Das Urteil war erwartet worden, offenbar auch von dem Angeklagten Drazen D.: Der Dreifachmörder von Villingendorf muss lebenslänglich ins Gefängnis. Der Kroate, der am 14. September letzten Jahres seinen Sohn, den neuen Partner seiner Exfreundin und dessen Cousine erschossen hatte, erklärte im Gerichtssaal, dass er auf eine Revision verzichten wolle. "Er möchte zu seiner Schuld stehen", betonte sein Verteidiger Bernhard Mußgnug.

Ansonsten hatte D. wenig Reue gezeigt in dem Prozess, der 16 Verhandlungstage lang dauerte. Offenbar war ihm erst währenddessen klar geworden, dass er mit den Morden nicht nur seiner Exfreundin schreckliches Leid zugefügt hatte, sondern auch einer Menge anderer Menschen, darunter Kindern, die einen Elternteil verloren haben, so der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer, der bei der Urteilsverkündung am Dienstag die Tat und sämtliche Aspekte der Urteilsfindung ausführlich beleuchtete: D.s narzisstische Persönlichkeit, die Neigung zur Gewalt, die schon in seiner Ehe davor deutlich wurde. Seine Frau musste darunter leiden, schon damals drohte D. damit, die beiden Kinder umzubringen, um die Mutter leiden zu lassen. Ein Martyrium, so Münzer, dem sie erst entfloh, nachdem D. sie zwingen wollte, vom Balkon zu springen.

Dann lernte D. seine Freundin B. kennen, die damals mit einem wesentlich älteren Besitzer eines Swingerclubs in Radolfzell verheiratet war. Schnell wurde sie schwanger, und D.s Wut richtete sich nun nicht mehr auf die Exfrau, sondern auf B.. Einmal drohte er ihr, ihr das Ungeborene aus dem Leib zu schneiden, später stand er in Konstanz vor Gericht, weil er B.s Noch-Ehemann zusammengeschlagen hatte. Dann, weil seine Freundin ihn angezeigt hatte, nachdem er sie an den Haaren durch die Wohnung gezogen und zusammengeschlagen hatte. Damals floh sie mit dem sech Monate alten Kind in die nahegelegene Rettungswache. In beiden Fällen erhielt D. eine Bewährungsstrafe. Er habe Reue gezeigt und sich in Therapie begeben, außerdem habe seine damalige Freundin die Anzeige zurückgezogen. "Sie wollte nicht, dass er ins Gefängnis kommt", so Münzer.

Dass sie ihr gemeinsames Kind immer wieder für längere Zeit nach Lettland zu den Großeltern schickte, habe D. nicht gepasst. "Das war ihm ein Dorn im Auge". Und als B. sich Anfang 2017 von ihm trennte und schnell mit Anatoli R. zusammenzog, "das konnte er nicht akzeptieren", sagte Richter Münzer. Er habe das als ungerecht empfunden, schließlich habe er B. aus dem Milieu ihres Ex-Mannes gerettet. Schlimmer noch sei aber die Trennung vom Sohn gewesen. "Er trug sich schon mit dem Gedanken an Rache und beschloss, sich eine Schusswaffe zu suchen." Die Tat sei sorgfältig geplant und keineswegs eine Affekthandlung gewesen, er habe die Waffe in Serbien besorgt und sie sich schon früh mit Lautsprecherkabeln unterm Auto befestigt. Am Tattag habe er frühmorgens seine Sporttasche gepackt, Kabelbinder und Klebeband sowie einen Benzinkanister eingepackt und sei nach Villingedorf gefahren, denn er habe damit gerechnet, dass seine ehemalige Freundin sich wehren würde und er sie fesseln müsste.

Dass sein Sohn an diesem Tag eingeschult wurde, habe D. gewusst, erklärte Münzer. Auf der Terrasse der Wohnung angekommen, habe er nach seinem "Schönen Abend" sofort geschossen, seine Opfer hätten keine Chance gehabt. Exfreundin B. habe er laufen lassen, ganz nach seinem Plan, sie ihr Leben lang leiden zu lassen. Das gemeinsame Kind habe mit zitternden Beinen auf dem Fenstersims gestanden, als er die beiden Erwachsenen erschoss und dann in die Wohnung ging. Drei Schüsse auf den Sohn, den er liebte, aus nächster Nähe, dann noch einer auf den am Boden liegenden Anatoli R., mitten ins Herz, danach nahm er sich eine Zigarette vom Tisch, warf das dort liegende Handy weg, wohl damit die sterbende Cousine keine Hilfe holen konnte.

Klar war für das Gericht, dass D. schuldfähig ist, "Reue und Empathie hat er keine gezeigt", so Münzer. Er attestierte D. niedrigste Beweggründe und Heimtücke – und damit die besondere Schwere der Schuld. Er wird also nicht nach 15 Jahren eine Haftprüfung beantragen können. Von D. seien auch in Zukunft Straftaten zu erwarten. "Der Angeklagte ist gefährlich." D. wurde außerdem zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt.

Duie ehemalige Freundin und Mutter des getöteten Kindes, die bei der Urteilsverkündung anwesend war, brach danach in Tränen aus und wurde von ihren Verwandten getröstet. Sie hat vor kurzem ein Kind geboren, den Sohn des getöteten Anatoli R.