Die Brigach gehört zu den schönsten Flüssen in der Region. 40 Kilometer weit schlängelt sie sich am Rande des Schwarzwalds durch Villingen Donaueschingen entgegen. Eigentlich ein Paradies für Angler, doch längst trüben schlechte Nachrichten die Freuden der Hobby-Fischer.

Seit Ostern verenden Fische in der Brigach. Trotz zahlreicher Untersuchungen und Analysen ist völlig unklar, was das Fischsterben verursacht. Wie das Landratsamt Schwarzwald-Baar mitteilt, konnten bei den untersuchten Stoffen keine bedenklichen Grenzüberschreitungen festgestellt werden, die Untersuchungsergebnisse geben daher keinen Aufschluss über die Ursache für das Fischsterben.

Die Angler aus Villingen und St. Georgen, die Teilstücke der Brigach zum Fischen gepachtet haben, sind entsetzt. Denn bereits im Jahr 2013 waren durch das Einleiten von Nitrit in die Brigach nahezu alle Fische verendet. Drei Jahre lang hatten die Angler mit sehr großem Engagement dafür gesorgt, dass wieder Leben in die Brigach einkehrt.

Sie setzten Fische aller Größen aus und zogen Fischeier in speziellen Brutkästen heran. „Mit Wut, Trauer und einem Gefühl der Machtlosigkeit müssen wir nun befürchten, dass alle Mühe vergebens war“, erklärt Christian Föhrenbach, Vorsitzender der Villinger Anglergesellschaft, gegenüber dieser Zeitung. Die Situation ist dramatisch: „Das ist, als ob man ein Haus baut, und direkt nach der Fertigstellung stürzt es ein.“ Eigentlich sollte die Brigach in Teilbereichen am 1. April wieder zum Fischen freigegeben werden. „Das war natürlich nichts, jetzt müssen wir abwarten, was weiter geschieht“, sagt Föhrenbach.

<p>Der Vorsitzende der Anglergesellschaft, Christian Föhrenbach, zeigt tote Barben und Mühlkoppen, die er in der Brigach gefunden hat. </p>

Der Vorsitzende der Anglergesellschaft, Christian Föhrenbach, zeigt tote Barben und Mühlkoppen, die er in der Brigach gefunden hat.

| Bild: Anglergesellschaft

Auch die Angler in St. Georgen sind tief frustriert. „Wir haben im Mai 2015 rund 25 000 Forellen ausgesetzt, davon ist keine mehr da“, schildert Gewässerwart Klaus Lachner die Situation. Er sieht die Angler als eine Art Frühwarnsystem für das empfindliche Öko-Gleichgewicht im Gewässer. „Ohne uns wäre es ja gar nicht bekannt geworden, dass Schadstoffe die Brigach belasten.“

Kranke und tote Fische

Bei ihren zahlreichen Kontrollgängen haben die Angler tote Bachforellen, Barben, Döbel, Groppen und Regenbogenforellen gefunden. Außerdem zeigen viele Fische in dem betroffenen Bereich ein geschwächtes, nicht normales Verhalten. „Sie sind völlig apathisch und werden von der Strömung abgetrieben“, erzählt Christian Föhrenbach. Die Fische kommen zur Untersuchung in das Tierklinische Institut in Freiburg. „Jeder tote Fisch ist ein Beleg dafür, dass wir ein Fischsterben haben“, erklärt Föhrenbach.

In St. Georgen ist es den Anglern immerhin schon in Zusammenarbeit mit dem Landesfischereiverband gelungen, die Stelle zu lokalisieren, ab der im Bach praktisch alles Leben ausgelöscht wurde. Der kritische Punkt ist auf Höhe des Bauhofs St. Georgen und eines Supermarktes. Das Landratsamt Schwarzwald-Baar schließt aus, dass Schadstoffe über das Klärwerk in Peterzell in die Brigach gelangen, da auch oberhalb der Anlage der Fischbestand ausgelöscht worden ist. Außerdem werden die Abflüsse der Kläranlage regelmäßig überprüft, um genau solch ein Fischsterben zu verhindern.

Die Behörden wollen der Sache jetzt wissenschaftlich auf den Grund gehen. Daher findet bei St. Georgen ein so genanntes Fisch-Monitoring statt, um weitere Erkenntnisse zu bekommen. Dazu wird in einem Abschnitt ein Behälter mit Fischen in den Fluss gelassen und regelmäßig untersucht. Der Behälter und der Fischbestand darin werden täglich kontrolliert, um Störungen der Wasserqualität gleich zu erkennen. Alle Maßnahmen finden in enger Abstimmung mit den Betroffenen und dem Landesfischereiverband statt.


Infektionskrankheit kann wohl ausgeschlossen werden

Das Amt für Wasser und Bodenschutz hat auch eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Dabei werden in bestimmten Bereichen des Flusses Fischnährtiere wie Schnecken, Muscheln, Ringelwürmer, Milben oder Flohkrebse unter die Lupe genommen. Davon erwarte man sich noch detailliertere Erkenntnisse über mögliche Gewässerbelastungen. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Auch die Untersuchung der toten Fische ist noch nicht abgeschlossen.

Vom Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamt (CVUA) habe man die Mitteilung erhalten, dass eine Infektionskrankheit mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann und ein Test zu einer allgemeinen Fischvergiftung mit negativem Ergebnis abgeschlossen wurde. Nun stehe noch eine letzte Gift-Prüfung aus.

 

 

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