Für den Sexualmord an der Studentin Maria L. ist Hussein K. zur Höchststrafe verurteilt worden. Das Landgericht Freiburg verhängte - nach Erwachsenenstrafrecht - lebenslange Haft und sprach den jungen Flüchtling der besonders schweren Vergewaltigung und des Mordes an der 19-Jährigen schuldig.

Außerdem behielt sich das Gericht die Sicherungsverwahrung vor und stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Das Verbrechen hatte den Ton in der Debatte um die deutsche Flüchtlingspolitik extrem verschärft.

Eltern von Maria L.: "Mord an unserer geliebten Tochter ist angemessen geahndet"

Zuschauer im voll besetzten Gerichtssaal klatschten nach der Verkündung des Urteilsspruchs am Donnerstagmorgen. Der Pflichtverteidiger kündigte an, er werde Revision einlegen.

Der Anwalt der Familie von Maria L., Bernhard Kramer, sagte, für die Angehörigen sei es „sehr wichtig, dass dieser lange Prozess zu einem Ende gekommen ist.“

Auch die Eltern von Maria L. äußerten sich in einer persönlichen Erklärung. "Mit großem Respekt nehmen wir Kenntnis vom heutigen Urteil des Landgerichts Freiburg i. Bsg., mit dem der Mord an unserer geliebten Tochter Maria angemessen geahndet worden ist", heißt es darin. Die vollständige Erklärung im Wortlaut dokumentieren wir hier.

K. hatte der jungen Frau nach Überzeugung des Gerichts in einer Oktobernacht des Jahres 2016 aufgelauert, sie bewusstlos gewürgt, mehrfach vergewaltigt und die noch lebende Studentin dann im Wasser des Flusses Dreisam abgelegt. Sie ertrank. 

"Er wusste, dass sie noch lebte, als er sie in die Dreisam legte"

K. habe ein hohes Maß an Empathielosigkeit, sagte die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk in der Urteilsbegründung. Laut Gerichtsmedizin dauerte Marias Sterben im Wasser länger als eine Stunde. „Er wusste, dass sie noch lebte, als er sie so in die Dreisam legte, dass sie ertrinken würde, ertrinken musste“, sagte Schenk.

Ein Papierherz mit Aufschrift hängt in der Nähe des Tatorts am Fluß Dreisam an einem Baum.
Ein Papierherz mit Aufschrift hängt in der Nähe des Tatorts am Fluss Dreisam an einem Baum. | Bild: Patrick Seeger

Hussein K. war vor der Jugendkammer angeklagt, wurde jedoch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Der als angeblich minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommene Mann hatte anfangs behauptet, zur Tatzeit erst 17 gewesen zu sein. Später räumte er ein, über sein Alter gelogen zu haben.

Mehreren Gutachten zufolge war er mindestens 22 Jahre alt, als er die Tat beging. Somit kam Erwachsenenstrafrecht in Betracht.

Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht 

Das Gericht entschied sich dafür, auch wenn das Alter des Mannes nicht habe eindeutig geklärt werden können, wie Schenk sagte.

Die Schwere der Tat, das gezielte Vorgehen und die Persönlichkeitsstruktur von Hussein K. ließen jedoch nicht auf das Vorgehen eines Jugendlichen schließen. Er gelte juristisch als Heranwachsender, möglich sei somit Erwachsenenstrafrecht.

Der Angeklagte war sieben Wochen nach dem Mord festgenommen worden - ein blondiertes Haar von ihm am Tatort hatte die Ermittler auf seine Spur gebracht. Akribische Polizeiarbeit ermöglichte die Rekonstruktion der Tat, wie Schenk ausdrücklich lobend hervorhob.

Hussein K. hatte behauptet, im Affekt gehandelt zu haben, als er das Mädchen, das auf dem Heimweg von einer Party war, vom Rad stieß. Außerdem sei er zur Tatzeit bekifft und betrunken gewesen. Beides hielt die Kammer für unglaubwürdig. Das Würgen und die Vergewaltigung hatte der Flüchtling zugegeben, weitere Details zum Hergang der Tat nannte er nicht. Hussein K. sei voll schuldfähig.

Verteidigung will Revision einlegen 

Sein Pflichtverteidiger kündigte noch im Gerichtssaal an, er werde Revision einlegen. Sein Mandant habe ihn damit beauftragt, sagte Sebastian Glathe nach dem Richterspruch. Er gehe davon aus, dass Hussein K. bei der Tat vermindert schuldfähig gewesen sei. Der junge Mann habe Alkohol und Drogen in erheblichem Umfang zu sich genommen. Er werde die Urteilsbegründung daher gründlich prüfen, sagte Glathe.

Am vorletzten Tag des mehr als ein halbes Jahr dauernden Prozesses hatte er sich entschuldigt mit den Worten, es tue ihm leid. Ein psychiatrischer Sachverständiger attestierte ihm hingegen eine hohe Gewaltbereitschaft ohne Fähigkeit zu Reue und Mitgefühl.

Der Angeklagte wird in Fußfesseln in den Gerichtssaal im Freiburger Landgericht gebracht.
Der Angeklagte wird in Fußfesseln in den Gerichtssaal im Freiburger Landgericht gebracht. | Bild: Patrick Seeger

Das Gericht folgte mit dem Urteil den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Der Verteidiger hatte kein Strafmaß genannt, Sicherungsverwahrung aber abgelehnt.

Hussein K. war im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen und lebte als angeblich minderjähriger Flüchtling bis zu seiner Festnahme in Freiburg bei einer Pflegefamilie.

Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau im Jahr 2013 auf der Insel Korfu war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Er tauchte unter und kam nach Deutschland. Deutsche Behörden wussten nichts von dieser kriminellen Vorgeschichte.

 

Der Fall Hussein K. - eine Chronologie der Ereignisse:

  • Januar 2013
    Hussein K. kommt im Strom Tausender Flüchtlinge nach Europa. Er gibt sich als Afghane aus. In Griechenland, auf der Insel Korfu, lebt er mit anderen Flüchtlingen in einer verlassenen Ölmühle.
  • 26. Mai 2013
    Auf Korfu überfällt K. eine Studentin und wirft sie von einer hohen Klippe. Das Opfer überlebt schwer verletzt.
  • 12. Februar 2014
    Wegen versuchten Mordes wird K. in Griechenland zu zehn Jahren Haft verurteilt.
  • Oktober 2015
    Hussein K. wird vorzeitig aus der Haft entlassen. Als Jugendlicher profitiert er von einem Gesetz zur Entlastung der übervollen Gefängnisse in Griechenland. Dann taucht er unter.
  • 12. November 2015
    K. kommt als unbegleiteter minderjähriger Ausländer nach Freiburg, er bittet um Asyl. Papiere hat er nicht. Von seiner kriminellen Vorgeschichte wissen die deutschen Behörden nichts.
  • Mitte Februar 2016
    K. stellt einen Asylantrag. Die Bearbeitung verzögert sich, hat keine Priorität. Der junge Mann lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie in Freiburg und steht unter der Obhut des Jugendamtes des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald.
  • 16. Oktober 2016
    In Freiburg wird die Leiche einer Studentin gefunden. Die 19-Jährige wurde Opfer eines Sexualverbrechens.
  • 2. Dezember 2016
    Die Polizei in Freiburg nimmt den Flüchtling Hussein K. als Verdächtigen fest. Er gibt sein Alter mit 17 an. Inzwischen eingeholte Altersgutachten bezweifeln dies.
  • 5. September 2017
    Prozessbeginn vor dem Landgericht Freiburg.
  • 7. November 2017
    Gutachten zufolge ist Hussein K. älter als 21 Jahre. Die Analyse seines Eckzahnes ergibt, dass er 22,5 bis 29,5 Jahre alt ist. Ein weiteres Gutachten, basierend auf Röntgenaufnahmen, kommt auf 22 oder 23 Jahre.
  • 14. November 2017
    Es wird bekannt, dass K. im Gefängnis einen Suizidversuch unternommen hat.
  • 9. März 2018
    Der Staatsanwalt plädiert. Er fordert unter anderem eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht, eine lebenslange Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung.
  • 12. März
    Der Anwalt der Eltern der getöteten Studentin, die in dem Prozess Nebenkläger sind, schließt sich der Forderung des Staatsanwaltes an. Der Verteidiger von Hussein K. fordert kein konkretes Strafmaß, regt aber eine Drogentherapie für seinen Mandaten an. Der Forderung nach Erwachsenenstrafrecht tritt er nicht entgegen.