Stephan Randt, Jahrgang 1953, Volljurist nach Studium in Bonn und Freiburg sowie Zusatzausbildung im Steuerrecht an der Bundesfinanzakademie in Bonn-Siegburg. Übernahme der Leitung des Notariats Konstanz seit 2004
 
 
Der Verlust eines lieben Menschen ist schon bitter genug für die Angehörigen. Oftmals belasten nach einer Zeit auch ganz praktische Fragen. Erlischt beispielsweise die Erbberechtigung für einen Menschen, der vermisst wird?
Wenn ein Mensch vermisst wird, entfällt sein Anspruch als Erbe nicht. Für einen Verschollenen gilt nämlich die so genannte Lebensvermutung nach Paragraph 10 Verschollenheits-Gesetz (VerschG); er gilt als lebend, solange er nicht gerichtlich für tot erklärt wurde.
 
Also kann auch jemand erben, der eines Tages wieder auftaucht?
Ein Vermisster muss nicht für tot erklärt werden, wenn das Nachlassgericht die Erben, zu denen der Vermisste zählt, festzustellen hat. Auch der Vermisste kann also als (Mit)Erbe in Betracht kommen. Will man aber den Vermissten aus der Erbfolge ausschließen, muss er nach dem VerschG für tot erklärt werden. Dazu muss sein Aufenthalt seit längerer Zeit unbekannt sein und mangels Lebenszeichen von ihm müssen zudem ernstliche Zweifel an seinem Fortleben bestehen. Die Todeserklärung setzt weiterhin voraus, dass seit dem letzten Lebenszeichen des Vermissten 10 Jahre (bei Vermissten ab Vollendung des 80. Lebensjahres 5 Jahre) verstrichen sind.
Die Todeserklärung darf das Gericht erst erklären, wenn der Vermisste zum Zeitpunkt des Gerichtsbeschlusses das 25. Lebensjahrvollendet hätte.
 
Was geschieht im Vermisstenfall genau?
Falls ein testamentarisch Bedachter nicht auffindbar ist, kann zunächst für ihn ein Nachlassverwalter eingesetzt werden. Dieser hat dann den Vermissten zu ermitteln. Ist dies erfolglos, kann der Vermisste nach Todeserklärung gemäß Verschollenheitsgesetz aus der Erbfolge ausscheiden. Lebt der Vermisste noch und taucht wieder auf, kann er oder die Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Todeserklärung bei Gericht beantragen.
 
Welche Behörde ist zuständig?
Die Todeserklärung ist bei dem Amtsgericht zu beantragen, in dessen Bezirk der Verschollene seinen letzten inländischen Wohnsitz oder in Ermangelung dessen seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland gehabt hat.
 
Kann ein Testament im Nachhinein noch einmal geändert werden?
Grundsätzlich kann der Erblasser sein Testament dem Umstand anpassen, dass der vermeintlich für tot Gehaltene wieder auftaucht. Ist der Erblasser bereits verstorben und hat beweisbar irrtümlich den Verschollenen für tot gehalten und ihn deshalb nicht bedacht, kann der irrtümlich für tot Gehaltene das Testament des Erblassers anfechten und damit nichtig machen, wenn ihm die Aufhebung des angefochtenen Testaments zu statten kommt, er also dadurch Alleinerbe oder zum Teil Miterbe wird.
 
Die Fragen stellte Nils Köhler