Jedes Jahr, wenn die Tage kürzer werden, startet die Hochsaison für Einbrecher. Kaum eine andere Straftat wird so schlecht aufgeklärt. Sind die Sicherheitsbehörden machtlos, Herr Hermann?

Mit Sicherheit nicht! Wir verzeichneten im Jahr 2014 13500 Einbrüche in Baden-Württemberg. Seitdem konnten wir die Fallzahlen massiv senken. 2018 waren es nur noch 7100 Einbrüche. Die Zahlen sprechen für sich. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Welche Maßnahmen wurden damals getroffen?

In den Polizeipräsidien wurden Ermittlungsgruppen installiert, die sich auf diese Art der Kriminalität spezialisieren. Auch die technischen Möglichkeiten bei der Spurensicherung haben sich deutlich weiterentwickelt.

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Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Wir können heute Werkzeugspuren und Schuhabdrücke detaillierter auswerten, als vor einigen Jahren. Mittlerweile reichen Fragmente eines Schuhabdrucks aus, um festzustellen, welche Marke dahintersteckt.

Arne Hermann ermittelt beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Einbrecherbanden aus Osteuropa.
Arne Hermann ermittelt beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Einbrecherbanden aus Osteuropa. | Bild: Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Wer aufmerksam Zeitung liest, könnte meinen, dass der Großteil der Einbrüche von Banden aus Osteuropa verübt wird. Stimmt dieses Vorurteil?

Im Jahr 2018 lag der Anteil der nichtdeutschen tatverdächtigen Einbrecher bei gut 50 Prozent. Sie kommen größtenteils aus Albanien, Rumänien und Georgien.

Bild: Schönlein, Ute

Also sind Einbrecher kein rein deutsches Problem. Wie arbeiten Sie mit den umliegenden Staaten zusammen?

Die Täter sind sehr gut organisiert. Das macht es für die Polizei schwer. Seit 2014 gibt es ein EU-Projekt. Wir intensivieren dort die strategische und operative Zusammenarbeit bei der Europol in Den Haag. Wir tauschen dort Erfahrungen aus. Und lernen voneinander.

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Die offenen Grenzen machen es Ihnen besonders schwer, oder?

Glauben Sie mir. Auch wir sind froh, dass es das Schengen-Abkommen gibt. Grenzkontrollen sind nicht das Allheilmittel.

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Sprechen wir über die Bandenstrukturen. Zu welchen Erkenntnissen hat die europaweite Zusammenarbeit geführt?

Ich kann nur Beispiele nennen. Wir wollen uns nicht zu sehr in die Karten schauen lassen. Wir fanden heraus, dass viele Verdächtige in Deutschland, Frankreich und Großbritannien Spuren hinterlassen. Ohne die enge internationale Zusammenarbeit hätten wir einige Tatverdächtige der Bandenstruktur nicht zuordnen können.

Diejenigen, die gefasst werden, landen oft hinter Gitter. Das hindert sie aber nicht daran, trotzdem einzubrechen. Schrecken Haftstrafen überhaupt ab?

Die Haftstrafe wird nicht als so unangenehm empfunden, dass sie die Täter abschreckt. Bandenmitglieder werden sogar oft im Heimatland als Helden gefeiert. Während der Haftzeit werden die Angehörigen durch die Banden finanziell unterstützt. Einige verurteilte Einbrecher sagen selbst, dass eine Haftverbüßung im Heimatland einen deutlich höheren Abschreckungseffekt hätte. Dazu kommt: Die Einwohner westlicher Länder gelten per se als reich. Sie denken, dass der Einbruch für die Opfer leicht verkraftbar ist.

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Scheinbar unterstützen sich die Banden untereinander und helfen sich gegenseitig. Welche Rolle spielen die Familienstrukturen?

Bei bestimmten Einbrecherbanden spielt die Familie eine sehr große Rolle. Es gibt Bandenstrukturen, da kennen sich die Straftäter seit ihrer Kindheit und lernen von ihren älteren Verwandten das kriminelle Verhalten. Sie haben in solchen Clanstrukturen großes Vertrauen zueinander. Das macht es für uns schwer, diese Strukturen aufzubrechen.

Ein Mann verschafft sich Zutritt zu einer Wohnung.
Ein Mann verschafft sich Zutritt zu einer Wohnung. | Bild: dpa

Die dicken Fische kommen gar nicht nach Deutschland und machen sich hier die Hände schmutzig, oder?

Viele lassen sich tatsächlich in ihren Heimatländern nichts zu Schulde kommen und verhalten sich eher unauffällig. Deshalb ist es wichtig, die Reisewege und Absatzmärkte der Banden zu kennen. Es ist eine große Herausforderung an die Hintermänner heranzukommen.

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Werden eigentlich immer noch Terrassentüren aufgehebelt, oder hat sich bei der Herangehensweise etwas verändert?

Nach wie vor kommen die meisten Täter durchs Fenster ins Haus. Aber: Knapp die Hälfte aller Delikte scheitern beim Versuch. Es muss schnell und leise gehen. Nachbarn und Sicherheitstechnik können zumindest die Tatvollendung verhindern. Denn wenn es zu kompliziert wird, lassen die Täter ab und nehmen sich lieber ein anderes Haus vor.

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Viel Technik bedeutet, dass im Haus viel zu holen ist. Wenig Technik bietet weniger Schutz. Was empfehlen Sie?

Wie Sie sagen: Alles hat Vor- und Nachteile. Wir empfehlen, sich von den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen, die es bei jedem Präsidium gibt, individuell beraten zu lassen.

Werden die Einbrüche eigentlich lange im Voraus geplant, oder sind es spontane Attacken?

Grundsatz ist: Je professioneller die Täter und je lohnender das Objekt desto gründlicher erfolgt eine Ausspähung. Der Einbruch selbst geht bei professionellen Banden sehr schnell. Er ist minutiös getaktet. Einsteigen, ausräumen, wegfahren. Das dauert oft nur Minuten.

Wie viele Fälle werden derzeit aufgeklärt?

Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2014 bei 14 Prozent. 2018 waren es knappe 21 Prozent. Damit sind wir natürlich noch nicht zufrieden, aber es zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.