Kontaktsperre nennt die Politik, was letztlich dazu führen soll, dass sich Menschen vorübergehend so wenig wie möglich begegnen. Mit ein paar Ausnahmen sind in Baden-Württemberg Ansammlungen von mehr als zwei Personen seit dem Wochenende grundsätzlich verboten.

Es ist eine Reaktion darauf, dass die bisherigen Maßnahmen die Verbreitung des Corona-Virus nicht entscheidend genug eingedämmt haben. Auch weil sich zu viele Menschen zuvor nicht an die Empfehlungen gehalten haben, Abstand zu halten und möglichst zu Hause zu bleiben.

Die Gefahr ist real

Tatsächlich sind die absoluten Fallzahlen in der Region noch überschaubar. Am Abend des 22. März meldete der Landkreis Konstanz 86 Fälle, der Bodenseekreis 94, der Schwarzwald-Baar-Kreis 76 und der Kreis Waldshut 36 Fälle. Landesweit gab es laut Sozialministerium 4.300 Infizierte.

Klingt im Vergleich nach wenig, ist aber eine reale Gefahr. Zum einen kennen wir die Dunkelziffer der nicht getesteten, aber infizierten Personen nicht. Zum anderen ist die Aussagekraft der absoluten Fallzahlen begrenzt. Sie werden weiter steigen, daran besteht unter den Experten kein Zweifel. Die Frage ist nur, wie schnell.

Die Fallzahlen entwickeln sich rasant

Licht ins Dunkel bringt die Mathematik, denn aus den Fallzahlen lassen sich Ableitungen treffen. Dafür betrachten wir nicht die absoluten Werte als solche, sondern deren Entwicklung. So können wir mithilfe statistischer Methoden die sogenannte Verdopplungszeit berechnen. Also die Tage, die das Virus braucht, um doppelt so viele Menschen anzustecken, wie bisher infiziert sind.

Schauen wir uns die Entwicklung in den Landkreisen Konstanz und Bodensee in den letzten zehn Tagen an. Für diese beiden Landkreise liegen verlässliche Zahlen für jeden Tag vor.

Entwicklung der Corona-Fallzahlen

 

Wir sehen bei beiden einen Anstieg der Fälle. Die Kurven schwanken leicht, im Schnitt vermeldete der Bodenseekreis in den letzten zehn Tagen jeden Tag 21,9 Prozent mehr Fälle als am Vortag. Im Landkreis Konstanz waren es 15,9 Prozent. Beides liegt unter der Entwicklung im Bundesland.

Durchschnittliche Steigerung pro Tag seit dem 13. März 2020

 

Das sollte uns aber nicht beruhigen. Das Virus verbreitet sich exponentiell, weil ein Infizierter im schlechtesten Fall gleich mehrere Menschen ansteckt. So kann es sein, dass sich aus einer vermeintlich kleinen Steigerung schnell ein großes Problem entwickelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Natürlich sind diese Raten nur ein statistischer Wert und spiegeln nicht zu 100 Prozent wider, wie die Infektion sich in der Realität ausbreiten. Tatsächlich schwankt der Prozentsatz, um den die Infektionen in der Region zunehmen, jeden Tag. Zum Beispiel, weil Sonntag war und weniger Menschen getestet wurden. Dennoch kann uns die Statistik dabei helfen, die Gefahr des Virus zu verstehen. Denn nimmt man den durchschnittlichen Wert, kann man errechnen, wie die Infektionskurve in den kommenden Tagen aussehen könnte:

Die Lage im Bodenseekreis

Sofern sich die Dynamik nicht verändert, wird sich die Zahl der Fälle im Bodenseekreis alle drei bis vier Tage verdoppeln. Rechnet man bis Monatsende weiter, sieht die Kurve so aus:

 

Die Lage im Landkreis Konstanz

Für den Landkreis Konstanz verdoppelt sich die Fallzahl statistisch gesehen alle vier bis fünf Tage. Die Prognose bis Ende März sieht so aus:

 

Die Lage in Baden-Württemberg

Im gesamten Bundesland liegt die Verdopplungszeit bei ungefähr drei Tagen. Hochgerechnet bis Ende März ergibt sich folgendes Bild:

 

Dies alles sind Prognosen, eine genaue Vorhersage ist nicht möglich, weil sich die Realität nicht einfach in Zahlen fassen lässt. Inwieweit die am Wochenende beschlossenen Maßnahmen beitragen, die Kurven abzuflachen, wird sich erst in ein paar Tagen zeigen. Die sogenannte Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit, liegt bei der Corona-Infektion bei etwa sechs Tagen. Personen, die in der Statistik als Krankheitsfall auftauchen, sind also schon mehrere Tage infiziert – und damit womöglich auch Übertrager.