Mit großer Mehrheit hat sich die Landtagsfraktion der Grünen gegen Netzgehege im Bodensee ausgesprochen und ist damit auf Gegenkurs zu Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) gegangen. „Wir werden keinen offenen Netzgehegen zustimmen, bei denen Futtermittel und Kot unkontrolliert in den See eingetragen werden. Es ist völlig ungeklärt, welche Auswirkungen das auf Gewässerökologie, Trinkwasser und Tourismus haben kann“, erklärte Reinhold Pix, Fischereiexperte der Grünen. Aus Hauks Ministerium hieß es gestern auf Anfrage, es liege derzeit kein Antrag eines Fischers auf eine solche Aquakultur vor, das Thema sei daher nicht auf der Tagesordnung. Sollte es Anträge geben, würden diese aber ergebnisoffen geprüft werden.

Seit Monaten wird am Bodensee intensiv über die Netzgehege gestritten. Grund: Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass eine Genossenschaft mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums plant, bis zu zwölf dieser Anlagen im Überlinger See zu platzieren, um dort rund 600 Tonnen Felchen pro Jahr zu produzieren. Bislang sind Netzgehege im Bodensee verboten. In einem offenen Brief an den Landwirtschaftsminister haben bereits im Februar dieses Jahres 32 Organisationen gefordert, das Projekt aufzugeben – darunter Umweltschutz-, Fischerei- und Angelverbände. Neben Politikern aus der Region haben sich auch die betroffenen Gemeinden, die Bodensee-Wasserversorgung und die Internationale Gewässerschutzkommission dagegen ausgesprochen.

Als erste Landtagsfraktion haben sich nun die Grünen eindeutig festgelegt: „Nach Abwägung der Belange von Gewässerschutz, Trinkwasserversorgung, Fischerei und Tourismus- beziehungsweise Freizeitnutzung ist der Bodensee nicht geeignet für offene Netzgehege“, heißt es in einem Positionspapier, das unserer Zeitung vorliegt. Der größte Trinkwasserspeicher Europas eignet sich nicht für Experimente“, so Pix. Der umweltpolitische Sprecher Bernd Murschel verweist darauf, dass die Bodensee-Richtlinie der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee Netzgehege im See explizit ausschließe. Die Konstanzer Grünen-Abgeordnete Nese Erikli nennt den Beschluss ein „wichtiges Signal für die Menschen am See. An dem Zustand des vergleichsweise wenig belasteten Gewässers zu rütteln, wäre unverantwortlich.“

Eine Absager erteilen die Grünen aber einer künstlichen Anhebung des Phosphatgehalts des Sees für ein besseres Nahrungsangebot für die Fische. Statt dessen bringen die Landtags-Grünen andere Hilfen für die Fischer ins Spiel: etwa bessere Direktvermarktung, eine geschützte Ursprungsbezeichnung „Bodensee-Wildfisch“ und den Einstieg in die Verarbeitung. Zudem sehen die Grünen in geschlossenen Aquakultur-Kreislaufanlagen mit integrierter Klärtechnik eine Chance, eine nachhaltige heimische Fischproduktion zu etablieren. Reinhold Pix: „Wir haben uns nicht gegen Aquakulturen, sondern ausschließlich gegen offene Netzgehege im Bodensee ausgesprochen.“