Die Stuttgarter Rosensteinstraße. Viel Verkehr, wenige Geschäfte, ein Kino nur, ein Billard-Café, ein Discounthotel. In einer Nacht im vergangenen März heult hier ein Motor auf, er röhrt, lang, laut, immer wieder. Der 20-Jährige am Steuer des Jaguar-Sportwagens ist heiß auf den Geschwindigkeitsrausch dort, wo nur Tempo 50 erlaubt ist. Er tritt das Gaspedal durch, sein gemieteter Sportwagen zischt die Straße hinunter, bis die Tachonadel fast 165 Kilometer pro Stunde anzeigt. Sekunden später prallt er auf.

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Denn der junge Mann verliert die Kontrolle über seinen Jaguar F-Type Coupé, als ein entgegenkommender Wagen von der Straße abbiegt. Sein 550-PS-Bolide zieht beim Ausweichen nach links, er prallt gegen einen Kleinwagen, der in einer Ausfahrt wartet, zurück bleibt ein Trümmerfeld aus verbogenem Blech, zersplittertem Glas und Blut. Zwei Menschen sterben in dieser Nacht, ein 25-jähriger Mann und seine 22-jährige Freundin. Sie waren erst vor Kurzem aus Nordrhein-Westfalen nach Stuttgart gezogen. Nun muss sich der Todesfahrer vor Gericht verantworten. Es ist der erste Mordprozess wegen Raserei in Baden-Württemberg, er wird wegen des Alters des Mannes vor der Jugendkammer verhandelt.

Gutachten führt zur Anklage wegen Mord

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart noch wegen fahrlässiger Tötung gegen den jungen Mann ermittelt, der wie sein 18 Jahre alter Beifahrer mit dem Schrecken davongekommen war. Doch ein Gutachter sorgte dafür, dass die Ermittler ihre Meinung änderten: Der Mann am Steuer des Jaguars habe die höchste Geschwindigkeit erreichen wollen, bilanziert er die Auswertung des Bordcomputers. Danach waren auch die Ankläger sicher: Der junge Mann wollte „die höchstmögliche Geschwindigkeit des Sportwagens austesten“. Billigend habe der 20-Jährige den Tod anderer in Kauf genommen. Ob Menschen sterben oder nicht, das habe nur vom Zufall abgehangen. „Wir sagen, das Risiko hat er gesehen“, so die Staatsanwaltschaft. Der bedingte Tötungsvorsatz sei gegeben – und so die Grundlage für eine Mordanklage.

Tritt die Jugendkammer des Landgerichts am 11. September das erste Mal zusammen, beginnt für die Eltern des 22-jährigen Opfers, die als Nebenkläger auftreten, ein neues Kapitel des Leids. „Sie sind nun weg, einfach gestorben, und ihr Tod ist so unnütz wie irgendetwas“, sagte die Mutter. „Dem Verbrecher war das Leben unserer Tochter völlig gleich, der wollte nur seinen Freunden zeigen was er für ein toller Typ ist.“ (dpa)