Das Schreckensszenario ist wenige Tage nach dem antisemitischen Anschlag von Halle von furchtbarer Aktualität: Mitten in der Konstanzer Innenstadt verüben mehrere Täter einen Terroranschlag, es gibt zahlreiche Opfer und Schwerverletze, Einsatzkräfte rücken an, Schüsse fallen, es droht Panik in der City, Verletzte müssen versorgt werden, die Lage ist unübersichtlich.

Szenario wird in Stetten und an den Kliniken Konstanz, Sigmaringen und Friedrichshafen simuliert

Dieses Katastrophenszenario wird am kommenden Wochenende auf dem Truppenübungsplatz Heuberg in Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) sowie an den Kliniken in Konstanz, Sigmaringen und Friedrichshafen simuliert.

Dazu wurde ein Teil der Konstanzer Fußgängerzone virtuell auf den Heuberg verlegt, das Übungsgelände realitätsnah vorbereitet.

Größte gemeinsame Anti-Terror-Übung, die es in Deutschland je gab

Bei der Übung BWTEX 2019 (Baden-Württembergische Terrorismusabwehr Exercise) handelt es sich laut baden-württembergischem Innenministerium um die mit rund 2500 Teilnehmern größte gemeinsame Anti-Terror-Übung von Polizei und Bundeswehr, die es in Deutschland je gab.

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„Leider hat Halle gezeigt, dass es jederzeit überall passieren kann“, sagte Projektleiter Daniel De Giuli aus dem Landespolizeipräsidium in Stuttgart bei der Präsentation der mehrtägigen Übung. „Wir mussten für uns feststellen, dass wir mit unserem Szenario leider gar nicht so weit weg sind von der Realität.“

„Nur, was regelmäßig geübt wird, kann im Ernstfall auch gelingen“

Schon seit Beginn des Jahres arbeitet das Innenministerium an der Vorbereitung der Übung, die den gesamten Ablauf eines Katastrophenszenarios simuliert: Vom ersten Schuss, dem eingehenden Notruf über die Erstintervention von Einsatzkräften über Bergung der Verletzen bis hin zu Transport in Kliniken und operativer Versorgung.

„Eine Mammutaufgabe“ nennt ein Ministeriumssprecher die Aufgabe und lobt zudem die vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort für die intensive, oft seit Wochen laufende Vorbereitung der Übung. „Nur, was regelmäßig geübt wird, kann im Ernstfall auch gelingen.“

Sinn von BWTEX ist neben dem Üben der Invervention – also dem Vorgehen von Spezialkräften gegen Täter – auch das Optimieren der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. Daher wird auch der Alarm- und Einsatzplan „MANV – Massenanfall von Verletzten“ geübt: 25 „Leicht- bis Schwerverletzte“ werden per Hubschrauber und Fahrzeugen in Kliniken gebracht.

Einmalige Gelegenheit für das Klinikum

Allein auf dem Heuberg-Gelände in Stetten werden am kommenden Samstag rund 1600 Kräfte im Einsatz sein. An den Kliniken in Friedrichshafen und Konstanz sowie im Krankenhaus Sigmaringen sind 450 weitere Beteiligte im Einsatz: Ärzte, Pflegekräfte, Mitarbeiter von Sanitätsdiensten, technischen Einrichtungen und Verwaltung sowie Feuerwehren.

„Wir sehen es als große Chance an, die Abläufe innerhalb des Klinikums, aber auch mit den Übungspartnern Polizei, DRK und Malteser, Feuerwehr und dem Brand- und Katastrophenschutz bei diesem Stresstest zu überprüfen und bei Bedarf zu optimieren“, sagt Wolfgang Krüger, Chefarzt Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Konstanz.

Und Ivo Quack, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, ergänzt: „Die Terrorübung bietet eine einmalige Gelegenheit für das Klinikum, den Massenanfall von Verletzten unter realistischen Bedingungen zu üben. Die Herausforderung wird sein, dass der Normalbetrieb, also die echte Patientenversorgung, parallel weiter läuft.“

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