbunden mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen sorgten in den vergangenen Monaten für eine spürbare Entspannung in der Kreisstadt.

Wahlbeobachter erwarten einen Zweikampf 

Thomas Schärer.
Thomas Schärer. | Bild: Thomas Warnack

Die Bewerber stellen ganz andere städtische Themen in den Vordergrund. Etwa die Frage, ob die Stadt ein neues Hallenbad bauen soll oder wie der Wunsch nach einem Hotel Wirklichkeit werden könnte. Von dem Bauvorhaben erhofft man sich eine Aufwertung als Veranstaltungsort.

Wahlbeobachter erwarten trotz des siebenköpfigen Kandidatenfeldes einen Zweikampf zwischen dem 55-jährigen Amtsinhaber Thomas Schärer und seinem neun Jahre jüngeren Herausforderer Marcus Ehm. Schärer will sich für einen barrierefreien Bahnhof einsetzen, das seit Jahren ungenutzte Hoftheater wieder einer Nutzung zuführen und mit der Entwicklung eines innerstädtischen Quartiers den Einzelhandel voranbringen.

Marcus Ehm.
Marcus Ehm. | Bild: Thomas Warnack

Der gebürtige Sigmaringer und Rechtsanwalt Ehm wirbt damit, die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerschaft zu verbessern. Er will Sigmaringen zur Großen Kreisstadt machen.

Möglicher zweiter Wahlgang am 15. Juli 

Die Jugend hat die 55-jährige Sevim Günaydin besonders im Blick, die eine Gaststätte in Sigmaringen betreibt. Keine Bürgermeisterwahl ohne Fridi Miller, und so hat die Dauerkandidatin aus Sindelfingen auch in Sigmaringen eine Bewerbung in den Briefkasten geworfen, ebenso wie Thomas Moosmann, Siegfried Geprägs und Ulrich Raisch.

Von dem Männertrio erschien der Pfullinger Geprägs gar nicht zur offiziellen Kandidatenvorstellung in der Stadthalle, wo sich der Tuttlinger Moosmann für ein Kino und ein Erlebnisbad stark machte. Ulrich Raisch, Pädagoge aus Stuttgart, resümierte, dass Wahlversprechen ohnehin nichts wert seien, wenn ein Krieg komme. Sollte bei der Wahl kein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen, findet am 15. Juli ein zweiter Wahlgang statt, bei dem die einfache Mehrheit genügt.