Noch vor wenigen Tagen verkündete ein Schild auf der Innenseite der gläsernen Eingangstür, dass das Römermuseum im Mengener Stadtteil Ennetach (Kreis Sigmaringen) in diesem Frühjahr wieder öffnen werde. Doch der Hinweis wurde längst von der Realität eingeholt. Im Dezember 2015 beschloss der Stadtrat das Museum zum Jahresende zu schließen. Dieser Beschluss stößt bis heute auf scharfe Kritik, unter anderem bei der sogenannten Leader-Aktionsgruppe, die Projekte für das EU-Programms vorschlagen, und beim Museumsverband Baden-Württemberg. Kern der Kritik ist der Vorwurf an die Stadt Mengen, ihrer Verantwortung zur nachhaltigen Führung eines Museums nicht gerecht geworden zu sein.

Land und EU gaben Zuschüsse

Im Jahre 2001 wurde das Museum mithilfe von europäischen und baden-württembergischen Landesmitteln errichtet. Rund 500 000 Euro steuerte die öffentliche Hand zur Museumseröffnung bei. Heinrich Güntner, Vorsitzender der Leader-Aktionsgruppe Oberschwaben: „Man gewinnt fast den Eindruck, als ob man gewartet hätte, die fünfzehnjährige Zweckbestimmungsfrist für die Mittel abzuwarten.“ Innerhalb dieser Frist wäre die Stadt zur Rückzahlung der Zuschussmittel verpflichtet gewesen. Die Stadtverwaltung ihrerseits begründet die Schließung mit einem geringen Besucheraufkommen und den anstehenden Kosten für die Modernisierung des Gebäudes und der Ausststellung von rund einer halben Million Euro.

Das Römermuseum in Mengen gehörte zusammen mit dem Federsee-Museum in Bad Buchau, dem Heuneburg-Museum in Herbertingen, dem Museumsdorf in Kürnbach und der Bachritter-Burg in Kanzach zu den oberschwäbischen Museen, die von der EU gefördert wurden. „Es geht dabei sowohl um die Sicherung und Sichtbarmachung unserer Vergangenheit wie auch darum, Anziehungspunkte für den Tourismus zu entwickeln,“ erklärt Heinrich Güntner.

Im heutigen Mengener Stadtteil Ennetach unterhielt die römische Legion ein stattliches Kastell. In der Kaserne waren, wie die Funde belegen, Kavallerie und Bogenschützen zur Verteidigung des Grenzwalls Limes kaserniert. Bei den Ausgrabungen wurden zahlreiche interessante Fundstücke entdeckt, die im Museum der Öffentlichkeit vor Ort zugänglich gemacht werden sollten. Das gelang in den ersten Jahren erfolgreich, wie Professor Claudio Hils berichtet. Hils lehrt in Dornbirn, wohnt aber in Mengen. Der Kommunikationsdesigner hatte 2001 die Konzeption für die Ausstellung ausgearbeitet. 2015 leitete er eine Arbeitsgruppe, die im Auftrag der Stadt ein neues Konzept für die kommenden Jahre ausarbeiten sollte. Drei Mal wurde das Mengener Museum in seiner kurzen Geschichte ausgezeichnet, unter anderem mit dem Archäologiepreis des Landes.

Claudio Hils versteht den für ihn überraschenden Stadtratsbeschluss zur Schließung des Museums nicht. „Wir hatten im Arbeitskreis aus sachkundigen Bürgern, Stadtratsmitgliedern und Experten ein tragfähiges Konzept ausgearbeitet,“ sagt er enttäuscht. Güntner wie Hils betonen, dass Hilfen von Leader oder Hinweise auf Mängel nicht mehr berücksichtigt worden seien. Die Mitarbeiter am Projekt wie Hils gewannen in den letzten Jahren zunehmend den Eindruck, das Museum werde „auf Verschleiß“ gefahren.

3000 Besucher waren zu wenig

Aus Sicht der Stadt sieht die Museumsschließung gänzlich undramatischer aus. Hauptamtsleiterin Sabine Reger war ebenfalls Mitglied in der Arbeitsgruppe von Professor Hils. Ihre Einschätzung: „Wir hatten ein gutes Konzept ausgearbeitet.“ Dann kommt jedoch das große Aber: „Angesichts von nur noch 3000 Besuchern im vergangenen Jahr und den Kosten von 500 000 Euro war es wirtschaftlich nicht vertretbar, das Museum offen zu halten.“ Dazu kam noch ein weiteres Problem: Im Untergeschoss des Museums war eine Gastronomie untergebracht. Dieser Wirt hatte auch für die Museumsverwaltung gearbeitet beispielsweise Anmeldungen für Gruppenführungen angenommen. Es sei, so Reger, kein geeigneter Nachfolger gefunden worden.Die Zukunft des bisherigen Museumsgebäudes ist aus Sicht der Stadt völlig offen. Die beeindruckende Architektur aus einem großen Glasvorbau an einer Scheune schließe Wohnzwecke aus. Die Hauptamtsleiterin meint: „Wir hoffen auf eine weitere öffentliche Nutzung des Gebäudes.

“Christian Glass ist Leiter des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm. Gleichzeitig ist Glass Pressesprecher des Museumsverbandes Baden-Württemberg. Er beurteilt die Schließung im Vergleich mit anderen vergleichbaren Einrichtungen ebenfalls kritisch. „Es gibt im Südweststaat rund 1100 Museen. Unseres Wissens nach ist das Römermuseum der einzige Fall, in dem eine Einrichtung unmittelbar nach dem Ende der Zweckbestimmungsfrist geschlossen worden ist.“