Die Feriengebiete im Südwesten gehören zu den Gewinnern der zurückliegenden Tourismus-Saison. Immer mehr Gäste bedeutet zugleich, dass auch das Angebot der Gemeinden damit Schritt halten muss, wenn sie ihre Gäste nicht verlieren wollen. Hier wird eine Promenade aufgehübscht, dort werden neue Blumenkübel angeschafft, und für Verbundkarten zur Nutzung von Liften, Bussen und Bahn muss viel Geld in die Hand genommen werden. Wie viele andere Kommunen im Schwarzwald und am Bodensee will sich auch die Gemeinde Allensbach von ihrer besten Seite zeigen. Neben der Pflege der Uferanlagen, dem Museum und Gästebegrüßungsfahrten gibt es auch in diesem Jahr wieder ein umfangreiches Kulturprogramm, das es ohne die von jedem Gast erhobene Kurtaxe nicht gäbe.

1,80 Euro zahlt der Gast im Kernort für jede Übernachtung zurzeit, vom kommenden Jahr an sind es 20 Cent mehr, wie der Gemeinderat kürzlich beschlossen hat. „Unsere Gäste erhalten dafür auch unsere VHB-Gästekarte“, wirbt Ulla Hirschbock, die an diesem Tag zusammen mit ihren Kolleginnen Meike Häusler und Lisa Gottschalk in der Tourist-Info im Bahnhof Dienst tut. In der Gästekarte enthalten ist unter anderem die Nutzung des Seehas – ein Service, der angesichts vieler Staus auf den Straßen in der Tourismus-starken Sommerzeit beliebt ist. Die VHB-Gästekarte sei ähnlich wie die Konus-Karte im Schwarzwald, so Lisa Gottschalk. 

Kein Vergleich mit Baden-Baden

Inzwischen zählt der 7000-Einwohner-Ort stolze 230 000 Übernachtungen jährlich, Tendenz steigend. Die Kurtaxe ist längst ein fester Bestandteil des Haushalts nahezu aller Fremdenverkehrsgemeinden zwischen Konstanz und Flensburg. Wobei die Gebühren im Badischen und Südwürttembergischen noch als moderat gelten. Während sie sich am Bodensee meist zwischen ein und zwei Euro bewegen, klettern sie im Schwarzwald auf 2,70 Euro pro Tag. Als Ausreißer gilt immer noch Baden-Baden mit 3,80 Euro je Nacht, womit die mondäne Stadt bundesweit auf Platz eins liegt, dicht gefolgt nur von den Inselorten Juist, Langeoog und Borkum, die viel Geld in den Küstenschutz stecken müssen.

Wirte-Kritik an der Abgabe

Und doch werden Erhöhungen der Kurtaxe von der Hotelerie und Gastronomie mit Argusaugen verfolgt. So gab es vor wenigen Jahren in Meersburg einen Aufstand der Wirte wegen der geplanten Verdoppelung der Kurtaxe auf zwei Euro, weil man um Marktanteile fürchtete. Die Erhöhung um 100 Prozent erschien heftig, doch hatte der Gemeinderat jahrelang nicht an der Gebührenschraube gedreht, und so wurde es beschlossen. Aus dem gleichen Grund löste jetzt in Konstanz ein entsprechender Beschluss des dortigen Gremiums über die Erhöhung der Taxe von 2,20 Euro auf 2,50 Euro vom kommenden Jahr an Verstimmung aus.

Keine einheitliche Abgabenerhebung

Kritik gibt es auch, weil keine einheitliche Kurtaxe erhoben wird. Nicht selten kommt es vor, dass ein Ort Kurtaxe erhebt, während der Nachbarort darauf verzichtet. Aber die Taxen-Hoheit liegt bei den Fremdenverkehrsorten selbst. Kassieren und weiterleiten müssen die Gelder die Beherbergungsunternehmen, was auch nicht überall gut ankommt. Doch längst schon kalkulieren die Kommunen mit der Kurtaxe ihrer Gäste. Beispielsweise nimmt die Kurstadt Radolfzell am Bodensee jährlich 550 000 Euro aus dieser Abgabe ein und Überlingen kommt auf über 930 000 Euro im Jahr. Gerade dieses Beispiel zeigt aber auch, dass die Einnahmen nur einen Teil der öffentlichen Aufwendungen decken. Allein die Pflege der Parks und Gärten kostet nach Angaben der Stadt am Bodensee jährlich 1,2 Millionen Euro.
 

Die Kurtaxe


Die Kurtaxe, mancherorts auch Ortstaxe genannt, gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Baden-Baden, das dank seiner Thermalquellen schon 1306 das Baderecht bekam, erhebt seit 1507 Kurtaxe von seinen Gästen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kurtaxe weithin üblich, die Einnahmen beflügelten das Wachstum des Tourismusstandorts. Ein Vergleich der Kurtaxe zeigt, dass die Gebühr am Bodensee noch weitgehend im Mittelfeld liegt. Bundesweiter Spitzenreiter ist die Kurstadt Baden-Baden mit 3,80 Euro, weitere Spitzenreiter liegen an Nord- und Ostsee. Kurtaxe wird auch in anderen Ländern Europas erhoben. Auch in den Fremdenverkehrsgebieten Spaniens schauen die Behörden streng auf die Vermieter, ob sie auch die Abgabe einziehen. Wenn nicht, drohen ihnen teils saftige Bußgelder.