Kein Tanga, sondern eine ganz normale Unterhose: Was die junge Frau in jener Nacht im Oktober 2018 trug, als sie mutmaßlich Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde, war mehrmals Thema im Prozess um die Freiburger Gruppenvergewaltigung. Elf Männer sind angeklagt wegen Vergewaltigung und unterlassener Hilfeleistung, der Prozess begann im vergangenen Juni. Inzwischen gerät er in die heiße Phase. DNA-Spuren an der Unterwäsche des Opfers werden an diesem Tag am Freiburger Landgericht von der DNA-Gutachterin vorgeführt.

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Was die junge Frau in jener Nacht im Oktober 2018 am Körper trug, als sie mutmaßlich Opfer einer Gruppenvergewaltigung in einem Gebüsch neben einem Technoclub im Freiburger Industriegebiet wurde, war mehrmals Thema in diesem Prozess: Elf Männer sind angeklagt wegen Vergewaltigung und unterlassener Hilfeleistung, der Prozess begann im vergangenen Juni. Inzwischen gerät er in die heiße Phase. DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers werden an diesem Tag am Freiburger Landgericht von der DNA-Gutachterin vorgeführt.

Die Straße im Industriegebiet in Freiburg, wo es zur Gruppenvergewaltigung gekommen sein soll.
Die Straße im Industriegebiet in Freiburg, wo es zur Gruppenvergewaltigung gekommen sein soll. | Bild: Moll, Mirjam

Fragen unter der Gürtellinie

Schon zum Beginn der Verhandlung hatte Verteidigerin Jutta Palm sich auf den Kleidungsstil des Opfers eingeschossen. Ob sie Strapse oder eine Strumpfhose getragen habe, war eine ihrer Fragen an die Kripobeamten. Auch sprach sie von einem Tanga, den das Opfer getragen haben soll.

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Anwältin Kerstin Oetjen fragt bei der Begutachtung des Slips auf dem Monitor, ob es sich bei den Spuren nicht auch um Erde handeln könnte. Das Labor hatte ihn mit Blaulicht nach Körperflüssigkeiten untersucht – die Antwort ist eindeutig. Es handelte sich um Blut. Ob das Opfer möglicherweise seine Tage hatte, wird gefragt.

Der Slip ist übersäht mit gelben Markern und Pfeilen – Markierungen der DNA-Analysten für die Stellen, an denen sie sogenannte Antragungen gefunden hatten: Körperflüssigkeiten, aus denen später die DNA vieler der Angeklagten herausgefiltert wurde.

Streitbare Strategie

Immer wieder treten vor allem einige der weiblichen Verteidigerinnen so auf – fragen nach vorherigen Beziehungen des Opfers, wie lange die junge Frau keinen Sex mehr gehabt habe, auf was für Männer sie stehe. Sie wollen wissen, ob Ecstasy nicht doch eine luststeigernde Wirkung hat, auch nachdem ein Sachverständiger dies mehrmals verneint hat: Die damals 18-Jährige hatte an jenem Abend gemeinsam mit einer Freundin die Partydroge gekauft und zum ersten Mal in ihrem Leben Ecstasy konsumiert.

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Danach nahm sie einen Drink des Hauptverdächtigen an, den er ihr spendierte. Es wurden Spuren von anderen Drogen in ihrem Blut festgestellt – es gibt Hinweise auf so etwas wie K.O.-Tropfen. Trotzdem wird immer wieder suggeriert, die damals 18-Jährige könnte den Sex mit den Angeklagten gewollt haben.

Wie Spuren interpretiert werden

Auch an der Strumpfhose – eine blickdichte schwarze Feinstrickstrumpfhose – sind zahlreiche Spuren zu finden, fast über das gesamte Kleidungsstück hinweg, das zudem ein großes Loch und mehrere Laufmaschen aufweist. Auch hier haben die Experten mit gelben Pfeilen Fundstellen markiert, mit weißem Stift Stellen mit Punkten umkreist, die genauer untersucht werden sollten.

Der Eingangsbereich des Hans-Bunte-Areals, einem Technoclub im Industriegebiet Freiburgs, wo es zu der Tat gekommen sein soll.
Der Eingangsbereich des Hans-Bunte-Areals, einem Technoclub im Industriegebiet Freiburgs, wo es zu der Tat gekommen sein soll. | Bild: Moll, Mirjam

Anwalt Jan-Georg Wennekers stellt die Frage in den Raum, inwieweit die Spuren überhaupt eine Aussagekraft hätten: Schließlich habe das Opfer die Kleidung ja danach noch getragen und mindestens ein Mal wieder an- und ausgezogen.

Langwierige Analyse

In diesem Fall war die Analyse der Spuren langwierig und aufwendig – bei einer Vielzahl von DNA-Spuren entstehen häufig Mischspuren, die im Labor aufwendig separiert werden müssen. Auch deshalb nahm die Erörterung der DNA-Spuren vor Gericht mehrere Verhandlungstermine in Anspruch. Die Analysen für einzelne Angeklagte beliefen sich teils auf mehrere Dutzend Seiten. Sie belasten die meisten der Mandanten schwer.

Kommende Woche werden die Analysen der Sachverständigen erwartet, dazu gehören psychologische und forensische Gutachten. Drei der Angeklagten sind nach widersprüchlichen Zeugenaussagen nicht mehr dringend tatverdächtig und deshalb auf freiem Fuß. Doch für die übrigen acht Männer zwischen 18 und 31 Jahren deutet immer mehr darauf hin, dass sie sich an der jungen Frau vergangen haben.

Die Anwältin, die die Kleidung des Opfers so interessierte, trug an diesem Tag übrigens ein rotes Kostüm mit durchsichtiger Strumpfhose und knallroten Pumps.