Vor drei Jahren hat Hubert Kucher den Kampf gegen die Biberfamilie auf seiner Wiese verloren. Seither kann der Landwirt die drei Hektar im Ellwanger Teilort Schrezheim nicht mehr bewirtschaften, weil der vom Biber aufgestaute Sixenbach die Fläche ständig unter Wasser setzt. „Das Gelände wird in zwei bis drei Jahren verbuschen“, prophezeit Kucher. Er selbst hat in dieser Woche einen Termin beim Notar. Das Land kauft ihm seinen Wiesenteil ab. „Ein solcher Erwerb ist gelegentlich sinnvoll, um Konflikte zu entschärfen“, sagt Staatssekretär Andre Baumann aus dem Stuttgarter Umweltministerium. Das sei aber keine Ausgleichszahlung, betont er. Denn das Land übernehme ja auch die mit der Wiese verbundenen Lasten.
 

Kucher, einer der bäuerlichen Wortführer im Kampf um einen finanziellen Ausgleich für Biberschäden, mag nicht ausschließen, dass die Politik in seinem Fall einen ihrer größten Kritiker auskaufen möchte. Aber mundtot will sich der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Ostalb nicht machen lassen. „Es kann nicht sein, dass die Besitzer mit den Schäden alleine gelassen werden. Viele Bauern könnten auf die Flächen nicht verzichten, die durch Biberschäden unbrauchbar geworden sind. Der 49-Jährige betreibt einen 90 Hektar großen Hof mit 100 Kühen. „Ich brauche Ersatzflächen“, betont er.

Der Landwirt Hubert Kucher auf seiner unbrauchbaren Wiese, die der Biber unter Wasser gesetzt hat. Bild: Reinhardt
Der Landwirt Hubert Kucher auf seiner unbrauchbaren Wiese, die der Biber unter Wasser gesetzt hat. Bild: Reinhardt | Bild: Bild: Reinhardt

Wie groß die Schäden für die Landwirte werden können, zeigt sich gleich neben Kuchers Wiese. Dort räumt gerade Joachim Rüger seinen Wald auf. 150 Bäume haben die Biber unrettbar angenagt. Verzweifelt zeigt er die Schäden, die bis zu 30 Meter in den Wald hineinreichen. Nach dem Sturm Lothar hat er Douglasien angepflanzt, die der Biber offenbar besonders gerne mag. Betroffen sind aber auch Laubbäume mit einem Durchmesser von 50 Zentimeter und mehr. Als eine Eiche auf die Stromleitung zu krachen droht, muss Rüger den Baum auf eigene Kosten mit schwerem Gerät fällen. Als Hohn empfindet er die Empfehlung des örtlichen Bibermanagers, die Bäume einzeln mit stabilem Draht zu schützen. Es wären hunderte in seinem Wald neben dem Sixenbachtal. Das Material bekäme er gestellt. Aber: „Wer zahlt den riesigen Arbeitsaufwand?“

Der Widerstand in der Landbevölkerung gegen die Nager wächst. Kucher hat unter seinen Berufskollegen eine Unterschriftenaktion initiiert. „Einige Tausend werden es sein“, sagt er. Beim Landesbauernverband bezweifelt man schon die offiziellen Angaben zur Größe des Problems. Verbandsjurist Heiner Klett geht davon aus, dass die Population inzwischen auf 6000 bis 8000 Biber landesweit gestiegen ist. Schon seit 2010 würden die Regierungspräsidien keine Zahlen mehr veröffentlichen, kritisiert er. Das soll nun im Rahmen des geplanten Wildtierberichts bis nächstes Jahr nachgeholt werden.