Es dürfte einer der größten Prozesse sein, die das Landgericht in Freiburg je stemmen musste. Am Mittwoch beginnt vor der Jugendkammer die Verhandlung um einen Fall, der die Region bis ins Mark erschütterte, als er im vergangenen Herbst bekannt wurde: Damals wurde bekannt, dass eine Gruppe von Männern – mindestens acht – eine gerade 18-Jährige in unmittelbarer Umgebung der Diskothek Hans-Bunte-Areal im Freiburger Industriegebiet vergewaltigt hatten. Die junge Frau hatte selbst Anzeige erstattet.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Untersuchung ihres Bluts zeigte Spuren einer Droge, dir ihr nach Angaben der Staatsanwaltschaft ins Getränk gemischt worden sein müssen. Haupttäter Majd H., damals 21 Jahre alt, begleitete die 18-Jährige nach draußen. In einem Gebüsch neben dem Hintertor der Disco verging er sich zunächst alleine an ihr. Dann rief er seine Bekannten an, die noch in dem Club waren. Diese vergingen sich dann ebenfalls an ihr. So zumindest lautet der Tatvorwurf gegen die inzwischen insgesamt elf Angeklagten. Acht der jungen Männer sind Syrer, zwischen 18 und 29 Jahre alt, außerdem sind ein Iraker (23), ein Algerier (18) sowie ein 25-Jähriger mit deutscher Staatsbürgerschaft angeklagt.

Mammutprozess bis Jahresende

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Freiburg zwei Anklagen erhoben – denn Majd H. sowie zwei seiner Mitangeklagten werden zudem wegen eines weiteren Vergewaltigungsvorwurfs einer jungen Frau angeklagt. Sie sollen sie zu dritt in einer Wohnung missbraucht haben. Doch schlussendlich war der Prozessaufwand zu groß, um den Fall gesondert zu behandeln. Deshalb entschied sich das Gericht wohl für einen gebündelten Prozess, sagt der Erste Staatsanwalt Ralf Langenbach dem SÜDKURIER auf Anfrage. „Der Hauptgrund dürfte aber der Opferschutz gewesen sein“, betonte er: Denn auf diese Weise müsse die junge Frau nur einmal vor Gericht aussagen. Ihre Aussage wird sie voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen, ein entsprechender Antrag wurde zumindest bereits gestellt, wie es in einer Mitteilung des Gerichts heißt.

Für den Mammutprozess musste das Landgericht Umbaumaßnahmen vornehmen, einige Sitzreihen sind offenbar entfernt worden, um die elf Angeklagten mit ihren Rechtsbeiständen unterzubringen. 47 Zeugen sind geladen, sowie fünf Sachverständige: drei Psychiater und zwei Rechtsmediziner werden zu dem Fall hinzugezogen. Schon jetzt hat das Gericht Termine bis Ende Dezember angesetzt, lediglich eine einmonatige Unterbrechung wird es über die Sommerpause des Gerichts ab 9. August geben.

Dabei sind voraussichtlich noch nicht alle Tatverdächtigen geschnappt: Immer noch sucht die Polizei nach einem weiteren Mann. Seit Januar wird mit einem Phantombild nach ihm gefahndet. Er wird als groß (1,90 bis 1,95 Meter) beschrieben, habe schwarzes Haar und dunkle Augen – zur Tatzeit soll er einen Bart getragen haben. Polizeisprecherin Laura Riske bestätigte auf Anfrage, dass „nach wie vor ermittelt“ werde.

Dagegen musste die Staatsanwaltschaft den Haftbefehl gegen einen zwischenzeitlich zwölften Tatverdächtigen fallen lassen. Der 33-jährige Deutsche, der als Zeuge in den Ermittlungen ausgesagt und in diesem Zuge eine freiwillige DNA-Probe abgegeben hatte, wurde mit Spuren am Opfer in Verbindung gebracht. Der Tatverdacht sei aber nicht „hinreichend“ gewesen, erläuterte Staatsanwalt Langenbach: „Nach Auswertung der Spuren konnte die Täterschaft nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden“, hieß es in einer Mitteilung vergangener Woche. Warum der Verdacht in erster Linie für einen Haftbefehl ausreichte, blieb offen.