Die neue Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz hat bei ihrer Amtseinführung für mehr Respekt und Wertschätzung für die Polizei des Landes geworben. Die Beamten hätten 2019 allein in Stuttgart auf 1600 Kundgebungen das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit geschützt, sagte Hinz am Montag in Stuttgart. «Es sollte in unserer aller Sinne sein, das tatsächlich wertzuschätzen.» Die Kollegen stünden draußen «mit Leib und mit Seele» an vorderster Linie, auch wenn sie zum Feindbild erklärt, gezielt angepöbelt und attackiert würden. Das sei nicht akzeptierbar, sagte Hinz. Man müsse deutlich machen, dass Polizisten auch Menschen seien. Dafür wolle sie sich in ihrem neuen Amt einsetzen.

Hinz ist die erste Frau auf dem Posten. Die 47-jährige Juristin hat Anfang des Jahres die Nachfolge von Gerhard Klotter angetreten, der sich auf eigenen Wunsch in den Ruhestand verabschiedete. Zuletzt war Stefanie Hinz als Abteilungsleiterin im Wirtschaftsministerium für die Bereiche Strategie, Recht, Europa und Außenwirtschaft zuständig.

Als Landespolizeipräsidentin ist die gebürtige Norddeutsche nun Chefin von 33 000 Mitarbeitern, darunter rund 24 500 Vollzugsbeamte. Sie wird zudem im Innenministerium das Landespolizeipräsidium leiten, die oberste taktische und operative Ebene der Polizei. Außerdem vertritt sie das Innenministerium in polizeilichen Grundsatzangelegenheiten auf Bundes- und europäischer Ebene.

Hinz sagte, sie habe Respekt vor der neuen Aufgabe und vor der Arbeit der Polizei. Das Vertrauen in die Polizei müsste auch innerhalb der Polizei gesichert werden. «Wir dürfen nicht hinnehmen, wenn sich bei Kollegen Frust und Resignation breit machen», sagte sie. Hinz versprach den Polizisten im Land, zuzuhören. «Ich will wissen, wo der Schuh drückt», sagte sie.

Neben der Wertschätzung der Beamten sei wichtig, dass Straftaten konsequent verfolgt würden. Mit der Digitalisierung verlagere sich die Kriminalität zunehmend ins Netz, sagte Hinz. Hackerangriffe auf Unternehmen gefährdeten Arbeitsplätze. Bei der Bekämpfung von Cybercrime dürfe die Polizei nicht nachlassen. Die technischen Möglichkeiten der Polizei sollten mit denen der Kriminellen mindestens schritthalten.

Die Digitalisierung biete aber auch neue Möglichkeiten der Verbrechensbekämpfung, sagte Hinz. Man müsse etwa überlegen, inwieweit Datenauswertung durch intelligente Software übernommen werden könne. Künstliche Intelligenz könne aber immer nur Hilfsmittel sein. Auch die Prävention müsse gestärkt werden, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen zu erhöhen.

Besonders die Nachwuchsgewinnung liege ihr am Herzen, sagte Hinz. Die Polizei stehe im Wettbewerb um kluge Köpfe. Über die Legislaturperiode stelle die Polizei bereits 9000 Menschen ein. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die Einstellungszahlen auf hohem Niveau verstetigt werden. Es gehe dabei um ausreichend, aber auch um die richtigen Bewerber. «Polizei ist kein Job, den man mal einfach so macht - sondern eine Tätigkeit, die macht man mit Leib und Seele, die macht man mit Überzeugung.»

Der Frauenanteil liegt bei der Polizei derzeit bei 25,7 Prozent, bei den Anwärtern bei 37 Prozent (Stand Januar). Noch zu wenig, findet Hinz. Man werde zwar keine Quoten im starren Sinne einführen. Sie fände es aber sehr positiv, wenn ihre Amtseinführung als Landespolizeipräsidentin dazu führe, dass mehr junge Frauen auf die Polizei aufmerksam würden. Die Polizei solle die Gesellschaft abbilden, dazu gehörten eben 50 Prozent Frauen.

«Es freut mich sehr, dass nun eine Frau dieses herausragende Amt bekleiden wird», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU). Noch zu wenig Führungspositionen seien durch Frauen besetzt. Strobl betonte aber, dass die persönliche und fachliche Befähigung im Vordergrund stehe. Hinz bringe alles mit, was für die Position als Polizeipräsidentin gebraucht werde. «Lassen sie uns gemeinsam unsere erfolgreiche Polizei jeden Tag noch ein bisschen besser machen.»

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