Bei der Suchen nach dem Täter im Fall von Maria L. „hätte uns das massiv geholfen“, sagte Rotzinger der „Badischen Zeitung“ vom Dienstag. „Wir hätten wesentlich konzentrierter die Ermittlungen vorantreiben können.“ Am Freitag war ein 17 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan als dringend tatverdächtig festgenommen worden. Seine DNA ist identisch mit Spuren, die an der am 16. Oktober getöteten 19-jährigen Studentin gefunden wurden. Am Dienstag ergaben sich laut Polizei zunächst keine neuen Erkenntnisse der ermittelnden Sonderkommission. Eine Polizeisprecherin in Freiburg sagte, da der Tatverdächtige nach wie vor schweige, rechne sie für diese Woche mit keinen relevanten Neuigkeiten.

Es würden alle Spuren akribisch abgearbeitet. Ergebnisse zu den Befragungen aus dem Umfeld des bei einer Familie untergebrachten Jugendlichen würden vorerst nicht veröffentlicht. Rotzinger sagte der Zeitung, wenn Fahndern gesetzlich erlaubt wäre, anhand von DNA-Spuren auch Augen- und Haarfarbe sowie grobe regionale Herkunft zu analysieren, „hätten wir sehr viel zielgerichteter vorgehen können“. Mit einem solchen „Phantombild aus dem Labor“ hätte die Polizei „viele Verdachtsfälle von vorn herein zur Seite legen können“. Rotzinger sagte, er erwarte von der Bundesregierung, dass sie tätig werde. Die Auswertung dieser Angaben ist bisher nicht erlaubt.
Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) hatte bereits vor einigen Tagen eine Gesetzesinitiative angekündigt, um die umfassendere Auswertung möglich zu machen.

ARD steht weiter in der Kritik


In der Debatte über den Verzicht der ARD-„Tagesschau“ auf eine Berichterstattung über die Festnahme des Jugendlichen kritisierte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling (CDU), die ARD. Die Entscheidung erwecke natürlich den Eindruck, es solle nicht berichtet werden, weil der Tatverdächtige ein unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber ist. „Ein solcher Eindruck ist fatal“, sagte Heveling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. In den ARD-„Tagesthemen“ thematisierte Moderator Ingo Zamperoni die Entscheidung der Redaktion. Üblicherweise werde in der Nachrichtensendung nicht über solche Taten berichtet, sie seien kein Thema für die „Tagesthemen“, sagte Zamperoni.

Weder als der Mord Mitte Oktober begangen wurde sei berichtet worden, noch bei der Festnahme des Tatverdächtigen. Dass die „Tagesthemen“ diesen Kurs nun geändert hätten, liege daran, dass der Fall nun eine politische Dimension bekommen habe. Die Linkspartei forderte derweil bessere Standards bei der Betreuung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge. „Wir brauchen bundesweit ein hochwertiges Vormundschaftssystem für die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen“, sagte die linke Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. In der Praxis variiere die Betreuungsqualität stark. ran/ul