Das Coronavirus greift in Baden-Württemberg um sich und hat nun auch Rottweil erreicht: Nach einem ersten bestätigten Fall im Kreis Göppingen vom Dienstag und zwei weiteren in Tübingen bestätigte das Landesgesundheitsamt am Mittwochabend einen weiteren Infektionsfall in Rottweil. Damit stieg die Zahl der Infizierten in Baden-Württemberg auf zunächst vier. Die Gesundheitsbehörden im Südwesten behalten die Patienten genau im Blick - und deren Kontaktpersonen, also Familie, Freunde und Kollegen.

Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), der Sozialminister in Baden-Württemberg, spricht bei einer Pressekonferenz zum Thema Coronavirus.
Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), der Sozialminister in Baden-Württemberg, spricht bei einer Pressekonferenz zum Thema Coronavirus. | Bild: Bernd Weissbrod

Noch am Mittwochmittag hatte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) mit Gesundheitsexperten der Behörden bei einer Pressekonferenz über den ersten bestätigten Infektionsfall – einen 25-jährigen Mann aus dem Kreis Göppingen – als einem „Einzelfall“ gesprochen und zur Besonnenheit aufgerufen. „Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns“, hatte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) beteuert, „es gibt keinen Grund zur Unruhe.“

Tübinger Oberarzt steckt sich an

Kaum war die Pressekonferenz beendet, da war die beruhigende Botschaft vom „Einzelfall“ aber auch schon überholt: Die Uniklinik Tübingen teilte am Nachmittag mit, dass sich auch die Reisepartnerin des ersten Infizierten sowie deren Vater, ein Oberarzt an der Uniklinik Tübingen, mit dem hochansteckenden Coronavirus infiziert hätten.

Der Infektions-Eingang der Klinik am Eichert. In Göppingen wurde der erste Coronakranke in Baden-Württemberg bestätigt.
Der Infektions-Eingang der Klinik am Eichert. In Göppingen wurde der erste Coronakranke in Baden-Württemberg bestätigt. | Bild: Stefan Puchner

Am Abend folgte dann die Nachricht aus Rottweil. Bei diesem Fall handelt es sich um einen 32-jährigen Mann aus dem Landkreis Rottweil, der am 23. Februar mit seiner Familie aus dem Risikogebiet in Italien (Provinz Lodi, Codogno) eingereist ist. Er hatte sich aufgrund der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet. Am frühen Mittwochabend hat sich der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus schließlich bestätigt. Der Patient wird nun in einem Krankenhaus betreut und isoliert von den anderen Patienten behandelt. Seine mitgereiste Ehefrau und sein Kind sind dagegen negativ getestet worden, bleiben aber in häuslicher Absonderung.

Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg setzt eine inaktivierte Probe eines Covid-19-Verdachtsfalles aus Baden-Württemberg in eine Vorrichtung.
Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg setzt eine inaktivierte Probe eines Covid-19-Verdachtsfalles aus Baden-Württemberg in eine Vorrichtung. | Bild: Marijan Murat

„Wir setzen darauf, das Virus in den Griff zu bekommen“, hatte Lucha vor Bekanntwerden der neuen Fälle noch als Parole ausgegeben. „Bei drei möglichen Gefahrenstufen bei der Ausbreitung einer Epidemie stehen wir noch auf der untersten“, sagte er. Die Behörden und Kliniken seien gut vorbereitet. Ungeachtet der auch im europäischen Ausland wachsenden Infektionszahlen warnte er davor, in Panik zu verfallen und rief die Bevölkerung zu Besonnenheit und der Befolgung üblicher Präventionsmaßnahmen auf. Grenzschließungen seien derzeit nicht geplant.

Bislang sind laut Ministerium 13 Kontakte des erkrankten 25-Jährigen aus dem Kreis Göppingen bekannt und informiert, darunter die junge Frau aus Tübingen und eine italienische Freundin des Paares. Problematisch könnte noch ein Kinobesuch des Mannes mit einem Bekannten im bayrischen Neu-Ulm sein. Laut Landratsamt saßen am Samstagabend insgesamt 138 Menschen im Saal.

Mit Material von dpa