Steve Przybilla

Der Emmendinger Kreisrat Axel Mayer und einige andere Kanufahrer sind sauer. „Dem Europa-Park waren die Paddler schon immer ein Dorn im Auge“, klagt der Grünen-Politiker, der regelmäßig auf der Elz unterwegs ist. Bisher konnten Kanuten und Paddelboote den Freizeitpark auf dem Rhein-Nebenfluss kostenlos durchqueren. So sieht es der „Gemeingebrauch“ vor, der das Befahren von Gewässern regelt.

Doch seit vergangenem Sommer ist das Paddeln nun teilweise untersagt – zu gefährlich, entschied die Gemeinde Rust. Verboten ist das Befahren von zwei Abschnitten der Elz. In den entsprechenden Bereichen befinden sich ein Wasserkraftwerk und drei Brücken, die den Fluss überqueren – auf einer Höhe von teilweise weniger als einem halben Meter. In den Augen der Kommune geht die Sicherheit vor: Weil es bereits zu Unfällen gekommen sei, müsse der Betrieb eingeschränkt werden.

Brisant wird die Sache dadurch, dass der Europa-Park sich beim Bau einer Brücke nicht an die Vorgaben der Behörden gehalten hat. Konkret geht es um ein Bauwerk im Bereich der Attraktion „Arthur – Im Königreich der Minimoys“. „Die Brücke wurde entgegen der Genehmigung mit einem zu geringen Freibord errichtet“, bestätigt Landratsamt-Sprecher Kai Hockenjos. Das Landratsamt Ortenau ist als Aufsichtsbehörde für den Fall zuständig.

Für Kreisrat Mayer ist die Sache daher klar. „Die in den letzten Jahren und Jahrzehnten errichteten Brücken mit viel zu geringer Mindesthöhe waren eine geschickte Durchsetzungsstrategie, um (…) das Verbot zu erreichen“, schreibt er. Mayer hat bereits im vergangenen Juli Einspruch gegen die Allgemeinverfügung eingereicht. In einem aktuellen Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, lehnte die Behörde den Widerspruch jedoch ab. Im Sommer 2014 sei es aufgrund der Strömung und der geringen Brückenhöhe bereits zu einem Unfall auf der Elz gekommen. Dabei habe sich eine Kanutin Schrammen und Hämatome zugezogen. „Es herrschte also eine Gefahr für Leib, Leben und Eigentum“, schlussfolgert die Behörde. In der Abwägung sei das Paddelverbot daher das mildeste Mittel gewesen.

„Die Anordnung eines Rückbaus der Brücke wurde überprüft, jedoch aus Gründen der Verhältnismäßigkeit verworfen“, erklärt Hockenjos. Stattdessen habe „die verantwortliche Einzelperson“ eine Geldbuße bezahlen müssen. Gegen wen sie sich richtet, darüber könne man „aus Datenschutzgründen“ nichts sagen. Nur so viel: Die Geldbuße habe im vierstelligen Bereich gelegen. Der Europa-Park als solcher habe nicht belangt werden können, da es sich um keine juristische Person handle. Im Park selbst widerspricht man dem Vorwurf, Kanuten vergraulen zu wollen. „Wir verstehen die Aufregung nicht“, sagt Pressesprecher Jakob Wahl.