So ist das mit der Hoffnung: Sie erfüllt sich oder nicht. Und je nach Perspektive ist man dann etwas glücklicher.

Die Grünen hofften inständig, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der nächsten Wahl noch einmal antritt, die Opposition hoffte dagegen, dass er aufhört und den Weg frei macht.

Das Klein-Klein mancher Kollegen löst in ihm Abscheu aus

Nun hat sich der MP entschieden und die Grünen atmen auf: Nach 2011 und 2016 tritt Kretsch, wie er intern genannt wird, 2021 zum dritten Mal an.

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Das war keineswegs zu erwarten. Denn mal abgesehen davon, dass die Arbeit von Winfried Kretschmann als Regierungschef überall im Land sehr geschätzt wird und er als verlässliche Persönlichkeit gilt, sind bei ihm durchaus Spuren von Müdigkeit zu entdecken.

Weniger der eigenen Kondition und Verfassung geschuldet als vielmehr vom Genervtsein des politischen Alltags. Das Klein-Klein mancher Kollegen löst in ihm Abscheu aus, manche Diskussionen am Kabinettstisch nerven ihn.

Seine Themen sind die Themen mit den großen Linien: Klimaschutz, Digitalisierung, die Zukunft der Demokratie und der Zusammenhalt der Gesellschaft. Davon kann er nicht lassen und davon will er nicht lassen.

„Ich habe mich geprüft. Und ja, ich habe auch mit mir gerungen.“

Dass Kretschmann weitermacht, sagt viel darüber aus, wie die Grünen hinter ihm aufgestellt sind. Dort ist niemand in Sicht, der ihm in Sachen Glaubwürdigkeit und Akzeptanz nachkommen könnte. Über Jahre wurde versäumt, einen aussichtsreichen Nachfolger aufzubauen und in Position zu bringen.

Und das Risiko, in Baden-Württemberg ohne einen starken Spitzenkandidaten gegen die CDU ins Rennen zu gehen, erschien zu hoch. Seit Monaten bearbeitete die Partei Kretschmann deshalb, weiterzumachen und ihr zu einem vermeintlich sicheren Wahlsieg zu verhelfen.

Er selbst sagt: „Ich habe mich geprüft. Und ja, ich habe auch mit mir gerungen.“ Dahinter verbarg sich durchaus die Frage: Packen die das alleine oder braucht es mich?

Bei einem möglichen Wahlsieg wäre Winfried Kretschmann fast 73 Jahre alt – was keine Rolle spielt, denn nicht Lebensalter ist entscheidend, sondern die Qualität der Arbeit.

Kretschmann würde seinen Wählern aber das aufrichtige Versprechen geben, fünf weitere Jahre zu bleiben. Daran muss er sich dann messen lassen.