Wasserburg – Selbst im benachbarten Vorarlberg und in der Schweiz waren die Rauchschwaden fast den ganzen Tag lang zu sehen. Grund dafür war der Großbrand, der kurz vor 9 Uhr am Donnerstag auf der Prechtl-Werft im Wasserburger Ortsteil Reutenen ausgebrochen ist.

Großeinsatz bei der Prechtl-Werft in Wasserburg: Der durch den Brand verursachte Schaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.
Großeinsatz bei der Prechtl-Werft in Wasserburg: Der durch den Brand verursachte Schaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. | Bild: Hogl, Susanne

Der Schaden dürfte sich nach bisherigen Schätzungen der Polizei im einstelligen Millionenbereich bewegen. Nach Angaben von Christian Schorer, Einsatzleiter und Feuerkommandant aus Wasserburg, gab es bei dem Brand sechs leicht und zwei mittelschwer Verletzte. Sechs Personen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Warum der Brand ausbrach, ist bislang nicht geklärt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bei der Feier vom Feuer überrascht

Eigentlich sollte es ein fröhlicher Tag werden: Franz Hacksteiner, Eigentümer der Agstein-Werft (ehemals Prechtl-Werft) feierte an diesem Tag mit seinen Mitarbeitern eine erfolgreiche Bootsrenovierung, als sie in dem Werft-Gebäude die Rauchentwicklung bemerkten. Von da an, so erzählt es ein Mitarbeiter, der mit rußverschmiertem Gesicht auf dem Gelände steht, ging alles ganz schnell. Innerhalb kürzester Zeit stand die gesamte Werft-Halle lichterloh in Flammen.

200 Feuerwehrleute aus dem Großraum Lindau waren im Einsatz.
200 Feuerwehrleute aus dem Großraum Lindau waren im Einsatz. | Bild: Bengelsdorf, Anette

Die Halle musste von der Feuerwehr teilweise eingerissen werden, um sie endgültig löschen zu können. Ebenfalls betroffen von dem Großbrand ist ein Wohnhaus, in dem zwei Wohnungen für Mitarbeiter untergebracht waren und das unmittelbar an die Werft-Halle gebaut ist. Nach Angaben der Feuerwehr dürfte das Wohnhaus ebenfalls nicht mehr zu retten sein.

200 Mann vor Ort

Bei dem Brand gab es nach Aussagen von Christian Schorer, Einsatzleiter und Kommandant der Feuerwehr, sechs leicht- und zwei mittelschwer Verletzte. „Wir sind hier seit kurz vor 9 Uhr mit 200 Feuerwehrleuten und etlichen Mitarbeitern des Roten Kreuzes und des Katastrophenschutzes im Einsatz“, erklärte Schorer. Durch das Löschwasser, so der Feuerwehrkommandant weiter, seien auch Lacke, Farben und Öl in den Bodensee gelangt, weshalb eine Ölsperre im See errichtet wurde. Nach Angaben der Polizei und Feuerwehr konnte bislang ein Übergreifen des Feuers auf eine weitere Bootshalle, in der teure Boote lagern, und auf ein weiteres Wohnhaus erfolgreich verhindert werden. Die Löscharbeiten waren gestern Abend noch nicht beendet. Die Polizei und Feuerwehr raten Anwohnern in den Gemeinden Nonnenhorn, Wasserburg und Kressbronn wegen der immer noch anhaltenden Löscharbeiten Fenster und Türen geschlossen zu halten. Von giftigen Gasen in der Rauchwolke geht die Feuerwehr jedoch nicht aus.

Mit Mineralöl verunreinigtes Löschwasser ist in den Bodensee gelangt.
Mit Mineralöl verunreinigtes Löschwasser ist in den Bodensee gelangt. | Bild: Hogl, Susanne

Bürgermeister von Brand betroffen

Wasserburgs Bürgermeister, Thomas Kleinschmidt, ist ebenfalls vom Brand direkt betroffen. Kleinschmidt war mit Katharina Prechtl, der Tochter des früheren Werft-Besitzers Roland Prechtl, verheiratet und besitzt auf dem Werftgelände ein Haus. „Bei mir hat es zwar nicht gebrannt, aber ich habe viel Wasser im Haus“, erzählt der sichtlich geschockte Bürgermeister.

Er besitzt ein Haus auf dem Gelände

Bevor der jetzige Eigentümer, Franz Hacksteiner, die Werft gekauft hat, war es immer wieder zu Unstimmigkeiten gekommen, in die auch der Bürgermeister involviert war und die beispielsweise einen Durchgangsweg auf dem Werftgelände betrafen. Kleinschmidt wurde von Mitgliedern des Wasserburger Gemeinderates immer wieder unterstellt, befangen zu sein, wenn es um Verhandlungen die Werft betreffend ging. Für die im kommenden Jahr anstehenden Kommunalwahlen wurde Thomas Kleinschmidt nicht mehr für das Bürgermeisteramt nominiert.