Nach einem Jahr geht der Prozesses um bandenmäßigen Drogenhandel im Schwarzwald auf die Zielgerade. Nachdem zuletzt zwei der verbliebenen sechs Verfahren abgetrennt wurden, plädierte die Staatsanwaltschaft gegen vier Hauptangeklagte. Vorausgegangen war ein Deal, eine Absprache zwischen Verteidigern und Anklage, bei dem die Angeklagten einen Teil der Vorwürfe eingeräumt hatten. Dabei geht es um den Handel von Hashisch und Marihuana in dreistelligem Kilobereich sowie Kokainhandel mit 2,5 Kilogramm.

Anklage sieht Ermittlungen bestätigt

Oberstaatsanwalt Joachim Speiermann nannte das Verfahren in seinem Plädoyer außergewöhnlich sowohl was die Menge des gehandelten Rauschgifts als auch die Verteidigungsstrategie angeht. „Für mich und die ermittelnde Polizeibeamten ist es ein Stückweit Genugtuung, dass wir es nicht mit unschuldigen Kaufleuten zu tun haben“, sagte Speiermann in Anspielung auf die Darstellung der Angeklagten als unbescholtene Pizzabäcker aus dem Schwarzwald noch zu Beginn des Prozesses.

Kritik übte er an den späten Geständnissen der Angeklagten, deren Taten durch Tausende Abhörprotokolle und Aussagen anderer bereits verurteilten Angeklagten im Verlauf des Prozesses schon bewiesen seien. Im Falle des Angeklagten Placido Anello, der einer Namensnennung durch den SÜDKURIER ausdrücklich zugestimmt hatte, forderte Speiermann mit neun Jahren und fünf Monaten die höchste Strafe. Er hatte einen Drogenhandel- beziehungsweise -besitz von 150 Kilogramm teilweise eingeräumt. Der Anklagepunkt eines geplanten, aber letztlich nicht ausgeführten Überfalls auf ein Juweliergeschäft im italienischen Verona fiel indessen dem Deal zum Opfer. Speiermann äußerte darüber sein Bedauern, zeige dieser Vorfall doch die „kriminelle Energie“ der Angeklagten. Um diesen Anklagepunkt zu verhandeln, hätte man aber noch weitere Monate in der ehemaligen Siemens-Kantine verbringen müssen, was noch mehr Steuergelder verschlungen hätte.

Etwas geringer fällt die Forderung bei Giovambattista S. mit neun Jahren sowie Rosario I. und Giuseppe A. mit jeweils siebeneinhalb Jahren aus. Bei allen vier handele es sich nicht um kleine Fische, so Speiermann. Abgehörte Gespräche hätten auch Hinweise zum italienischen organisierten Verbrechen gegeben, etwa wenn es um eine hohe Mafia-Führung, die Cupola gegangen sei.

Streit um Verteidigungsstrategie und Verteidigerverhalten

Erneut warf der Chefankläger den Verteidigern vor, den Prozess durch eine Flut von Befangenheitsanträgen verschleppt und mit Vorwürfen gegenüber Ermittlern Sand ins Getriebe des Prozessverlaufs gestreut zu haben. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Rechtsanwalt Tomislav Duzel etwa warf der Anklage vor, die teilweise aggressive Strategie der Verteidiger habe sich die Staatsanwaltschaft durch ihren eigenen „Stil“ selbst zuzuschreiben. Und Rechtsanwalt Giuseppe Olivio kritisierte, Speiermann habe die öffentliche Stimmung mit einem unbelegten Mafia-Verdacht anheizen wollen, um eine harte Strafe durchzusetzen.

Die Anwälte tauchten ihre Mandanten indessen in ein deutlich freundlicheres Licht und forderten Haftstrafen am unteren Rand des Deals zwischen sechseinhalb und achteinhalb Jahren. Im Falle von Giovambattista S. brachte Rechtsanwalt Uwe Böhm zudem einen Maßregelvollzug ins Spiel, damit sein Mandant die Alkoholsucht in den Griff bekomme.

An diesem Mittwoch soll es für die vier Hauptangeklagten laut Ankündigung der Schwurgerichtskammer Urteile geben. Die Verfahren gegen Nicolo M. und Giacomo M., die bislang keine Geständnisse abgelegt haben, wurden abgetrennt.