Im beschaulichen Donautal sorgen Pläne für den Abbau hochreiner Kalke für heftigen Widerstand. Maximilian Prinz zu Fürstenberg plant in Beu­ron-Thiergarten (Kreis Sigmaringen) den Abbau des Gesteins auf einem Gelände, das den Fürstenbergern gehört. Umweltschützer und Touristiker legen Protest ein und verweisen auf die intakte Natur des Donautals sowie auf die zu erwartende Belastung mit Schwerlastverkehr im Falle eines Abbaus.

Für einen Abbau sprechen nach Ansicht des Regionalverbands gewichtige Gründe: Um die Versorgung der Industrie mit dem Rohstoff bis 2035 sicherzustellen, sei es notwendig, dass ein Abbaustandort im Gebiet des Regionalverbands ausgewiesen wird, erläutert Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands. Dessen gesetzlich festgeschriebener Auftrag lautet, im Regionalplan Flächen für die Rohstoffsicherung auszuweisen.

Hochreine Kalke werden in vielen Bereichen verwendet. In der Baustoffindustrie ebenso wie in der Forst- und Landwirtschaft. Auch die Wasser-, Abwasser- und Klärschlammaufbereitung benötigen diesen Rohstoff. Weitere Anwendungsbereiche sind die Erzeugung von Futtermitteln sowie von Lacken, Dispersionsfarben und Kunststoffen in der chemischen Industrie.

Kurz vor Weihnachten war die Fortschreibung des Regionalplans mit dem Standort Thiergarten beschlossen worden. Im Frühjahr soll der Plan in die Offenlage gehen und ab Herbst will sich der Verband mit den eingegangenen Einsprüchen beschäftigen. Über den Regionalplan entscheidet die Regionalversammlung, in die die Kreistage Ravensburg, Bodenseekreis und Sigmaringen Vertreter entsenden.

Bürger haben ihren Unmut gegen die Pläne an eine Scheune geschrieben. Bild: privat
Bürger haben ihren Unmut gegen die Pläne an eine Scheune geschrieben. Bild: privat | Bild: privat

 

 

Franke weiß indes um die Probleme und Konflikte, die der Standort im idyllischen Donautal zwangsläufig mit sich bringt. Er weiß aber auch, dass es in seinem Verbandsgebiet, wie er sagt, nur im Bereich der Donau und der Schwäbischen Alb potenzielle Abbaustandorte für die hochreinen Kalke gibt und dass der Standort Thiergarten unter den bestehenden vier möglichen Abbaugebieten im Zuständigkeitsbereich des Verbands die Spitzenposition einnimmt. „Mit über 20 Bohrungen ist das Gebiet sehr gut untersucht und wir haben dort einen Reinheitsgrad des Kalkgesteins von 99 Prozent“, stellt der Verbandsdirektor fest. Und erläutert weiter: Zwei andere Gebiete auf Gemarkung von Stetten am kalten Markt schieden aus, da die Gesteinsqualität in einem Fall nicht so gut sei und die Gemeinde Stetten die Untersuchung an einem anderen Standort nicht erlaubt habe. Ein dritter Standort auf Stettener Gemarkung im Ortsteil Glashütte könnte nach Meinung des Verbandsdirektors am Grundwasserschutz scheitern. Das Verfahren läuft dort noch, die Antragsunterlagen seien aber noch unvollständig. Auf die Frage, ob es so unter Umständen sowohl in Thiergarten als auch bei Glashütte zu einem Kalkabbau kommen könnte, teilt die Behörde mit: „Die Verfahren stehen in keinem rechtlichen Zusammenhang und müssen deshalb jedes für sich bearbeitet und beurteilt werden.“

Und genau diese getrennte Sichtweise bereitet den Naturschützern zusätzliche Kopfschmerzen. Bernd Schneck, Geschäftsführer des Naturparks Obere Donau mit Sitz im Beuroner Haus der Natur, kritisiert, dass eine Einzelbetrachtung der Antragsverfahren auch heißt, dass die Auswirkungen auf die Region nicht miteinander addiert in den Blick genommen werden.

Schneck warnt schon bei einem Abbaugebiet bei Thiergarten vor einer massiven Belastung für das Tourismus-Gebiet. „Im Donautal würde es zu einer signifikanten Zunahme des Schwerlastverkehrs kommen. Im Sommer, wenn dort Ausflugsbusse, Wohnmobile, Ausflügler mit Autos, Motorräder und Rennradfahrer unterwegs sind, ergibt das eine Gemengelage, die das Risiko auf der Straße stark erhöht.“ Das gleiche gelte für die Strecke aus dem Donautal hinaus in Richtung Stetten a.k.M., über die ebenfalls ein Teil des Gesteins abtransportiert werden soll. „In manchen Punkten“, folgert Schneck, „ist das Verkehrskonzept nicht abschließend durchdacht.“

Auch aus anderer Richtung kommt Kritik. So formierte sich nach Bekanntwerden der Pläne die Interessengemeinschaft Pro Mittelberg, die versucht, einen Gesteinsabbau im Donautal abzuwenden. Ihr sprang auch Stefan Flaig bei. Der stellvertretende Landesvorsitzende des BUND erklärte: „Es geht um nachhaltiges Wirtschaften mit Rohstoffen, die der Allgemeinheit gehören.“ Es sei absehbar, dass der Rohstoff im Land endlich ist und wenn er einmal aufgebraucht ist, müsse er importiert werden, was wiederum höhere Kosten bedeutet. Daher müsse man vorsichtiger mit dem Rohstoff umgehen, sodass er auch noch in 100 Jahren im Land zur Verfügung steht.