Ein hochmodernes Smartphone vom Typ iPhone 6 s des Herstellers Apple verrät überraschend viel über den Mord an der Studentin Maria L., der am 16. Oktober 2016 an der Dreisam in Freiburg geschah. Hussein K. , der die ihm zur Last gelegte Tötung der 19-Jährigen im laufenden Mordprozess am Landgericht Freiburg gestanden hat, war im Besitz eines solchen Handys.

Erstmals in der baden-württembergischen Polizeiarbeit, hieß es am 17. Prozesstag, seien Handydaten zur Aufklärung eines Verbrechens so breit ausgewertet und genutzt worden. Hussein K. war das Smartphone bei seiner Festnahme abgenommen worden – dessen Passwort rückte er nicht heraus.

Doch das half ihm nach Angaben eines 54-jährigen Cyber-Spezialisten der Polizei, der vor Gericht aussagte, nicht. Die polizeilichen Computer-Spezialisten machten eine Firma in München ausfindig, die sich im Herbst 2017 in der Lage sah, das neumodische und vom Hersteller extrem gesicherte Handy zu „hacken“.

Vielzahl an digitalen Spuren

Die Polizei hatte erstmals in Baden-Württemberg Spezialisten der Abteilung Cyber-Crime in die Sonderkommission geholt, wie es hieß. Der Grund sei die Vielzahl digitaler Spuren gewesen. Der Kleincomputer in Taschenformat machte Hussein K. zum gläsernen Angeklagten. Minutengenau ließ sich durch die von dem Gerät aufgezeichneten Standort- und Bewegungsdaten nachvollziehen, wo sich Hussein K. am Samstag vor der Tat und während der Tatzeit aufgehalten hat – eine weitere nach Meinung des Polizeiexperten „absolut stimmige“ Untermauerung der Täterschaft des jungen afghanischen Flüchtlings.

Die Standort-Hinweise ergaben sich durch Funkzellen-, WLAN oder GPS-Verbindungen, die das Handy ständig aktualisierte. Dazu kamen die Bewegungs-Daten einer Gesundheits-App, die Schritte zählt und die das Apple-iphone für seine Kundschaft ungefragt installiert hat.

Mit den gesicherten Daten kann rekonstruiert werden, dass Hussein K. nach dem Verlassen einer Straßenbahn nach zwei Uhr am 16. Oktober zum Dreisamufer gegangen ist, wo er Maria L. vom Fahrrad stieß und die Uferböschung hinunterzog.

Praktisch, so der Polizeiexperte vor Gericht, wurden alle Schritte des Beschuldigten erfasst und zeitlich eingeordnet, bis zum Hinweis des Smartphones auf „Treppensteigen“ am Sonntagfrüh um 2.55 Uhr – das war nach Bewertung der Experten der Zeitpunkt, an dem Hussein K. sein Opfer die Dreisamböschung hinunterschleifte. Wo er sich dann, so geben es die Handydaten her, bis nach 4 Uhr an seinem Opfer verging. Mindestens 45 Minuten, so die Schätzung auf Grund der Daten, hat Hussein K. die 19 jährige Studentin missbraucht.

Urteil aus Prozess in Griechenland

Vorgelesen wurde im Prozess das Urteil des griechischen Jugendgerichts vom 12. Februar 2014 gegen Hussein K. Er war wegen schweren Raubes und Mordversuchs an einer Studentin auf Korfu zu einer Gesamtstrafe von zehn Jahren Gefängnis verurteilt, eineinhalb Jahre später aufgrund einer Amnestie aber freigelassen worden. Im vergangenen Herbst wurde seine Berufung gegen dieses Urteil verhandelt – das zuständige griechische Gericht verwarf die Berufung, weil Hussein K. nicht erschienen war.

Da saß er bereits wegen des Verbrechens an Maria L. in Deutschland in Untersuchungshaft. Am 25. Januar werden griechische Polizisten zu der Tat von Korfu befragt, bei der Hussein K. sein Opfer über eine Klippe stürzte. Die junge Frau überlebte wie durch ein Wunder.