Schaffhausen – Schwarz vermummt stürmen am hellichten Tag vier Personen durch den Eingang eines Hotels in Schaffhausen, stürzen durch die Glastür in ein Lokal und werfen jemanden zu Boden. Schreie sind zu hören – "Polizei!", Gläser klirren und fallen offenbar zu Boden. Dann werden weitere Personen laut aufgefordert, sich nicht an ihren Plätzen zu rühren. Weitere Vermummte mit Polizeischriftzug dringen durch den Eingang und verschwinden in der Tür eines Hotels.

Polizei stürmt Lokal in der Altstadt

Die Schaffhauser Polizei stürmte auf diese Weise das Lokal, in der Schaffhauser Innenstadt, während Kameras Videoaufnahmen davon machten.

Bild: privat

Bei der Aktion ging es nach Polizeiangaben um Drogen. Die Polizei Schaffhausen bestätigte dem SÜDKURIER auf Nachfrage, dass ein Mann festgenommen wurde. "Zum Verfahren äußern wir uns nicht", sagte Mediensprecherin Katarina Carnevale. Bei dem Mann soll es sich um einen 49-jährigen Drogenhändler gehandelt haben. Außerdem stellte die Polizei Betäubungsmittel und Bargeld in Höhe von mehreren tausend Franken sicher. Am Einsatz waren neben der Staatsanwaltschaft auch Kräfte des Grenzwachtkorps, der Stadtpolizei Schaffhausen und der Schaffhauser Polizei beteiligt.

Ein Mann, laut Medienbericht ein Anwalt, der sich zur selben Zeit dort mit einem Mandanten treffen wollte und nach eigenen Angaben nach dem Ausweis der Beamten gefragt hatte, wurde vorübergehend in Handschellen gelegt. Die Gäste waren offenbar völlig überrascht von der Aktion, die angesichts der Ausbeute als "übertriebene Polizeigewalt" bezeichnet wird. Filmaufnahmen der Vidosequenzen wurden dieser Zeitung zugespielt. Der Anwalt äußerte sich verstört über die Razzia. "Zunächst dachte ich, es sei ein Raubüberfall oder eine Abrechnung im Drogenmilieu", wird er zitiert. Ein anderer Augenzeuge bezeichnet die Aktion ebenfalls als "völlig absurd", weil dafür auch die Straße gesperrt und Gästekoffer aufgebrochen worden seien. Schließlich habe die Polizei "nur einen mutmaßlichen Drogendealer" festgenommen.

Anzeige wegen Spuckens

Ein weiterer Vorfall brachte der Polizei zudem eine Anzeige des Eigentümers ein. So soll, wie auf einem Video angedeutet, ein Zivilbeamter im Eingangsbereich gegen die Tür des Lokals gespuckt haben. In der Stellungnahme der Schaffhauser Polizei heißt es dazu, Ermittlungen in eigener Sache würden abgelehnt. Die Anzeige habe man an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Schaffhausen ist Drogenkonsumenten ein Begriff

Hinweise aus der Bevölkerung sowie eigene Ermittlungen sollen zu dem Zugriff Ende Februar geführt haben. Schaffhausen wie überhaupt das deutsch-schweizerische Grenzgebiet gelten als Umschlagplatz für Drogen, der auch den Rauschgifthandel in Südbaden mitbestimmt. Dabei geht es zunehmend auch um harte Drogen wie Heroin, die in größeren Mengen den Besitzer wechseln.

Auch auf deutscher Seite verfolgt die Polizei den Drogenhandel mit Argusaugen. So gelang der deutschen Polizei im Kreis Waldshut im November vergangenen Jahres ein Schlag gegen den grenzüberschreitenden Drogenhandel. Dabei sollen ein 46- und ein 39-Jähriger mit kiloweise Cannabis gehandelt haben.

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