Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und der Lärmschutzbeauftragte des Landes, Thomas Marwein (beide Grüne), fordern deutlich höhere Strafen für Fahrer lauter und manipulierter Motorräder. „Ich könnte mir sogar eine Verzehnfachung der aktuellen Strafhöhen vorstellen. Das schreckt sonst niemanden ab“, erklärte Marwein in Stuttgart.

Hermann wiederum plant hierzu noch vor der Sommerpause eine Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen – und hofft auf die Unterstützung von Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Aktuell bewegen sich die Bußgelder in diesem Bereich zwischen 20 Euro und mehreren Hundert Euro.

Landesweite Initiative mit regionaler Beteiligung

Hermann, Marwein und die Bürgermeisterin der Nordschwarzwald-Kommune Sasbachwalden, Sonja Schuchter, stellten in Stuttgart gleich einen ganzen Forderungskatalog für weniger Motorradlärm vor. Dieser wird getragen von einer landesweiten Initiative, die im Juli 2018 gegründet wurde und der im Südwesten inzwischen 74 Städte und Gemeinden sowie sieben Landkreise angehören, darunter auch viele aus der Region. Rathauschefin Schuchter ist die Sprecherin der Initiative.

Die teilnehmenden Orte der Initiative

Schilder wie dieses fordern Motorradfahrer zu mehr Rücksichtnahme beim Gasgeben auf der Straße auf.
Schilder wie dieses fordern Motorradfahrer zu mehr Rücksichtnahme beim Gasgeben auf der Straße auf. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Der Forderungskatalog ist groß – und umfasst neben drastischeren Strafen auch geänderte Zulassungsregeln für Motorräder, mehr Kontrollen vor allem auf viel befahrenen Strecken oder mehr Tempolimits. Auch die Hersteller seien in der Pflicht – und müssten durch die Produktion leiserer Maschine ihren Beitrag leisten. Gefordert wird vor allem eine verstärkte Umstellung auf Elektroantriebe.

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Schuchter wollte keinen Generalverdacht aussprechen – aber unter den Fahrern gebe es eben auch „schwarze Schafe“. Sie schätzt, dass der Anteil der Biker mit sehr lauten Maschinen bei fünf bis zehn Prozent liege. Da Motorradfahrer mit normaler Lärmbelastung gern gesehene Touristen seien, spricht sich die Schwarzwälderin gegen generelle Streckensperrungen aus. Für das Umweltbundesamt und den Bund für Umwelt und Naturschutz ist das Problem sogar noch größer – sie gehen davon aus, dass jedes dritte Fahrzeug zu laut ist.

Die hohe Zahl an Unterstützern der Initiative in Baden-Württemberg sei ein „deutlicher Weckruf für die politischen Entscheidungsträger beim Bund und in der Europäischen Union, Maßnahmen zu ergreifen, die Lärmbelastung durch Motorräder wirkungsvoll zu senken“, so Hermann.