Die Abgeordneten aus der Region scheinen einigermaßen glimpflich davongekommen zu sein: Nach dem Stand der Dinge von Freitag wurden von den CDU-Abgeordneten von Schwarzwald bis Oberschwaben lediglich Telefonnummern verraten – und zwar die ohnehin im Internet stehenden Büronummern sowie nicht öffentlich zugängliche Handynummern. Keine Kreditkartendaten, keine privaten Korrespondenzen oder Urlaubsfotos, wie es andere erlebten.

"Es gibt Kollegen, von denen der Mietvertrag veröffentlicht wurde"

Die Telefonnummern vom Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung, auch die Handynummer, fanden sich im Netz wieder.
Die Telefonnummern vom Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung, auch die Handynummer, fanden sich im Netz wieder. | Bild: Tesche

Andreas Jung, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Konstanz, betrachtet die Sache dennoch mit Sorge: „Es gibt Kollegen, von denen der Mietvertrag veröffentlicht wurde. Und es muss einen ja nicht persönlich treffen: Per Mail kommen auch sensible Daten von Bürgern an, die sich beispielsweise mit ihrem Rentenbescheid an einen wenden.“ Man müsse sich schon darauf verlassen können, dass die Wege der Kommunikation im Bundestag gut gesichert seien. Der stellvertretende CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzende fordert Konsequenzen: „Diese Angriff zeigt, dass gerade demokratische Einrichtungen besonders gefährdet sind.“

Felix Schreiner (CDU)
Felix Schreiner (CDU) | Bild: Jan Kopetzky

Die Veröffentlichung von privaten Daten in großem Stil ist eine neue Qualität des Hackings, darüber sind sich am Freitag alle einig. Felix Schreiner, CDU-Bundestagsabgeordneter des Landkreises Waldshut, macht vor allem betroffen, dass von vielen anderen private Kommunikationsdaten, ja sogar teilweise Wohn- und Kontodaten veröffentlicht wurden, was mit Blick auf die Privatsphäre, auch der Familien, ein schwerwiegender Vorgang sei.

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Vieles ist am Freitag noch im Fluss, das Ausmaß der Ausspähung noch nicht wirklich abschätzbar. Erfahren hatte man von dem Vorgang im Bundestag auch erst am späten Donnerstagabend. Am Freitag waren neben dem Innenministerium das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, die Bundestagsverwaltung auch das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz daran, den Verursacher des Datenlecks aufzuspüren – und selbiges zu beseitigen.

Armin Schuster (CDU), CDU-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Lörrach-Müllheim, hält den Hackerangriff nicht für ausgemacht.
Armin Schuster (CDU), CDU-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Lörrach-Müllheim, hält den Hackerangriff nicht für ausgemacht. | Bild: Britta Pedersen

Letzteres hat oberste Priorität aus der Sicht von Armin Schuster, CDU-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Lörrach-Müllheim. Zum Teil seien die Daten bereits nicht mehr zugänglich, hieß es am Freitagmittag.

„Die Datenmenge ist enorm“

Alles weitere kann dauern. Man könne sich nicht einmal sicher sein, dass es sich wirklich um einen Hackerangriff gehandelt habe. „Wenn, dann waren es wohl eher mehrere“, sagt Schuster: „Die Datenmenge ist enorm.“ Wem kann man so etwas zutrauen? Amateure seien da wohl nicht am Werk gewesen, meint Schuster. Und auch, wenn auffällig viele Künstler und Fernsehleute mit AfD-kritischer Haltung unter den Betroffenen sind, und die AfD ihrerseits auffallend nicht betroffen: „Ich traue keiner rechten Gruppe zu, dass sie ganz alleine die Menge und diese Qualität an Daten zusammentragen kann.“ Die Frage sei eher, ob rechte Gruppen von außen ein Angebot bekommen hätten, die Daten auszuspielen.

Steckt Russland dahinter?

Thorsten Frei nimmt 2019 Abschied von der Kommunalpolitik. Bisher ist er CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag.
Thorsten Frei nimmt 2019 Abschied von der Kommunalpolitik. Bisher ist er CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. | Bild: Fröhlich, Jens

Noch ist alles Spekulation, aber eine Beteiligung Russlands wird in den Reihen des Bundestags nicht ausgeschlossen. „ Viele Indizien stehen dafür und es ist eigentlich sicher, dass Russland hinter dem letzten Angriff steckte“, sagt Thorsten Frei, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Schwarzwald-Baar. Bei dem Angriff im Jahr 2015 hatten sich Angreifer so weitreichenden Zugang verschafft, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste. Im vergangenen Herbst dann brachte die britische Cyberabwehr eine Verbindung der mutmaßlich dahintersteckenden Hackergruppe mit dem russischen Geheimdienst GRU ans Licht.

Doch zu welchem Zweck? Welches Interesse könnte Russland daran haben? Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Frei, von dem lediglich eine alte Handynummer ergaunert wurde, denkt weiter: Ziel des Hacker-Angriffs könnte die Destabilisierung des Staates sein. „Mit privaten Daten hat man viel Erpressungspotenzial. Damit kann man den Menschen natürlich Angst machen“, so Frei.

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Kaum betroffen ist die FDP: Nur von 28 von insgesamt 80 Liberalen im Bundestag sollen Daten ins Netz gelangt sein. Auch Benjamin Strasser, Bundestagsabgeordneter aus Ravensburg, blieb verschont. Was ihn nicht davon abhält darüber nachzudenken, was es mit dem Hack auf sich haben könnte. Auch einen Ratschlag hat der FDP-Abgeordnete auf Lager: "Da wir alle von solchen Attacken betroffen sein können, ist es eine gute Idee, diesen Vorfall zum Anlass zu nehmen und alle Passwörter einmal zu ändern."

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