Wenn der grüne Regierungschef Winfried Kretschmann selbst als Ehrenretter der CDU in die Bresche springt und deren vermeintliche „inhaltliche Insolvenz“ dementiert, sollten bei der Südwest-CDU eigentlich die Alarmglocken klingeln. So geschehen bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag in Stuttgart. Eine Insolvenz könne er nicht feststellen, die CDU stünde schließlich jeden Tag mit Inhalten bei ihm auf der Matte und man streite ja nicht um nichts, attestierte Kretschmann der CDU treuherzig.

Die streitet derweil über den Vorstoß von CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart gegen die eigene Parteispitze. „Inhaltliche Insolvenz“ und Führungsschwäche hatte Reinhart am Freitag der CDU attestiert und damit ohne Not die innerparteilichen Personaldebatten eine Woche vor dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig neu befeuert. Susanne Eisenmann, Spitzenkandidatin der Südwest-CDU und amtierende Kultusministerin, machte am Dienstag deutlich, was sie von derlei Öffentlichkeitsarbeit hält: nichts. „Ich wage zu bezweifeln, ob das für die CDU eine glückliche Aussage war“, sagte sie. Als CDU-Spitzenkandidatin sehe sie sich zwar nicht beschädigt. „Aber meine Wortwahl wäre das nicht gewesen, und es trifft die Sache nicht“, befand Eisenmann. Auch im CDU-Landesvorstand habe es am Vortag Kritik an Reinhart gehagelt. Handlungsbedarf bei der CDU räumte Eisenmann dennoch ein. „Wir müssen wieder ein klares Profil herausarbeiten, rote Linien ziehen und weniger Kompromisse eingehen, was den Markenkern der CDU betrifft“, sagte sie. „Aber wir brauchen in den nächsten Monaten inhaltliche Profilbildung und keine Personaldiskussionen.“

Ob die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer „Kanzlerin könne“, wollte Eisenmann nicht beantworten. „Manche wachsen auch erst im Amt, jeder kann an sich arbeiten, und das unterstelle ich auch Frau Kramp-Karrenbauer“, sagte sie zurückhaltend. Zu Friedrich Merz, der erst am Wochenende auf dem Landestag der Jungen Union in Bad Waldsee wie ein Popstar und Heilsbringer gefeiert worden war, äußerte sich Eisenmann distanziert. „Er ist weder Teil des Problems der CDU noch Teil der Lösung“, befand sie. „Friedrich Merz ist, was das Wirtschaftsprofil angeht, für die CDU durchaus eine wichtige Verkörperung. Das ist seine Rolle.“. Ansonsten sei Merz ein CDU-Mitglied unter vielen – „gleichwohl mit hoher medialer Präsenz.“

Der größte Gegner der CDU sitzt wohl weiter zuerst in den eigenen Reihen. Eisenmann jedenfalls lobte am Dienstag „die Weitsicht und Klugheit unseres Ministerpräsidenten“ nach dessen Verteidigung der CDU. Und da feixten sie einhellig nebeneinander vor der Landespresse, der grüne Regierungschef und seine ihm in Sympathie verbundene kommende CDU-Herausforderin von 2021.