Das umstrittene französische Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass wird nach den Worten des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) stillgelegt. Für den Ausstieg gebe es aber noch keinen festen Termin, sagte Kretschmann nach einem Treffen mit der französischen Umweltministerin Ségolène Royal der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Paris.

„Jedenfalls ist klar, dieses Atomkraftwerk wird stillgelegt“, resümierte Kretschmann. Fessenheim liegt am Rhein an der Grenze zu Baden-Württemberg. Über die Sicherheit des ältesten noch laufenden Atomkraftwerks Frankreichs gibt es seit langem Streit. Zuletzt war für die Schließung 2018 als Termin im Gespräch. Kretschmann sagte, die Terminfrage sei „nicht ganz unkompliziert“. Diese hänge auch damit zusammen, wann der neue Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Flamanville am Ärmelkanal ans Netz gehe.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) ergänzte, es solle wohl im Dezember der Antrag auf Stilllegung gestellt werden. Royal habe signalisiert, dass Fessenheim auch vor der - etwa 2018 erwarteten - Inbetriebnahme von Flamanville stillgelegt werden könnte. Laut Untersteller wurde mit der Sozialistin Royal auch die Möglichkeit eines Machtwechsels in Paris nach den Präsidentschaftswahlen 2017 diskutiert. So wehrt sich der konservative Präsidentschaftsanwärter Nicolas Sarkozy vehement dagegen, Fessenheim zu schließen. Royal habe gesagt, falls Fakten wie Entschädigungszahlungen geschaffen würden, dürfte es schwierig sein, diese wieder rückgängig zu machen.
Nach früheren Medienberichten soll der Energieversorger EDF mindestens 400 Millionen Euro Entschädigung kassieren.

Die Umweltorganisation Greenpeace teilte mit, in 55 Prozent allerfranzösischen Atomreaktoren drohe ein massiver Störfall - verursacht durch fehlerhafte Bauteile aus der Stahlschmiede CreusotForge. Das gelte auch für die Reaktoren in Fessenheim undCattenom unweit der deutschen Grenze. Der französische Atomkonzern Areva hatte Unregelmäßigkeiten in Unterlagen zu Hunderten Bauteilen entdeckt, die zum Teil in Atomkraftwerken verbaut sind. Dabei geht es um Dokumente zu etwa 400 Teilen, die seit 1965 im Schmiedewerk Creusot Forge hergestellt wurden.

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