Radfahren im Urlaub boomt: Das Reisen auf dem Zweirad ist naturnah, umweltverträglich, gesund und ermöglicht dank E-Bikes auch ganz neue Streckenmöglichkeiten und Rundtouren. Auch Baden-Württemberg hat den Radtourismus als lohnenden Wachstumsmarkt entdeckt und will künftig noch mehr Fahrradurlauber ins Land locken. Dazu haben das für Tourismus zuständige Justizministerium und das Verkehrsministerium eine gemeinsame Qualitätsoffensive Radtourismus gestartet. Denn Radurlauber erwarten eine perfekte Infrastruktur vor Ort, wie sie längst nicht bei allen Landesfernradwegen einheitlich vorhanden ist.

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Ziel der Offensive ist es, die einzelnen Radfernwege in Sachen Wegführung, Beschilderung, Pflege und Informationsmöglichkeiten auf ein vergleichbares Niveau zu bringen und offensiv zu vermarkten. „Der Radtourismus ist vor allem im ländlichen Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Tourismusminister Guido Wolf (CDU), „aber Baden-Württemberg wird bislang zu wenig als attraktive Radreiseregion wahrgenommen.“ Und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ergänzt: „Wir wollen dauerhaft das attraktivste Radreiseland in Deutschland werden, geprüfte Qualitätsradwege sind eine zentraler Baustein dieser Strategie.“

Genaue Beurteilung

Dazu sollen innerhalb der nächsten beiden Jahre alle Landesfernradwege, die sich derzeit in Bekanntheit, Vermarktung und Beschaffenheit noch deutlich unterscheiden, nach den Standards der ADFC-Qualitätsradrouten klassifiziert werden und so dem Urlauber einen Vergleich auf einheitlicher Basis ermöglichen. Erreichbarkeit, genaues Wegprofil und -beschaffenheit, Streckenlänge, Beschilderung und touristisches Angebot etwa gehören zu den Bewertungskriterien, nach denen die Radrouten mit bis zu fünf Sternen ausgezeichnet werden.

Zwölf der derzeit 19 Landesradfernwege und damit mehr als in jedem anderen Bundesland sind bereits klassifiziert, darunter der Radweg „Liebliches Taubertal – Der Klassiker“ als Spitzenreiter mit fünf Sternen oder mit jeweils vier Sternen Bodensee-Radweg, Donau-Radweg, Kocher-Jagst-Radweg, Neckartal-Radweg und Südschwarzwald-Radweg.

Fahrradtouristen ruhen sich am Hafen von Iznang am Bodensee aus.
Fahrradtouristen ruhen sich am Hafen von Iznang am Bodensee aus. | Bild: Patrick Seeger/dpa

Mit Unterstützung des Landes sollen sich nun auch die Anrainerkommunen und das Tourismusmarketing der anderen sieben, bislang noch nicht klassifizierten Landesfernradwege auf den Weg machen. Betroffen sind der Rheintal-Radweg, die Veloroute Rhein sowie die Landesfernradwege Schwäbische Alb, Kraichgau-Hohenlohe, Hohenlohe-Ostalb, Hohenzollern und Alb-Neckar. „Wir unterstützen die Regionen durch Beschilderung, Infrastrukturförderung und Beratung“, sagt Hermann, „davon profitiert dann auch der Alltagsradverkehr.“

Gleichzeitig soll mit der Qualitätsoffensive auch eine Bereinigung erfolgen. Denn sollte es bei den Akteuren vor Ort kein Interesse geben, sich um Zustand und Qualität des Radwegs zu kümmern und eine Klassifizierung nicht möglich sein, werde den Strecken der Status als „Landesfernradweg“ aberkannt.

Radtouristen auf dem Bodenseeradweg durch Dingelsdorf.
Radtouristen auf dem Bodenseeradweg durch Dingelsdorf. | Bild: Oliver Hanser

Auf der anderen Seite können sich auch neue Kreise und Gemeinden darum bewerben, ihre Radwege zum offiziellen Landesradfernweg aufwerten zu lassen, wenn sie die Kriterien des Landes erfüllen. Für die Kommunen kann sich das lohnen: Dann übernimmt die Nahverkehrsgesellschaft des Landes (NVBW) im Auftrag des Verkehrsministeriums die Pflege und Wartung von Wegen und Beschilderung, es gibt Fördermittel des Landes und die Wege werden von der Tourismus-Marketing-Gesellschaft (TMBW) als Teil des Radtourismus im In- und Ausland beworben.