Sie gilt als ungebetener Gast, scheint sich aber Jahr um Jahr auch in der wärmeren Rheingegend wohl zu fühlen. Die Asiatische Tigermücke, ursprünglich wie ihr Name schon andeutet, in süd- und südostasiatischen Tropen beheimatet, arbeitet sich offenbar langsam in Richtung Bodensee vor. Um die 50 Kilometer fehlen noch etwa bis zur Insel Reichenau. Doch vorerst zeigt sich die Krankheit erregende Mücke im Kreis Waldshut. Das berichtet Ralf Däubler, Umweltbeauftragter von Bad Säckingen. Er verweist auf zwei Meldungen aus der Stadt. Die tagaktive Stechmücke ist nach einer Medienmitteilung des Waldshuter Landratsamts „sehr aggressiv und potenzieller Überträger von gefährlichen Krankheitserregern“.

Neben verschiedenen Populationen in Südbaden sei die Mücke auch im Nachbarlandkreis Lörrach entdeckt und bekämpft worden, heißt es. Es sei zu befürchten, dass Tigermücken nun auch im Landkreis Waldshut brüten. Durch die erhöhte Reisetätigkeit der Bevölkerung und den internationalen Warenverkehr habe sich die Tigermücke weltweit ausgebreitet. Vor allem durch die Autobahn A5 und die ‚rollende Autobahn’ zwischen Norditalien und Freiburg sei die Stechmücke nach Südwestdeutschland gelangt. Auch der Anstieg der Temperaturen in der Region dürfte eine Rolle spielen.

Aus einer Mitteilung des Arbeits- und Sozialministeriums von 2016 geht hervor, dass die Tigermücke zum Beispiel Überträger des Dengue-, Chikungunya- oder möglicherweise auch des Zika-Virus sei. Diese Krankheitserreger können in bestimmten Fällen entweder zum Tod oder zu Missbildungen bei Ungeborenen führen. Bereits im Jahr 2015 wurde eine größere brütende Population in Freiburg sowie eine in Heidelberg entdeckt, teilte das Ministerium mit. Es mahnte in dem Schreiben: „Sobald sich Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke) etabliert haben sollte, ist eine flächendeckende Bekämpfung nicht mehr aussichtsreich.“ Weiter erklärte es, dass von der Tigermücke „eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit von Menschen als begründet anzusehen“ sei und sie sich auch in der klimatisch günstigen Oberrheinebene etablieren werde, wenn keine wirksamen Bekämpfungsmaßnahmen angewendet würden. Deshalb weiß auch Ralf Däubler, dass man Meldungen ernst nehmen und weiterleiten sollte.

Gewässerbiologe warnt vor Panikmache

Über die realen Gefahren durch die Tigermücke in unseren Breiten gehen die Meinungen allerdings auseinander. Der renommierte Gewässerbiologe Rainer Bretthauer aus Radolfzell warnt jedenfalls vor Panikmache. „Mindestens ein Viertel der Bodenseeschnaken sind Fiebermücken, die Malaria übertragen können, doch es fehlen die Malaria-Erreger“, sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ähnlich sei das beim Zika-Virus. „Man muss das ernst nehmen, darf aber nicht in Stimmungsmache verfallen.“ Die Bedingungen für die Entwicklung der Stechmücken am Bodensee seien in den vergangenen Wochen gut gewesen, so Bretthauer. Vor der gefürchteten Tigermücke muss sich am See aber wohl niemand ängstigen. Die habe den Bodensee derzeit noch nicht erreicht, ist sich der Experte sicher.

Was soll man nun tun, wenn man eine Tigermücke entdeckt und wie erkennt man diese? Die Tigermücke sieht der einheimischen Ringelschnake zwar ähnlich, ist aber durch ihre geringere Größe (0,5 bis ein Zentimeter), durch ihre schwarz-silberweiße Färbung und ihre ungefleckten Flügel gut von der einheimischen Schnake zu unterscheiden, erklärt die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS). Susanna Heim, Pressesprecherin des Landratsamts Waldshut, teilte mit, dass das Gesundheitsamt die erste Anlaufstelle sei.

Ralf Däubler empfiehlt den Bürgern, die Tigermücken entdecken und dies melden, direkt Beweise, wie Fotos oder Fangproben, mitzuliefern. Bei Einzelfällen wie diesen, würde das Gesundheitsamt dann die zuständigen Ortspolizeibehörden, also die Gemeinden an KABS verweisen, so Heim. Dieser gemeinnützige Verein könne die Gemeinden beraten, die Stechmücken bestimmen und letztlich bekämpfen. Heim betont: „Nur bei Gefahr im Verzug kann das Gesundheitsamt die Maßnahmen unmittelbar anordnen. Die Beurteilung, ob eine Gefahr gegeben ist, erfolgt zunächst durch das Gesundheitsamt.“