Die Bürger der Gemeinde Gottmadingen im Landkreis Konstanz zeigten unlängst Zivilcourage. In einer ganzseitigen Zeitungsannonce drückten weit über 1000 Menschen des Ortes ihren Abscheu gegen rassistische Schmierereien aus, die über Nacht an einem Haus einer Gottmadinger Familie angebracht worden waren. Das war im November vergangenen Jahres.

Datenträger werden nun ausgewertet

Jetzt sorgt eine neue Nachricht über rechtsextremistische Umtriebe für Entsetzen in der Gemeinde. Beamte des Landeskriminalamts durchsuchten am Dienstagmorgen nach eigenen Angaben die Wohnung eines 28-Jährigen, der sich als Administrator zusammen mit anderen Rechtsextremisten in einem WhatsApp-Chat getummelt haben soll.

Das Interesse der Ermittler dürfte sich wohl weniger auf die Waffen – ein Luftgewehr und ein Messer – richten, die man vorfand. Weitere Erkenntnisse könnten hingegen einige elektronische Datenträger und Schriftstücke liefern, die nun ausgewertet werden.

Denn der Verdächtige soll auch mit anderen in Verbindung stehen, die in der Chat-Gruppe „zahlreiche Posts mit nationalsozialistischen und fremdenfeindlichen Inhalten sowie Aufrufen zu Gewalttaten eingestellt“ haben sollen.

Angebot, Waffen zu beschaffen

Ein besonderes Augenmerk richten die Ermittler dabei auf einen 49-Jährigen in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen). Er stehe im Verdacht, „die Beschaffung von Schusswaffen angeboten zu haben“, heißt es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Landeskriminalamts.

Die Ermittlungen gehen vom Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz aus, wie es bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Duisburg heißt.

Waffen, die bei dem Mann bei der Durchsuchung gefundenen wurden, sollen allerdings nicht darunter fallen.

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Derzeit kein erkennbarer Zusammenhang mit Mord an Lübcke

Bei Polizei, Staatsanwaltschaft und dem baden-württembergischen Verfassungsschutz, der das Verfahren angestoßen hatte, gab man sich am Mittwoch allerdings weitgehend zugeknöpft.

Einen Zusammenhang mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke offenbar durch einen Rechtsextremisten gäbe es nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht, sagte der Erste Staatsanwalt Tobias Wagner von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe auf Nachfrage dem SÜDKURIER. Es fehlten auch konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Schmierereien in Gottmadingen vom vergangenen November mit dem verdächtigen 28-Jährigen in Verbindung gebracht werden könnten.

Den Gottmadingern bleibt derweil das tiefe Unbehagen, dass rechtsextremistisches Gedankengut in diesem Fall auch in ihrer Gemeinde angekommen ist. Bürgermeister Michael Klinger hatte nach den Schmierereien vom November aber auch auf die Chance hingewiesen, dass „sich die Menschen mit dem zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft auseinandersetzen und klar Position dagegen beziehen“.